Schutz vor COVID-19: Auch bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen sind mRNA-Impfstoffe sicher und wirksam

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

15. April 2021

Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen sind mRNA-Vakzine gegen SARS-CoV-2 immunogen, selbst wenn sie immunsuppressive Medikamente erhalten. Das berichten Dr. Ulf M. Geisen vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Kiel, und Kollegen, jetzt in den Annals of Rheumatic Diseases  [1].

Neutralisierende IgG- und IgA-Antikörper erreichen 7 Tage nach der 2. Impfung schützende Konzentrationen. Die Impfung hat bei Autoimmunerkrankten weder mehr noch andere Nebenwirkungen als bei Personen ohne Autoimmunerkrankungen.

Keine Informationen aus Zulassungsstudien

Menschen mit Immunsuppression werden in vielen Ländern, auch in Deutschland, bei der Impfung priorisiert. Sie wurden jedoch von Zulassungsstudien ausgeschlossen. Deshalb fehlen Informationen zur Sicherheit und Wirksamkeit. Diese Lücke haben Forscher aus dem deutschen Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ jetzt geschlossen.

Für ihre Beobachtungsstudie rekrutierten sie 42 gesunde Probanden als Kontrollgruppe (Durchschnittsalter: 37,5 Jahre). Hinzu kamen 26 Patienten, die eine immunsuppressive Medikation wegen Autoimmunerkrankungen benötigten (Durchschnittsalter: 50,5 Jahre). Zu den Autoimmunerkrankungen gehörten rheumatoide Arhtritis, systemischer Lupus erythematodes, Psoriasis, multiple Sklerose und Morbus Crohn.

Alle Studienteilnehmer erhielten Impfungen mit der SARS-CoV-2-mRNA-Vakzine von BioNTEch/Pfizer oder von Moderna. Es folgte ein Monitoring der Autoimmunerkrankung anhand des Disease Activity Score (DAS28) und des Global Physician Assessment an Tag 0 und Tag 7 nach der 2. Impfung. Quantitative und qualitative Immunantworten wurden jeweils 7 Tage nach abgeschlossener Immunisierung erfasst.

Bei Autoimmunerkrankungen schwächere Reaktion – aber ausreichender Schutz

Spezifische Anti-­SARS-­CoV-2-Antikörper der Klassen IgG und IgA wurden bei allen Studienteilnehmern nachgewiesen; diese hatten virusneutralisierende Aktivität.

IgG-Titer bei Teilnehmern der Kontrollgruppe waren durchschnittlich höher als bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen. Die Autoren nennen 2.685 versus 2.053 Binding Antibody Units (BAU)/ml. Auch die IgA-Titer unterschieden sich zwischen beiden Gruppen mit durchschnittlich 47,65 BAU/ml bei Gesunden und 24,52 BAU/ml bei Teilnehmern mit Autoimmunerkrankungen. Die Titer wurden bei allen Studienteilnehmern als protektiv bewertet.

Es gab milde unerwünschte Effekte in beiden Gruppen, vor allem vorübergehende Schmerzen an der Injektionsstelle (jeweils 65%) und Fatigue (43-53%). Erhöhte Körpertemperatur entwickelten zeitnah zu den Impfungen 13,5% der Personen der Kontrollgruppe und kein Teilnehmer mit Autoimmunerkrankung. Schwere Nebenwirkungen oder Krankheitsschübe durch Autoimmunerkrankungen traten nicht auf.

Hinweise auf einen guten Schutz

Obwohl die Kohorte der Studie klein ist, weisen die Daten nach Angaben der Autoren darauf hin, dass Patienten mit Autoimmunerkrankungen trotz immunsuppressiver Medikation nach Impfungen einen Immunschutz gegen SARS-CoV-2 ausbilden können. Die Sicherheit sei gut, wie sie schreiben. Die Daten bestätigten Impfempfehlungen von Fachgesellschaften und Behörden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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