COVID-19-Impfung: Bei Blutkrebs-Patienten weniger wirksam? Melanom: Schwere Immun-Nebenwirkungen noch im 2. Therapiejahr

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

20. April 2021

Im Onko-Blog dieser Woche geht es um hämato-onkologische Erkrankungen und um Hautkrebs. Es gibt erste Daten zur COVID-19-Impfung von Patienten mit CLL und multiplem Myelom mit mRNA-Impfstoff: Sie bilden wohl weniger Antikörper als Gesunde. In der Therapie des multiplen Myeloms erweist sich eine Vierer-Kombi in der Erstlinie als erfolgreich.

Eine Erfolgsmeldung gibt es auch beim r/r indolenten Non-Hodgkin-Lymphom: Die zusätzliche Gabe des PI3K-Inhibitors Copanlisib verlängerte das progressionsfreie Überleben. Beim follikulären Lymphom können auch ältere Patienten von Standardtherapie und klinischen Studien profitieren. Und Vorsicht beim Hautkrebs: Bei etwa 5% der Melanom-Patienten treten immunbedingte Nebenwirkungen der Immuncheckpoint-Hemmung erst verzögert – im Median nach 16 Monaten – auf.

  • CLL und Multiples Myelom: COVID-19-Impfung weniger wirksam?

  • Multiples Myelom: Vierer-Kombi in der Erstlinie ziemlich erfolgreich

  • Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom: Copanlisib verzögert Progression

  • Follikuläres Lymphom: Auch ältere Patienten profitieren von Standard- und Studientherapien

  • Melanom: Cave verzögerte Nebenwirkungen bei Immuntherapie!

  • Melanom: S3-Leitlinie zur Hautkrebsprävention aktualisiert

CLL und Multiples Myelom: COVID-19-Impfstoffe weniger wirksam?

Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) haben im Vergleich zu gesunden Personen eine verminderte Immunantwort auf eine COVID-19-Impfung mit mRNA-Impfstoff (Comirnaty®). Ähnliche Beobachtungen gibt es von Patienten mit multiplem Myelom.

Eine in Blood publizierte Studie einer vorwiegend israelischen Arbeitsgruppe ergab, dass von 167 CLL-Patienten nur 39,5% nach 2 Impfungen mit mRNA-Impfstoff entsprechende Antikörper entwickelten, während alle gesunden Vergleichspersonen zu 100% reagierten.

Die Immunantwort der CLL-Patienten war vom Erkrankungsstatus abhängig. So hatten Patienten unter aktiver Krebsbehandlung im Vergleich zu Personen, die die Behandlung abgeschlossen hatten und sich in Remission befanden, signifikant niedrigere Ansprechraten (16% gegenüber 79%).

Nicht vorbehandelte Patienten hatten eine Ansprechrate von 55,5%. Auch Personen, die die CLL-Behandlung mindestens ein Jahr vor der Impfung abgeschlossen hatten, sprachen auf den Impfstoff deutlich stärker an als Personen, die sich im letzten Jahr noch in Behandlung befanden (94% gegenüber 50%).

In einem Letter in Blood berichtet eine griechische Arbeitsgruppe, dass nur 20,6% der Patienten mit multiplem Myelom nach der ersten Dosis des mRNA-Impfstoffs Antikörper gebildet hatten, bei den gesunden Vergleichspersonen waren es 32,5%.

Multiples Myelom: Vierer-Kombi in der Erstlinie ziemlich erfolgreich

Die Vierer-Kombi aus Daratumumab, zusätzlich zu Carfilzomib, Lenalidomid und Dexamethason gegeben, führte bei 29 von 41 Patienten (71%) mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom zur MRD-Negativität (eine minimale Resterkrankung [MRD] war nicht mehr nachweisbar), so das Ergebnis der nicht randomisierten Phase-2-Studie MANHATTAN, das eine US-amerikanische Arbeitsgruppe in JAMA Oncology publiziert hat.

In die am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York durchgeführte, Forscher-initiierte Studie wurden zwischen Oktober 2018 und November 2019 insgesamt 41 Patienten mit multiplem Myelom aufgenommen. Ab Beginn der Kombinationstherapie mit dem CD38-Antikörper Daratumumab, dem Proteasom-Inhibitor Carfilzomib, dem Immun-Modulator Lenalidomid und Dexamethason wurden die 25 Frauen und 16 Männer im Median 20,3 Monate nachbeobachtet.

Den primären Endpunkt MRD-Negativität erreichten 71% der Patienten nach 6 Zyklen im Median. Die Rate an MRD-Negativität war bei Patienten mit hohem und normalem Erkrankungsrisiko ähnlich gut, zudem war der Effekt unabhängig vom Alter der Patienten.

Die Gesamtansprechrate lag bei 100%, ein sehr gutes partielles oder komplettes Ansprechen erreichten 95% der Patienten. Nach 11 Monaten Nachbeobachtungszeit lag das 1-Jahres-PFS bei 98%, das Gesamtüberleben bei 100%.

Häufigste unerwünschte Wirkungen vom Grad 3 oder 4 waren Neutropenie (27%), Hautausschlag (4%), Lungeninfektion (7%) und erhöhte Leberwerte (4%).

Aufgrund dieser vielversprechenden Ergebnissen wird nun die Vierer-Kombi in einer offenen randomisierten multizentrischen klinischen Studie (ADVANCE) mit dem aktuellen Behandlungsstandard bei Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom verglichen.

Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom: Copanlisib verzögert Progression

Copanlisib, ein Pan-Klasse-I-Inhibitor von Phosphatidyl-Inositol-3-Kinasen (PI3K), verlängerte in Kombination mit dem Standard Rituximab bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem indolenten Non-Hodgkin-Lymphom das progressionsfreie Überleben (PFS) von 13,8 Monaten unter Rituximab allein auf 21,5 Monate.

Eine internationale Arbeitsgruppe hat die Ergebnisse der multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Studie CHRONOS-3 in Lancet Oncology publiziert.

458 Patienten mit rezidiviertem/refraktärem indolentem Non-Hodgkin-Lymphom (60% follikuläres Lymphom) waren randomisiert mit Rituximab plus Copanlisib  oder Rituximab plus Placebo behandelt worden. Der primäre Endpunkt – das mediane progressionsfreie Überleben – war nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 19,2 Monaten mit Copanlisib signifikant länger (21,5 vs. 13,8 Monate) als mit Placebo (p < 0,0001).

Die objektive Ansprechrate war unter Copanlisib mit 81% gegenüber 48% unter Placebo höher.

Die Rate schwerwiegender behandlungsbedingter unerwünschter Ereignisse betrug 47% unter Copanlisib und 18% unter Placebo.

Damit ist Copanlisib der erste PI3K-Hemmer, für den bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem indolenten Non-Hodgkin-Lymphom in Kombination mit Rituximab eine bessere Wirksamkeit als mit Rituximab allein gezeigt werden konnte.

Follikuläres Lymphom: Auch ältere Patienten profitieren von Standard- und Studientherapien

Eine prospektive gepoolte Analyse der Follicular Lymphoma Analysis of Surrogacy Hypothesis (FLASH)-Gruppe, publiziert in Blood advances, zeigte, dass Patienten mit follikulärem Lymphom im Alter über 70 Jahren in ähnlicher Weise von Standardtherapien und der Behandlung in klinischen Studien profitieren wie jüngere Patienten. „Das Alter der Patienten allein sollte deshalb kein Ausschlussgrund von Standardtherapie oder klinischen Studien sein“, so das Fazit der internationalen Arbeitsgruppe.

Sie hatte die Daten von fast 6.000 Patienten aus 18 randomisierten, kontrollierten Studien zur Erstlinientherapie des follikulären Lymphoms analysiert. Primäre Endpunkte waren frühe Krankheitsergebnisse, komplettes Ansprechen nach 24 (CR24) und 30 Monaten (CR30) und das progressionsfreie Überleben nach 24 Monaten (PFS24). Sekundäre Endpunkte waren PFS und Gesamtüberleben (OS).

CR24, CR30 und PFS24 waren bei Patienten über 70 Jahre ähnlich wie bei Patienten, die jünger waren.

Das mittlere Gesamtüberleben (OS) für alle Patienten lag bei 14,6 Jahren, für Patienten über 70 betrug es 7,4 Jahre, für Patienten im Alter bis zu 70 Jahre 15,7 Jahre. (HR: 2,35; p < 0,001). Ein Alter über 70 Jahre war also ein signifikanter Prädiktor für OS und PFS aufgrund höherer Todesraten ohne Fortschreiten der Erkrankung.

Die Autoren erläutern, dass die frühen Therapieergebnisse für ältere FL-Patienten sich nicht von denen bei jüngeren Patienten unterscheiden würden, was nahe lege, Ältere ähnlich wie Jüngere zu behandeln. Die ältere Population habe jedoch ein zusätzliches Risiko auch an anderen Ursachen zu sterben. Dies solle, soweit möglich, bei der Therapiewahl berücksichtigt werden.

Melanom: Cave verzögerte Nebenwirkungen bei Immuntherapie!

Auch ein Jahr oder später nach Beginn einer Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) können bei Melanom-Patienten noch verzögerte immunbedingte Nebenwirkungen auftreten. Sie unterscheiden sich von den frühen immunbedingten Nebenwirkungen (irAE) insofern als sie oft schwerer sind und häufiger zum Tod führen.

Eine internationale Arbeitsgruppe analysierte die Daten von 118 Patienten aus 20 Zentren mit verzögerten irAE. Wie die Autoren in Annals of Oncology berichten, lag die geschätzte Inzidenz der verzögerten irAE bei 5,3%. Die verzögerten irAE setzten im Median nach 16 Monaten ein.

87 Patienten (74%) erhielten bei Auftreten der irAE noch ICI. 15 Patienten (12%) hatten die letzte Dosis vor weniger als 3 Monaten erhalten, 16 Patienten (14%) vor mehr als 3 Monaten. Am häufigsten traten Kolitis, Hautausschlag und Pneumonitis auf.

Es kam zu 2 irAE-bedingten Todesfällen, und zwar einer Enzephalitis mit Beginn während der ICI-Behandlung und einem multiplen Organ-irAE mit Beginn 11 Monate nach Absetzen der Therapie.

Bei 58% der Patienten waren auch frühe irAE (im 1. Behandlungsjahr) aufgetreten. Sie betrafen bei 86% der Patienten ein anderes Organ als die verzögerte irAE.

Melanom: S3-Leitlinie zur Hautkrebsprävention aktualisiert

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e. V. (ADP) und der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie e. V. (ADB) die S3-Leitlinie Hautkrebsprävention aktualisiert und 61 neue Empfehlungen aufgenommen. 43 weitere Empfehlungen wurden angepasst, so die Deutsche Krebsgesellschaft in einer Pressemitteilung.

Die Kapitel „Klimawandel und UV-Strahlung“ sowie „Berufsbedingter Hautkrebs“ sind neu in die Leitlinie integriert.

Um begriffliche Unklarheiten im Bereich Prävention, Früherkennung und Screening zu beseitigen, ist darüber hinaus in einem weiteren eigenständigen Kapitel eine begriffliche Einordnung ergänzt worden. In dieser werden relevante Definitionen und Konzepte der Prävention eingeordnet und voneinander abgrenzt.

Erstmals liefert die Leitlinie zudem eine umfassende Aufarbeitung gesundheitsökonomischer Bewertungen von primärpräventiven Maßnahmen sowie ein systematisches Literaturreview zur Kosteneffektivitätsanalyse der sekundären Prävention von Hautkrebs.

 

Kommentar

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