Transfettsäuren in der Nahrung könnten Brustkrebs-Risiko erhöhen – wie deutsche Experten aktuelle Daten dazu bewerten

Antje Sieb

Interessenkonflikte

19. April 2021

Schon ein vergleichsweise geringer Verzehr von Transfettsäuren könnte das Risiko für Brustkrebs erhöhen. Zu dem Ergebnis kommen europäische Wissenschaftler um Michèle Matta von der International Agency for Research on Cancer in Lyon [1].

Sie hatten aus Ernährungsfragebögen genau ermittelt, welche Mengen an Transfettsäuren mehr als 318.000 Teilnehmerinnen der europäischen EPIC-Studie jeweils zu sich genommen hatten. Für die Frauen mit dem höchsten Verzehr an Transfettsäuren ergab sich ein erhöhtes Risiko im Vergleich zu denen, die nur wenige dieser Fettsäuren zu sich nahmen.

 
Das sind relativ schwache Assoziationen, die auch durch Confounding mitverursacht sein könnten, ich würde das deshalb nicht überbewerten. Prof. Dr. Rudolf Kaaks
 

Mit 14% sei die relative Erhöhung des Brustkrebsrisikos allerdings nicht hoch, gibt der Epidemiologe Prof. Dr. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zu bedenken: „Das sind relativ schwache Assoziationen, die auch durch Confounding mitverursacht sein könnten, ich würde das deshalb nicht überbewerten.” sagte der selbst an der EPIC-Studie beteiligte Wissenschaftler im Gespräch mit Medscape.

Unterschiedliche Quellen von Transfettsäuren

Zum Hintergrund: Transfettsäuren sind ungesättigte Fettsäuren mit trans-Konfiguration an der Doppelbindung – anders als die in Pflanzenölen vorhandenen cis-Fettsäuren. Sie kommen sowohl natürlich wie auch in industriell herstellten Lebensmitteln vor.

Im Wiederkäuermagen sorgen Mikroorganismen für die Bildung von Transfettsäuren. Diese Verbindungen finden sich in Fleisch und Milchprodukten. In der Industrie entstehen sie bei der teilweisen Härtung von Pflanzenölen, aber auch beim Frittieren. Sie können etwa in Margarine, aber auch in Backwaren oder Chips enthalten sein.

Da ihr negativer Einfluss auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als erwiesen gilt, nimmt der Gehalt von Transfettsäuren in industriell hergestellten Produkten in Deutschland allerdings bereits seit Jahren ab. Die DGE empfiehlt, nicht mehr als 1% der Nahrungsenergie in Form von Transfettsäuren zu sich zu nehmen. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Kalorienbedarf ca. 2-3 g pro Tag.

Auf europäischer Ebene waren Lebensmittel mit vergleichsweise hohen Gehalten noch länger im Handel. Seit 1. April 2021 dürfen EU-weit nur noch Fertigprodukte mit höchstens 2% Transfettsäuren im Fettanteil vermarktet werden.

Analyse von 13.241 Brustkrebs-Diagnosen

In ihrer Analyse fanden Matta und Kollegen sowohl für industrielle Transfettsäuren als auch für Wiederkäuer-Transfettsäuren eine Assoziation mit erhöhten Brustkrebs-Risiken. Nach der medianen Nachverfolgungszeit von etwas über 8 Jahren war es in der Kohorte zu 13.241 Brustkrebs-Diagnosen gekommen.

Zur Auswertung des Ernährungseinflusses teilten die Wissenschaftler die durchschnittliche Tagesdosis ihrer Probanden in Quitile ein. Im 1. Quintil lag der Verzehr bei rund einem halben Gramm Transfettsäuren täglich. Bereits ab dem 2. Quintil berechneten die Wissenschaftler eine Risikoerhöhung. Beim Vergleich des 1. und des 5. Quintils, letzteres mit mehr als 2,5 g Transfettsäuren-Verzehr täglich, erhöhte sich das Brustkrebsrisiko um 14%.

Auch bei den deutlich geringeren Mengen an Wiederkäuer-Transfettsäuren – der Verzehr lag auch im 5. Quintil nur bei über 86 mg täglich – ließ sich eine Assoziation mit dem Brustkrebsrisiko feststellen.

Kausalzusammenhang noch nicht erwiesen

Ein möglicher Zusammenhang zwischen Transfettsäuren und Brustkrebs wurde schon mehrfach untersucht, die Studienlage war jedoch uneinheitlich. Zu diesem Schluss kam ein 2018 veröffentlichter systematischer Review. Prof. Dr. Jutta Hübner, Stiftungsprofessorin der Deutschen Krebshilfe für Integrative Onkologie in Jena, ist von den Ergebnissen der jetzt veröffentlichten Studie nicht überrascht: „Ich halte die Daten für belastbar, und es ist das, was wir seit Jahren auch in den Beratungen benennen: Gehärtete Fette in billiger Margarine sind vermutlich schlechter als Butter, wenn sie nicht ein deutliches Cholesterinproblem haben, das sie anders wirklich nicht in den Griff bekommen.”

 
Ich halte die Daten für belastbar und es ist das, was wir seit Jahren auch in den Beratungen benennen: gehärtete Fette in billiger Margarine sind vermutlich schlechter als Butter (…). Prof. Dr. Jutta Hübner
 

Kaaks dagegen findet das Paper zwar interessant, sieht aber auch noch offene Fragen. „Inwieweit sind diese relativ schwachen Beziehungen der Fettsäuren zum Brustkrebsrisiko tatsächlich ursächlich, und inwieweit mit bestimmten Nahrungsmitteln oder Lebensstilfaktoren verbunden? Diese Faktoren kann man immer schwer trennen.”

Die Autoren des Artikels hatten ihre Analyse zwar für zahlreiche Einflussfaktoren wie das Körpergewicht, die sportliche Aktivität, Schwangerschaften und Stillen adjustiert. Allerdings ist kein biologisch plausibler Mechanismus bekannt, der eine Wirkung von Transfettsäuren auf das Brustkrebsrisiko erklären könnte. Hier wünschen sich Matta und Kollegen weitere Studien. Und sie weisen darauf hin, dass die Mengen an verzehrten Transfettsäuren laut Analyse zum großen Teil in einem Bereich lag, der EU- und auch weltweit als sicher angesehen wird.
 

Kommentar

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