Depressionen: Wer dynamisch geht, verbessert bald seine Stimmung

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

25. März 2021

Eine dynamische Art des Gehens sagt Verbesserungen der Stimmung vorher. So lautet das Hauptergebnis einer Studie von Prof. Dr. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke und Dr. Dirk Adolph von der Ruhr-Universität Bochum (RUB), die jetzt in der Zeitschrift Cognitive Therapy and Research veröffentlicht worden ist [1].

Relevanz für die Depressionsforschung

Für Michalak ist die Studie in zweierlei Hinsicht für den Bereich der Depressionsforschung wichtig: „Bisher haben wir Gangmuster immer nur im Labor untersucht, jetzt konnten wir auch im Alltag Unterschiede im Gangmuster zwischen depressiven Personen und gesunden Probanden finden. Und: Aus der Gangart kann man vorhersagen, wie sich die Stimmung in der nahen Zukunft entwickeln wird. Wir hoffen, dass wir diese Erkenntnisse auch für die Entwicklung von neuen Behandlungsmöglichkeiten für depressive Patienten nutzen können“, erläutert er den Hintergrund der Versuche. 

 
Jetzt konnten wir auch im Alltag Unterschiede im Gangmuster zwischen depressiven Personen und gesunden Probanden finden. Prof. Dr. Johannes Michalak
 

Dabei haben die Forscher Gang und Stimmung über 2 Tage mit tragbaren Messgeräten erfasst und eine Stichprobe von 35 akut depressiven Patienten mit einer Stichprobe von 36 gesunden Personen verglichen. Das Ergebnis, kaum überraschend: Im Vergleich zu den Gesunden sind die depressiven Personen langsamer, gebeugter und mit weniger Dynamik in der Auf- und Abbewegung des Körpers gelaufen.

 
Aus der Gangart kann man vorhersagen, wie sich die Stimmung in der nahen Zukunft entwickeln wird. Prof. Dr. Johannes Michalak
 

Darüber hinaus jedoch habe sich den Autoren zufolge bei den Depressiven wie bei den Gesunden gezeigt, dass die Art des Gehens die Stimmung vorhersagen konnte: Wenn Personen innerhalb einer Stunde schneller und dynamischer gegangen waren, zeigte sich eine Verbesserung der positiven Stimmung in diesem Zeitraum. Auswirkungen des Gangmusters auf die negative Stimmung konnte allerdings nicht beobachtet werden. „Aber wir haben ja auch erst einmal nur die kurzfristigen Auswirkungen des Gangmusters untersucht“, erläutert Michalak in einer Mitteilung der Universität Witten/Herdecke.

 
Diese Befunde könnten der Ausgangspunkt dafür sein, neue Behandlungsformen für Depressionen zu entwickeln. Dr. Dirk Adolph
 

„Diese Befunde passen gut zu den Ergebnissen vieler Laborstudien, in denen sich wieder gezeigt hat, dass sich Körperhaltungen und Bewegungsmuster auf die Stimmung auswirken. Außerdem könnten diese Befunde der Ausgangspunkt dafür sein, neue Behandlungsformen für Depressionen zu entwickeln, die Depressive dabei unterstützen, ihre Körperhaltung und ihre Bewegungsmuster zu verändern. Hierfür sind aber weitergehende Untersuchungen notwendig, um zu überprüfen, ob solche Behandlungen auch wirklich langfristig zu einer Reduktion der depressiven Symptomatik beitragen können“, so Adolph. 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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