Fieber unbekannter Ursache: Was die häufigsten Ursachen sind – und wie Sie bei der Diagnostik am besten vorgehen sollten

Christoph Renninger

Interessenkonflikte

30. April 2021

Dr. Daniel Teschner, Bereichsleiter Infektiologie der Universitätsmedizin Mainz, berichtete beim 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin über mögliche Auslöser von Fieber mit zunächst unbekannter Herkunft [1].

Definiert ist Fieber als eine Körpertemperatur, die mehrfach über 38,0°C oder einmal über 38,3°C liegt. Von Fieber unbekannter Herkunft (FUO) sprechen Ärzte, wenn es über 3 Wochen anhält und keine identifizierbare Ursache hat. Bei immunsupprimierten Patienten gilt dies bereits ab einer Dauer von 3 Tagen.

Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Bindegewebserkrankungen (inflammatorisch/immunologisch): ca. 22%

  • Infektionen: ca. 16%

  • Malignome: ca. 7%

  • Andere, seltene Ursachen: ca. 4%

  • Keine Diagnose: ca. 51%

Oft stecken Infektionen hinter FUO

Der Anteil von Infektionen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch eine verbesserte Diagnostik verringert; Infektionen spielen dennoch eine wichtige Rolle.

Die häufigste infektiöse Ursache ist die Tuberkulose (Tbc), allerdings nicht die klassische Lungentuberkulose, sondern die extrapulmonale Tbc, die Miliartuberkulose. Oftmals steht sie im Kontext mit einer Immundefizienz, etwa bei einer HIV-Infektion. Haupterreger ist dabei Mycobacterium tuberculosis, in seltenen Fällen M. bovis.

An 2. Stelle stehen Abszesse bzw. okkulte Abszesse, typischerweise im Bauchraum, im kleinen Becken oder retroperitoneal. Hier sind meist gramnegative Bakterien der Verursacher, etwa Staphylococcus aureus oder Streptokokken. Es folgen Osteomyelitiden ohne lokalisierte Symptome. Diese zeigen sich meist durch Fieber und werden durch ähnliche Erreger, aber mit atypischer Symptomatik, verursacht.

Auch eine bakterielle Endokarditis mit negativer Blutkultur kann Ursache eines FUO sein. Da hier die häufigen Erreger durch die Blutanalyse ausscheiden, liegt die Ursache eher bei Coxiella burnetti, Brucella spp. oder Bartonella spp.

Teschner fasst zusammen, häufig vorkommende Erreger seien auch häufige Auslöser des FUO; seltene Erreger spielten hingegen kaum eine Rolle.

Wie Ärzte bei FUO vorgehen sollten

Zu Beginn stehen – wie immer – die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Wichtig sind dabei der Verlauf des Fiebers, eine mögliche Immunsuppression, weitere Medikamente, Reiseaktivitäten und Kontakte mit Tieren.

Die Verlaufskurve des Fiebers kann bereits Rückschlüsse erlauben:

  • Persistierendes hohes Fieber: Pneumonie, Meningitis, Harnwegsinfekt, Typhus

  • Remittierend, mittlere erhöhte Temperatur: Endokarditis, Brucellose

  • Intermittierend: Tbc, bestimmte Malariaformen

Bei Reiserückkehrern mit Fieber müssen auch tropische Erkrankungen, wie Malaria, Rickettsiose oder Denguefieber in Betracht gezogen werden. Hier empfiehlt Teschner jedoch sich Rat von reisemedizinischen Experten einzuholen.

Im Bereich der Labor- und Erregerdiagnostik ist die Blutkultur der Goldstandard. Außerdem sollten ein IFNγ-Release Assay und ein HIV-Test durchgeführt werden.

Zu den empfohlenen Laborwerten zählen:

  • Differentialblutbild,

  • C-reaktives Protein,

  • Rheumafaktor,

  • Antinukleäre Antikörper,

  • Serumelektrophorese,

  • Laktatdehydrogenase,

  • Procalcitonin.

Außerdem sollte eine Computertomographie des Thorax und des Abdomens durchgeführt werden.

Fallen alle Untersuchungen ohne auffälligen Befund aus, können in den nächsten Schritten eine Knochenmarkspunktion oder eine Gensequenzierung (Next Generation Sequencing) zum Pathogennachweis durchgeführt werden, gerade bei seltenen Erregern oder Pilzen.

Nicht immer gelingt eine Diagnostik

Trotz aller Fortschritte in der Diagnostik bleiben bis zu 30% aller FUO-Fälle ohne Diagnose. Allerdings ist der Verlauf und Ausgang meist günstig, mit einer 5-Jahressterblichkeit von 3%.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.
 

Kommentar

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