Und sie schützen doch! Wie wirksam die Impfstoffe gegen SARS-CoV-2-Varianten sind – vor allem mRNA-Vakzine punkten

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

14. Mai 2021

Seit Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie treten immer häufiger mutierte Formen des Wildtyp-Virus auf. „Während die Liste der beobachteten/besorgniserregenden SARS-CoV2-Varianten wächst, wächst auch die Evidenz, welche Impfstoffe es gibt, die vor ihnen schützen“, schreibt Dr. Eric Topol, US-Kardiologe und Editor-in-Chief von Medscape, auf Twitter. Neue Daten zeigen, dass die Vakzinen von BioNTech/Pfizer (BNT162b2) und von Novavax (NVX-CoV2373) auch bei den Varianten wirksam sind – wenn auch in unterschiedlichem Maße [1,2].

 
Während die Liste der beobachteten/besorgniserregenden SARS-CoV2-Varianten wächst, wächst auch die Evidenz, welche Impfstoffe es gibt, die vor ihnen schützen. Dr. Eric Topol
 

BioNTech/Pfizer: Daten aus Katar

Zum Hintergrund: Katar erlebte die 2. SARS-CoV-2-Welle nach Monaten mit wenigen Neuinfektionen und wenigen Todesfällen gleich als Doppelschlag. Ab Januar 2021 breitete sich die britische Variante B.1.1.7 im Golfstaat rasant aus. Und wenige Wochen später folgte die südafrikanische Variante B.1.351.

Daher eignet sich der Wüstenstaat aber auch, um die Wirkung der Vakzine zu beurteilen. Das Team um Dr. Laith J. Abu-Raddad von Weill Cornell Medicine-Qatar, Doha, hat nun tausende Abstriche von COVID-19-Patienten analysiert. Alle Patienten hatten sich zwischen dem Beginn der Impfkampagne Ende Dezember 2020 und Ende März 2021 infiziert. In Katar kommt – und kam – die mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer zum Einsatz.

Genom-Sequenzierungen zeigten, dass B.1.1.7 und B.1.351 in diesem Zeitraum die vorherrschenden Coronavirus-Varianten waren. Sie ließen sich ab Mitte Februar 2021 bei der Hälfte aller Patienten nachweisen. Nach dem 7. März 2021 waren nahezu alle Fälle auf B.1.351 oder B.1.1.7 zurückzuführen.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde mit einem Test-negativen Fall-Kontroll-Studiendesign geschätzt, einer Methodik aus der Impfstoffforschung. Für die Registrierung von Fällen und Kontrollen werden dieselben klinischen Definitionen verwendet, sprich typische Symptome. Anschließend zeigen Labortests, welche Patienten Fälle und welche Kontrollen sind.

Eine wesentliche Stärke dieses Designs ist die Möglichkeit, Verzerrungen zu vermeiden, die sich aus Unterschieden im Verhalten bei der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen zwischen geimpften und ungeimpften Personen ergeben können.

Im NEJM haben Abu-Raddad und Kollegen jetzt Ergebnisse veröffentlicht [1]. Die geschätzte Wirksamkeit des Impfstoffs gegen jede dokumentierte Infektion mit B.1.1.7 betrug 89,5% (95%-Konfidenzintervall [KI] 85,9% bis 92,3%). Bei B.1.351 waren es 75,0% (95-KI 70,5% bis 78,9%). Speziell gegen schwere, kritische oder tödliche Erkrankungen durch eine beliebige Variante lag die Effektivität bei 97,4% (95%-KI 92,2% bis 99,5%). Alle Angaben gelten 14 oder mehr Tage nach der 2. Dosis.

„Obwohl es Durchbruchinfektionen gab, führten sie nicht zu Krankenhausaufenthalten und zum Tod, außer in sehr, sehr seltenen Fällen“, so Abu-Raddad.

 
Obwohl es Durchbruchinfektionen gab, führten sie nicht zu Krankenhausaufenthalten und zum Tod, außer in sehr, sehr seltenen Fällen. Dr. Laith J. Abu-Raddad
 

Novavax: Daten aus Südafrika

Nahezu zeitgleich haben Dr. Vivek Shinde, Vice President Clinical Development bei Novavax, und Kollegen im NEJM Daten zur Novavax-Vakzine publiziert [2]. Es handelt sich um einen Totimpfstoff mit gentechnisch hergestelltem Virusantigen und mit einem Adjuvans.

In ihre Phase 2a/2b-Studie in Südafrika haben die Forscher HIV-negative Erwachsene zwischen 18 und 84 Jahren oder HIV-positive Teilnehmer mit stabilem Krankheitsgeschehen zwischen 18 und 64 Jahren aufgenommen. Sie wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert. Alle Probanden erhielten 2 Dosen des NVX-CoV2373-Impfstoffs oder 2 Dosen Placebo.

Von 6.324 Teilnehmern, die sich einem SARS-CoV-2-Screening unterzogen, bekamen 4.387 mindestens eine Injektion mit Verum oder Placebo. Ungefähr 30% der Teilnehmer waren zu Studienbeginn seropositiv für SARS-CoV-2.

Unter den 2.684 seronegativen Teilnehmern zu Studienbeginn (94% HIV-negativ und 6% HIV-positiv) entwickelte sich bei 15 Teilnehmern in der Impfstoff-Gruppe und bei 29 in der Placebo-Gruppe leichtes bis mittelschweres COVID-19. Als Wirksamkeit des Impfstoffs geben die Autoren damit 49,4% (95%-KI 6,1% bis 72,8%) an. Die Effektivität des Impfstoffs speziell bei HIV-negativen Teilnehmern betrug 60,1% (95 %-KI 19,9% bis 80,1%).

Prof. Dr. Shabir A. Madhi von der University of the Witwatersrand, Südafrika, und Koautor der Publikation, betont, bei zu geringer Wirksamkeit des Impfstoffs gegen B.1.351 würden selbst erfolgreiche Impfprogramme ihr Ziel verfehlen. „Trotzdem könnten wir durch den Schutz von Personen mit hohem Risiko auch bei anhaltender Zirkulation zu einem relativ normalen Lebensstil zurückkehren“, so seine Hoffnung.

 
Trotzdem könnten wir durch den Schutz von Personen mit hohem Risiko auch bei anhaltender Zirkulation zu einem relativ normalen Lebensstil zurückkehren. Prof. Dr. Shabir A. Madhi
 

Überblick zur Effektivität von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2-Varianten

Die jetzt veröffentlichten Real-World-Daten aus Katar und aus Südafrika liefern weitere Antworten zur Frage, welcher Impfstoff gegen welche SARS-CoV-2-Variante schützt. Auf Twitter hat Topol alle bisherigen Daten zusammengestellt. Nach derzeitigem Kenntnisstand zeigen demnach mRNA-Vakzine eine breite Wirksamkeit gegen die wichtigsten derzeit zirkulierenden Virusstämme (s. Tabelle).

Quelle: E. Topol

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....