Neurodermitis, Urtikaria oder Psoriasis: Warum auch in Pandemie-Zeiten nichts gegen die Gabe von Biologika spricht

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

12. April 2021

Bei Patienten mit Neurodermitis, Urtikaria oder Psoriasis sollten Ärzte systemische Therapien mit Biologika aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie nicht leichtfertig absetzen oder pausieren. In den meisten Fällen könne diese Behandlung ohne größere Bedenken beibehalten werden, berichtet die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der 51. virtuellen DDG-Tagung [1].

„Bei Coronainfektionen spielt die Aktivierung des Immunsystems eine Rolle, wobei nicht pauschal gesagt werden kann, ob ein Mehr oder Weniger einer Immunreaktion gut ist“, sagt DDG-Präsident Prof. Dr. Tilo Biedermann.

 
Bei Coronainfektionen spielt die Aktivierung des Immunsystems eine Rolle, wobei nicht pauschal gesagt werden kann, ob ein Mehr oder Weniger einer Immunreaktion gut ist. Prof. Dr. Tilo Biedermann
 

Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 beschäftigte Dermatologen die Frage, ob man Systemtherapien mit Biologika beginnen, pausieren oder weiterführen sollte. Zugleich musste davon ausgegangen werden, dass unbehandelte Patienten mit Psoriasis und Psoriasis-Arthritis, Neurodermitis oder Urtikaria sehr wahrscheinlich ein etwas höheres Risiko für schweres COVID-19 haben. Die Vermutung lag nahe, dass eine erfolgreich behandelte Hauterkrankung womöglich das infektiologische Risiko senken könne, heißt es in einer Mitteilung der Fachgesellschaft.

Negativer Effekt verschiedener Pharmaka auf SARS-CoV-2-Infektionen

Die Behandlung um jeden Preis weiterzuführen, um einen Schutz der Menschen mit dermatologischen Erkrankungen vor schweren Verläufen zu erhöhen, greife laut DDG jedoch zu kurz. „Bei Neurodermitis sind beispielsweise nicht alle Therapien gleich zu bewerten“, erläutert Biedermann. „Medikamente, die gezielt die fehlgesteuerte sogenannte Typ-2-Immunreaktion reduzieren, haben einen positiven Effekt gegen die Virusinfektion.“

 
Medikamente, die gezielt die fehlgesteuerte sogenannte Typ-2-Immunreaktion reduzieren, haben einen positiven Effekt gegen die Virusinfektion. Prof. Dr. Tilo Biedermann
 

Im Gegensatz dazu würden Glukokortikoide, Ciclosporin, Azathioprin oder Methotrexat, die bei schweren Hauterkrankungen zum Einsatz kämen, Nachteile zeigen. „Bei diesen Patienten muss eine individuelle Entscheidung getroffen werden, ob die Therapie beibehalten, umgestellt oder angepasst werden sollte“, so der DDG-Präsident. Jegliche Veränderung sei dabei immer vor dem Hintergrund einer möglichen Verschlechterung der Grunderkrankung und damit einer Gefährdung der Patienten abzuwägen. Das Beibehalten einer wirksamen Therapie habe immer Priorität.

Therapie mit Biologika meist bedenkenlos möglich

Innerhalb eines Jahres zeigte sich, dass die meisten in der Dermatologie eingesetzten Biologika ohne wesentliche Probleme während der Pandemie verabreicht werden können. Manche seien laut DDG sogar unbedenklich einsetzbar. „Hier ist in erster Linie Omalizumab zu nennen, welches eine Indikation zur Behandlung des allergischen Asthma bronchiale und der chronisch spontanen Urtikaria hat. Die von Omalizumab blockierten IgE-Antikörper scheinen für die Kontrolle des Coronavirus nicht von Bedeutung zu sein“, erklärt Biedermann.

 
Eine wirksame und indizierte Therapie einer Grunderkrankung sollte nicht leichtfertig abgesetzt oder pausiert werden und kann in den meisten Fällen auch ohne größere Bedenken beibehalten werden. Prof. Dr. Peter Elsner
 

Aufgrund von Erfahrungen und Studien sind sich die Dermatologen sicher: Für die allermeisten Patienten hat sich keine oder nur eine geringfügige Beeinflussung der Immunantwort gegenüber dem Virus ergeben. Prof. Dr. Peter Elsner, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der DDG ergänzt: „Eine wirksame und indizierte Therapie einer Grunderkrankung sollte nicht leichtfertig abgesetzt oder pausiert werden und kann in den meisten Fällen auch ohne größere Bedenken beibehalten werden“.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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