Demenz als direkte Todesursache wenig plausibel – worauf beim Ausstellen des Totenscheins zu achten ist

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

22. Juni 2021

Eine Demenzerkrankung kann nicht direkt, sondern nur über Folgeschäden in anderen Organsystemen zum Tod führen. Drauf verweisen Lisa Küppers vom Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf, und Kollegen jetzt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift [1].

Ärzten, die eine Leichenschau durchführen, raten sie, alle Krankheiten aufzuführen und nach ihrer Relevanz zu ordnen, um den Eintritt des Todes nachvollziehbar zu machen. Unvollständige Angaben könnten die Feuerbestattung oder eine Auslandsüberführung verzögern, so ihre Warnung.

Herausforderungen für Ärzte bei Todesfällen von Demenzpatienten

Zum Hintergrund: Europaweit nehmen Demenzerkrankungen zu. Aktuell sind rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland an der neurologischen Störung erkrankt. Nehmen Ärzte eine Leichenschau vor, erkennen sie Demenz daher häufig als Grunderkrankung bei älteren, multimorbiden Patienten – und dokumentieren ihren Befund als Todesursache.

Bei mehr als jeder 10. Todesbescheinigung werden einer umfangreichen, älteren Analyse zufolge im Feld „Todesursache/Klinischer Befund“ medizinisch nicht mögliche Kausalketten angegeben. Das war für Küppers´ Team Grund genug, die wissenschaftliche Literatur anhand der Stichworte „dementia“ und „cause of death“ zu sichten. Daraus leiten sie ein systematisches Vorgehen ab, um den multikausalen Todeseintritt als Demenz-Folge nachvollziehbar zu machen.

Oft nur wenig spezifische Symptome

Den eingeschlossenen Studien zufolge hatte ein Großteil aller Demenz-Patienten wenige Tage vor dem Tod eine hohe Symptomlast.

Allerdings waren die Symptome meist unspezifisch. Die Autoren nennen Schwäche und Müdigkeit (je ca. 95%), Verwirrtheit und Appetitmangel (je ca. 87%), außerdem Angst, Anspannung, Luftnot oder Schmerzen (jeweils > 50%).

Demenz kann, auch in Kombination mit anderen Vorerkrankungen wie Morbus Parkinson oder Hirninfarkt, zu Schluckstörungen und todesursächlichen Aspirationspneumonien führen; dies wäre als Teil einer Kausalkette aufzuführen. Mögliche todesursächliche Folgen einer Demenzerkrankung können außerdem Exsikkose, Kachexie und rezidivierende Mikroaspirationen sein.

Bei mehreren ursächlichen Grundleiden eines Verstorbenen sollten diese, angeordnet nach ihrer Relevanz, in der Todesbescheinigung aufgeführt werden.

Kein vollständiger Totenschein – keine Feuerbestattung

Sind Angaben zur Todesursache nicht vollständig, erhalten Angehörige unter Umständen keine Freigabe zur Feuerbestattung, zur Auslandsüberführung oder zur Körperspende, ohne dass weitere Recherchen des zweitleichenschauenden Arztes notwendig sind. Außerdem haben die Angaben zu den Todesursachen Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen und die Verteilung von Ressourcen im Gesundheitswesen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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