Genesen, aber nicht gesund: Warum Ärzte jetzt auf das Post-COVID-Syndrom achten sollten – und welche Gefahren drohen

Maria Weiß

Interessenkonflikte

27. April 2021

Die Belege, dass COVID-19 nach Abschluss einer stationären Behandlung nicht generell überstanden ist, häufen sich. Jetzt zeigen Daniel Ayoubkhani vom britischen Office for National Statistics und Kollegen, dass viele Patienten erneut stationär aufgenommen werden müssen und ihre Mortalität deutlich erhöht ist. Grundlage der jetzt im BMJ veröffentlichten Arbeit ist eine retrospektiven Kohortenstudie aus Großbritannien [1].

Daten von knapp 50.000 Patienten ausgewertet

Zum Hintergrund: Patienten mit dem Post-COVID-Syndrom leiden unter diversen längerfristig anhaltenden Beschwerden in zeitlichem Zusammenhang mit COVID-19. Die Symptome sind aber nicht mit SARS-CoV-2 zu erklären.

In Zuge einer retrospektiven Kohortenstudie wurden jetzt Daten von 47.780 Patienten ausgewertet, die wegen COVID-19 stationär behandelt und bis zum 31. August 2020 entlassen wurden. Von ihnen wurden 4.745 zuvor auf der Intensivstation behandelt. Das mittlere Alter in der Kohorte lag bei 65 Jahren, und 55% waren Männer.

Ayoubkhani und Kollegen untersuchten, wie viele Patienten bis Ende September 2020 erneut stationär aufgenommen wurden, wie hoch die Mortalität im Vergleich zur altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung in dieser Personengruppe war und welche Erkrankungen gehäuft auftreten.

29,4% der Patienten mussten im Beobachtungszeitraum von median 140 Tagen erneut stationär aufgenommen werden. Das war 3,5-mal mehr als in der adjustierten Kontrollgruppe von Personen gleichen Alters und Gesundheitszustandes. 12,3% der Patienten starben in den ersten Monaten nach ihrer Entlassung. Ihre Mortalität war 8-mal höher als in der altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung.

Bei COVID-19-Patienten fielen den Forschern zudem deutlich erhöhte Raten für respiratorische Erkrankungen, Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen auf.

Patienten mit dem Post-COVID-Syndrom benötigen multimodale Therapie

Absolut gesehen war das Risiko für eine Wiederaufnahme ins Krankenhaus, für Tod und Organschädigung bei Patienten über 70 höher. Allerdings war bei jüngeren Patienten der Unterschied im Vergleich zur gematchten Kontrollgruppe am größten. Das galt vor allem für Todesfälle und respiratorische Erkrankungen. Speziell bei Lungenerkrankungen. Hier waren Weiße deutlich seltener betroffen als andere Ethnien.

Das Fazit: COVID-19-Patienten bleiben auch nach der Krankenhausentlassung über einen langen Zeitraum Risikopatienten. Diagnose, Behandlung und Prävention des Post-COVID-Syndroms erforderten deshalb einen multidisziplinären Ansatz, der nicht auf ein Organsystem beschränkt sein sollte, so die Autoren.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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