Impfung gegen Herpes zoster nun mit Zulassung ab 18 Jahren – für wen ist sie tatsächlich zu empfehlen?

Dr. Klaus Fleck

Interessenkonflikte

23. März 2021

Eine Impfung gegen Herpes zoster (HZ) empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) bereits seit Dezember 2018 generell allen Menschen ab 60 Jahren – sowie ab 50 Jahren, falls ein erhöhtes Risiko für diese Viruserkrankung vorliegt. Seit Kurzem ist die Impfung nun auch für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko ab 18 Jahren zugelassen.

Prof. Dr. Tino Schwarz

Neue Daten zu den bisherigen Erfahrungen mit dem zur Standardimpfung empfohlenen Herpes-zoster-Subunit(HZ/su)-Totimpfstoff (Shingrix®) präsentierte Prof. Dr. Tino Schwarz, Institut für Labormedizin und Impfzentrum, Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital, beim 22. Forum Reisen und Gesundheit des CRM Centrum für Reisemedizin [1] .

Geschätzte 400.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland

„Die Zoster-Inzidenz in Deutschland ist hoch, steigt ab einem Alter von 50 und besonders ab 60 Jahren deutlich an und wird auf jährlich 400.000 Erkrankungen geschätzt“, erklärte Schwarz. Dabei entwickeln 10 bis 30% der Zoster-Erkrankten eine Post-Zoster-Neuralgie: „Sie bedeutet mitunter die Notwendigkeit einer jahrelangen Schmerztherapie und eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität.“

Bekanntlich ist Voraussetzung für die Erkrankung eine früher durchgemachte Windpocken-Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV). Diese Viren verbleiben anschließend in den Spinal- und Hirnnervenganglien, können im Alter bedingt durch Immunseneszenz wieder aktiv werden und dann – bei Frauen etwas häufiger als bei Männern – eine HZ-Erkrankung auslösen.

Zahlreiche Grunderkrankungen erhöhen das Risiko

Doch, wie der Würzburger Impfmediziner erläuterte, gibt es eine Reihe weiterer Risikofaktoren, die den Ausbruch der Erkrankung begünstigen: Dazu zählen Grundkrankheiten wie die rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, entzündliche Darmerkrankungen, COPD, Asthma, chronische Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus Typ 1, verschiedene Immunerkrankungen und immunsuppressive Therapien.

„Für Patienten mit Immunsuppression ist es besonders wichtig, sie gegen Zoster zu impfen“, betonte Schwarz. Das Gleiche gelte, wenn eine Therapie mit JAK-Inhibitoren (bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen) geplant sei. „Darüber hinaus erhöhen familiäre Vorbelastung, eine vorherige HZ-Erkrankung, Schlafstörungen, Depressionen und Stress das Risiko für einen Herpes zoster.“

Bessere Wirkung und längere Immunität als bei der Lebendvakzine

Bei der 2018 von der EMA zugelassenen HZ/su-Vakzine handelt es sich um einen adjuvantierten Totimpfstoff, der deutlich besser wirkt und deutlich länger schützt als der bereits seit längerer Zeit verfügbare attenuierte HZ-Lebendimpfstoff. Aus diesem Grund empfiehlt die STIKO nur den Totimpfstoff standardmäßig allen Personen über 60, darüber hinaus wird er ab 50 Jahren als Indikationsimpfung bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung (s.o.) und bei Immunsuppression empfohlen.

Seit September 2020 ist die HZ/su-Vakzine bei erhöhtem HZ-Risiko nun auch bereits ab 18 Jahren zugelassen. „Leider“, so Schwarz, „hat die STIKO diese Altersadaptation bisher jedoch noch nicht explizit in ihre Empfehlungen aufgenommen, was im Alltag trotz medizinischer Indikation zu Erstattungsproblemen führen kann.“

 
Leider hat die STIKO diese Altersadaptation bisher jedoch noch nicht explizit in ihre Empfehlungen aufgenommen, was im Alltag … zu Erstattungsproblemen führen kann. Prof. Dr. Tino Schwarz
 

Voller Impfschutz erst ab der 2. Dosis

Für einen wirksamen und dauerhaften Impfschutz sind unbedingt 2 Impfstoffdosen notwendig, was bei der Patientenaufklärung zu betonen ist. „Die 2. Dosis, die im Regelfall im Abstand von 2 bis 6 Monaten verabreicht werden sollte, kann jetzt bei Immunsuppression oder Immundefizienz auch schon 1 bis 2 Monate nach der Startdosis gegeben werden“, berichtete Schwarz.

Zu bedenken sei, dass die HZ/su-Impfung keinen Ersatz für eine fehlende Windpockenimpfung darstelle bzw. nicht bei Varicella-Zoster-Virusnaiven Personen gegeben werden sollte.

Zwar ist laut RKI davon auszugehen, dass fast jeder in Deutschland Aufgewachsene über 50 Jahren die Windpocken irgendwann bereits einmal hatte. Bei Personen vor geplanter immunsuppressiver Therapie sollte jedoch immer eine serologische Testung auf VZV-IgG erfolgen und im Falle von VZV-Seronegativität zunächst eine Varizellen-Impfung erfolgen.

Vermeidung von Zoster-Rezidiven

Zur Impfung wird ebenfalls Patienten geraten, die bereits einen Herpes zoster hatten. „Denn bei bis zu 8% der HZ-Patienten tritt nach einigen Jahren ein Zoster-Rezidiv auf“, so der Würzburger Mediziner. Laut STIKO sollte die Impfung in diesen Fällen zu einem Zeitpunkt erfolgen, wenn die akute Erkrankung vorüber ist und die Symptome abgeklungen sind. 

 
Bei bis zu 8% der HZ-Patienten tritt nach einigen Jahren ein Zoster-Rezidiv auf. Prof. Dr. Tino Schwarz
 

Als „praxisbezogener“ bezeichnete Schwarz die kanadische Empfehlung, frühestens 1 Jahr nach der Zoster-Episode zu impfen: „Dann sollten auch die T-Zellen eher wieder im Normalbereich seien, sodass man sie wieder stimulieren kann.“

Personen, die in der Vergangenheit bereits den attenuierten HZ-Lebendimpfstoff erhielten, können im Nachhinein ebenfalls noch den Totimpfstoff bekommen, wobei auf einen Mindestabstand zwischen beiden von 2 Monaten zu achten ist.

Auch eine zeitgleiche Verabreichung der HZ/su-Vakzine mit einigen anderen Impfstoffen ist möglich, ohne dass es zu Einschränkungen der Immunantwort kommt. Wie Schwarz erläuterte, gilt dies für eine Koadministration mit dem tetravalenten Influenza-Impfstoff, der Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Vakzine und dem 23-valenten Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff.

„Untersuchungen zur Persistenz der Immunantwort nach der HZ/su-Impfung zeigen eine über 10 Jahre anhaltende humorale sowie zelluläre Immunität“, berichtete der Würzburger Impfexperte. Mathematischen Modellberechnungen zufolge sei aber sogar von einem deutlich längeren Impfschutz auszugehen. Eine nach 10 Jahren durchgeführte Booster-Impfung habe klar die Booster-Fähigkeit der Immunantwort gezeigt, dennoch werde eine Booster-Impfung bislang noch nicht empfohlen.

Lokale und systemische Reaktogenität

Da der Impfstoff sehr reaktogen ist, sind lokale und systemische Impfreaktionen (wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopf- oder Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost) relativ häufig. Meldungen zu unerwünschten Wirkungen der HZ/su-Impfung betreffen zum Teil aber auch klinische Manifestationen einer Zoster-Erkrankung.

Schwarz berichtete über eine im vergangenen Jahr vom Paul-Ehrlich-Institut initiierte Studie, bei der rund 80 solcher gemeldeter Zoster-Verdachtsfälle virologisch abgeklärt wurden: „Obgleich die Ergebnisse dieser Studie noch nicht vollständig vorliegen, dürfte es sich bei diesen Meldungen jedoch überwiegend um Fälle von Herpes simplex bzw. genitalis handeln.“

Sollte sich ein Herpes zoster bestätigen, müsse berücksichtigt werden, dass erst nach der 2. Impfung von einer hohen Schutzrate auszugehen ist. „Zoster-Fälle nach einer Impfung sind insgesamt sehr selten.“

2 Wochen Mindestabstand zu COVID-19-Impfungen einhalten

Während es noch im vergangenen Jahr zu Versorgungsengpässen beim HV/su-Impfstoff kam, hat sich diese Situation mittlerweile entspannt, und es ist nun von einer kontinuierlichen Marktversorgung auszugehen.

Die STIKO-Empfehlungen zur Zoster-Impfung bleiben auch während der Corona-Pandemie bestehen. Allerdings empfiehlt die STIKO im Hinblick auf die aktuelle COVID-19-Impfkampagne, zu allen planbaren Impfungen wie der Zoster-Impfung einen Mindestabstand von 2 Wochen vor und nach jeder COVID-19-Impfung einzuhalten. Für ärztliche Aufklärungsgespräche mit Patienten bietet das Robert Koch-Institut ein Faktenblatt zur Zoster-Impfung an.

 

Kommentar

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