Fördern zuckerhaltige Getränke frühen Darmkrebs? Brusterhaltung beim Mammakarzinom, geeignete Therapien beim Ovarialkrebs

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

11. Mai 2021

Im Onko-Blog dieser Woche geht es um den Einfluss zuckerhaltiger Getränke auf das Risiko für ein früh auftretendes Kolorektalkarzinom. Bei älteren Risikopatientinnen mit Ovarialkarzinom sollte eine Kombitherapie bevorzugt werden. Immuncheckpoint-Inhibitoren haben sich bislang in der Erstlinientherapie dieses Tumors als nicht wirksam erwiesen. Eine große Kohortenstudie aus Schweden belegt den Nutzen der brusterhaltenden OP beim frühen Mammakarzinom.

  • Darmkrebs in jungen Jahren: Welche Rolle spielen Süßgetränke?

  • Ovarialkarzinom: Kombi auch für ältere Risikopatientinnen

  • Ovarialkarzinom: Immuncheckpoint-Hemmung in Erstlinie ohne Wirkung

  • Früher Brustkrebs: Brusterhaltende OP ist sicher und wirksam

  • Mund- und Rachenkrebs: Wer ein Risiko für Stimm- und Sprachveränderungen hat

Darmkrebs in jungen Jahren: Welche Rolle spielen Süßgetränke?

Wenn Jugendliche und Erwachsene täglich mehr als 2 zuckerhaltige Getränke konsumieren, geht das – zumindest bei Frauen – mit einem erhöhten Risiko für ein früh auftretendes Kolonkarzinom einher.

Dieses Ergebnis aus der Nurses‘ Health Study II hat eine US-amerikanische Arbeitsgruppe in Gut publiziert. Ihre Schlussfolgerung lautet: „Die Reduktion des Konsums zuckerhaltiger Getränke bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eignet sich möglicherweise als Strategie zur Verringerung der zunehmenden frühen Kolorektalkarzinome.“

Darmkrebserkrankungen vor dem 50. Lebensjahr haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die US-amerikanische Arbeitsgruppe untersuchte daher mit den Daten der Nurses‘ Health Study II den Effekt von gezuckerten Getränken auf das Risiko, früh ein Kolonkarzinom zu entwickeln.

Von 95.464 Frauen, zu denen Angaben zum Konsum von zuckerhaltigen Getränken vorlagen, erkrankten während der bisher 24-jährigen Nachbeobachtung 109 vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs.

Die Frauen, die regelmäßig mehr als 2 zuckerhaltige Getränke am Tag zu sich nahmen, erkrankten mehr als doppelt so häufig wie Frauen, die weniger als 1 solches Getränk pro Woche konsumierten (RR 2,18, p = 0,002). Jedes zuckerhaltige Getränk pro Tag mehr erhöhte das Risiko für einen frühen Darmkrebs um 16% (RR 1,16). Bei Personen im Alter von 13 bis 18 Jahren erhöhte jedes zuckerhaltige Getränk pro Tag das Risiko sogar um 32% (RR 1,32).

Allerdings fanden die Forscher, dass Personen, die viele zuckerhaltige Getränke konsumierten, auch sonst ungesünder leben. In der Nurses’ Health Study II waren sie z.B. körperlich weniger aktiv, verzehrten häufiger rotes Fleisch und Wurstwaren und weniger Ballaststoffe.

Ein denkbarer Mechanismus für die Assoziation zwischen zuckerhaltigen Getränken und frühem Kolorektalkarzinom könnte ein durch den Zuckerkonsum ausgelöster rascher Blutzuckeranstieg mit vermehrter Insulinsekretion sein, was zu Insulinresistenz, Entzündung, Übergewicht und Typ-2-Diabetes führt. Es entsteht also eine Stoffwechsellage, die mit einem erhöhten Risiko für ein Kolorektalkarzinom einhergeht.

Auch Störungen der Darmflora und eine Endotoxinämie durch Fruktose-Überschuss könnten eine Rolle spielen.

Ovarialkarzinom: Kombi auch für ältere Risikopatientinnen

Bei älteren Risikopatientinnen mit einem Ovarialkarzinom im Stadium III/IV führte eine Erstlinientherapie mit Carboplatin allein zu signifikant schlechterem progressionsfreiem und Gesamtüberleben als eine Kombitherapie von Oxaliplatin und Paclitaxel. Dies ergab eine offene, multizentrische Phase-2-Studie einer europäischen Arbeitsgruppe, die in JAMA Oncology erschienen ist.

Das Ovarialkarzinom von 120 Frauen im medianen Alter von 80 Jahren und mit erhöhtem Risiko wurde randomisiert mit Carboplatin oder mit Carboplatin plus Paclitaxel behandelt. Weil sich in der Monotherapie-Gruppe schlechtere Ergebnisse abzeichneten, wurde die Studie vorzeitig beendet.

Der primäre Endpunkt – Durchführung von 6 Zyklen ohne Fortschreiten der Erkrankung – wurde bei 65% der Patientinnen, die die Kombinationstherapie erhielten, und bei 48% unter Carboplatin allein erreicht.

Das progressionsfreie Überleben war mit 12,5 Monaten im Kombinationsarm deutlich länger als mit 4,8 Monaten im Carboplatin-Arm (Hazard-Ratio 2,51, p <0,001). Das Gesamtüberleben war zum Zeitpunkt der Datenanalyse im Kontrollarm noch nicht erreicht, im Monotherapie-Arm lag es bei 7,4 Monaten (HR 2,79, p < 0,001).

Bemerkenswert war, dass es bei der Kombitherapie weniger behandlungsbedingte toxische Wirkungen (43%) als bei der Monotherapie (58%) gab.

Trotz einiger methodischer Kritikpunkte beurteilen die Autoren des begleitenden Editorials die Studie als überzeugend. Sie belege, dass ältere Risikopatientinnen auch eine Kombinationstherapie tolerierten, die zudem bessere Ergebnisse erreiche als die Monotherapie. „Daher sollte die Zweifachtherapie als Standard dieser Patientenpopulation angesehen werden.“

Ovarialkarzinom: Immuncheckpoint-Hemmung in Erstlinie ohne Wirkung

Bei Frauen mit unbehandeltem Ovarialkarzinom im FIGO-Stadium III/IV hatte die zusätzliche Gabe des Immuncheckpoint-Hemmers Atezolizumab zur Kombination aus Paclitaxel und Bevacizumab – im Vergleich zu Paclitaxel plus Bevacizumab allein – keinen Effekt auf das progressionsfreie Überleben und auf das Gesamtüberleben (Daten noch nicht reif). Dieses Ergebnis der Phase-3-Studie IMagyn 50 ist von einer internationalen Arbeitsgruppe im J Clin Oncol publiziert worden.

Über 1.300 Frauen wurden mit Paclitaxel und Bevacizumab behandelt. Randomisiert erhielten 651 Frauen zusätzlich Atezolizumab, 650 Placebo. Bei rund 60% der Frauen war der Tumor PD-L1-positiv.

Das mediane PFS betrug 19,5 Monate mit Atezolizumab gegenüber 18,4 Monate mit Placebo. Auch bei den PD-L-1-positiven Frauen war kein Effekt von Atezolizumab nachweisbar: Das mediane PFS betrug 20,8 Monate mit Atezolizumab und 18,5 Monate mit Placebo.

Zuvor waren in Studien mit Avelumab in der Erstlinienbehandlung und bei Rezidiv ebenfalls keine Effekte gesehen worden. Die Autoren schließen daraus, dass es derzeit nicht sinnvoll ist, Immuncheckpoint-Hemmer bei Frauen mit neu diagnostiziertem Ovarialkarzinom einzusetzen.

Früher Brustkrebs: Brusterhaltende OP ist sicher und wirksam

Eine brusterhaltende OP mit Bestrahlung erhöht die Überlebenschance von Frauen mit Brustkrebs stärker als eine Mastektomie mit oder ohne Bestrahlung. Dies berichtete eine schwedische Arbeitsgruppe in JAMA Surgery .

Ihre große nationale Kohortenstudie basierte auf den prospektiv erfassten Daten von 48.986 Frauen mit Brustkrebs (T1-2, N0-2), die deswegen zwischen 2008 und 2017 operiert worden waren. 59,5% waren brusterhaltend operiert und bestrahlt, 14,7 % waren mastektomiert und bestrahlt und 25,3% nur mastektomiert worden.

Frauen mit brusterhaltender Operation und Bestrahlung erreichten eine 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate und eine brustkrebs-spezifische Überlebensrate von 95,1% bzw. 98,2%, die entsprechenden Werte für Frauen nach Mastektomie und Bestrahlung lagen bei 86,0% und 90,5% sowie für nur mastektomierte Frauen, bei 84,5% bzw. 95,0%.

Weitere Analysen zeigten, dass weder sozioökonomische Faktoren, noch Komorbiditäten noch eine Strahlentherapie nach Mastektomie die Überlebensraten veränderten.

Im begleitenden Editorial wirft Dr. Lisa A. Newman von der Weill Cornell Medicine, New York, die Frage auf, ob möglicherweise bei einem Teil der Frauen auch nach Lumpektomie auf eine Bestrahlung verzichtet werden und damit eine eventuelle Übertherapie vermieden werden kann. Nichtsdestotrotz zeige die Studie aber: „Die brusterhaltende Operation ist eine sichere und wirksame Behandlung eines Mammakarzinoms im frühen Stadium.“

Mund- und Rachenkrebs: Wer ein Risiko für Stimm- und Sprachveränderungen hat

Gesamt-Strahlendosis, multimodale Therapieregime, fortgesetztes Rauchen sowie verschiedene klinische und demographische Faktoren begünstigen das Auftreten von Stimm- und Sprachstörungen bei Langzeitüberlebenden eines Mund- und Rachenkarzinoms. Dies ergab eine retrospektive Kohortenstudie mit 881 Patienten des MD Anderson Cancer Centers in Houston, deren Ergebnisse in JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. erschienen sind.

Die Patienten waren zwischen Januar 2000 und Dezember 2013 an der texanischen Klinik kurativ behandelt worden. Zwischen September 2015 und Juli 2016 nahmen sie an einer Umfrage zu Sprach- und Stimmstörungen teil.

Von den 881 Teilnehmern berichteten 113 (12,8%) über moderate bis starke Sprach- und Stimmstörungen. Als Risikofaktoren hierfür konnten z.B. zunehmende Überlebenszeit (OR 1,17), zunehmende Gesamtstrahlendosis (OR 1,16), schwarze Hautfarbe (OR 3,9), hispanische Herkunft (OR 3,74), Rauchen zum Zeitpunkt der Fragebogenerfassung (OR 3,98), multimodale Chemotherapie (OR 1,94) sowie untere kraniale Neuropathien (OR 8,7) festgestellt werden.

Die Autoren weisen darauf hin, dass angesichts der wachsenden Zahl von Patienten mit HPV-assoziiertem Mund- und Rachenkarzinom, die langfristig überleben können, die Erhaltung und Funktion von Stimme und Sprache für die Lebensqualität sehr wichtig sei.

 

Kommentar

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