Die Umsetzung der Muster-Weiterbildungsordnung: Der derzeitige Stand der Dinge

Christian Beneker

Interessenkonflikte

12. Mai 2021

Fast alle Landesärztekammern haben die neue Muster-Weiter-Bildungs-Ordnung (MWBO) übernommen. In 13 von 17 Kammern ist die 2018 beim Ärztetag in Erfurt beschlossene neue MWBO in Kraft getreten. Das berichteten Prof. Dr. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, und Dr. Johannes Albert Gehle, Präsident der Kammer in Westfalen-Lippe, den Delegierten des 124. Deutschen Ärztetages [1].

Herrmann und Gehle sind die Vorsitzenden der Ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ (StäKo) der Bundesärztekammer. „Die übrigen Kammern werden höchstwahrscheinlich in diesem Jahr folgen“, sagte Herrmann. Allerdings wird die MWBO nicht überall eins zu eins übernommen, sondern zum Teil verändert. So gelte in einigen Kammern zum Beispiel das e-Logbuch verpflichtend, in anderen sei es eine „freiwillige Applikation“, wie es hieß.

 
Die übrigen Kammern werden höchstwahrscheinlich in diesem Jahr folgen. Dr. Henrik Herrmann
 

Die „Fahrpläne“ für die verschiedenen Weiterbildungen finden sich in den Muster-Kursbüchern. Diese inhaltliche Runderneuerung der Inhalte – sowie Lern- und Lehrziele der einzelnen Weiterbildungen – umfasst inzwischen 23 Muster-Kursbücher. Die StäKo reagierte auch auf die Corona-Pandemie und weitete das Onlineangebot von Weiterbildungskursen aus.

Hinzu tritt ein neues Element: der Weiterbildungsplan. „Die Pläne sollen die Weiterbildungsblöcke erklären“, sagte Gehle. Auch hier haben manche Kammern den Plan integriert, andere nicht. „Die Pläne sind nach und nach in der Ausarbeitung“, so Gehle.

e-Logbuch ist ein Kernstück der neuen MWBO

Ein Kernstück der Novelle sei das e-Logbuch, das allerdings erst von 10 Ärztekammern verwendet wird, berichteten die beiden StäKo-Vorsitzenden. Über das e-Logbuch können Weiterzubildende ihre erworbenen Kompetenzen dokumentieren und anschließen durch die Weiterbildungsbefugten bestätigen lassen.

Startschuss war am 1. Juli 2020. Zum Stichtag 18. März 2021 zählte man 7.102 Weiterzubildende, die das e-Logbuch nutzen, und 1.842 Weiterbildungsbefugte. Zukünftig sollen die Funktionen des e-Logbuches ausgeweitet und ergänzt werden. So plant die Kommission eine integrierte Suche nach Weiterbildungsbefugten, einen Vergleichsmodus, der die verschiedenen Weiterbildungsordnungen der Kammern darstellt oder die „Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit“, wie Herrmann sagte.

Anpassungen werden durch eine Lenkungsgruppe aus Kammervertretern begleitet. Der Ärztetag überwies indessen den Beschlussantrag auf „rasche Implementierung eines ‚responsive design‘ für gängige Mobilgeräte mit App-Anbindung und ‚offline-Modus‘“ an den Vorstand.

Das neue Weiterbildungssystem ist nicht Punkt für Punkt in Stein gemeißelt, sondern sei „ein lebendiges und lernendes System“, so Herrmann. Kein Wunder, dass die ersten Änderungsanträge eingebracht wurden, kaum dass die neuen MWBO auf dem Tisch lag. Sie landeten zunächst im „Themenspeicher“. Inzwischen umfasst er rund 30 Änderungsanträge, erklärte Herrmann.

Zunächst solle die neuen MWBO in den Länderkammern ins Rollen kommen, und dann wird die StäKo die Anträge priorisieren und über sie entscheiden, so Herrmann.

Neue Weiterbildung „Innere Medizin und Infektiologie“

Neu eingeführt hat der Ärztetag die Facharzt-Weiterbildung „Innere Medizin und Infektiologie“ als Gebiet der Inneren Medizin. „Ich bin selbst überrascht, dass wir es hingekriegt haben, einen wirklichen Facharzt zu kreieren“, erklärte Gehle. Es sei etwas entstanden, das eine eigene Kompetenz hat, Versorgungsrelevanz, und auch „in genügender Zahl weitergebildet werden kann“.

 
Ich bin selbst überrascht, dass wir es hingekriegt haben, einen wirklichen Facharzt zu kreieren. Dr. Johannes Albert Gehle
 

Die Facharzt-Weiterbildung sei intensiv mit involvierten Fachgesellschaften und Berufsverbänden sowie in den Gremien der Bundesärztekammer diskutiert worden, hieß es. Zusammen mit den Gebieten „Hygiene und Umweltmedizin“ und „Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie“ sowie der Zusatz-Weiterbildung „Infektiologie“ sei infektiologisches Wissen nunmehr in der Breite und Tiefe in der MWBO verankert, teilt die Bundesärztekammer mit.

Außerdem beschloss der Ärztetag, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit in die allgemeinen Inhalte der Weiterbildung aufzunehmen. Damit gilt der Abschnitt für alle Weiterbildungen. Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels seien von großer Wichtigkeit, sagte Herrmann. „Es geht um die grundlegenden Handlungskompetenzen für jede Ärztin und jeden Arzt, vollkommen egal, in welchem Fachgebiet sie sich weiterbilden.“

 

Kommentar

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