Wie schlimm wird eine rheumatoide Arthritis? Neue Biomarker zum Progressionsrisiko erlauben Blick in die Zukunft

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

18. März 2021

Außer etablierten serologischen Markern wie Rheumafaktoren und Antikörpern gegen verschiedene Formen citrullinierter Peptide bzw. Proteine (ACPA) sind Antikörper gegen acetylierte Peptide und carbamylierte Proteine (Anti-CarP-Antikörper) prognoserelevant.

Patienten mit Autoantikörpern gegen mehrere Formen dieser posttranslational modifizierten Proteine (AMPA) haben eine deutlich schlechtere Prognose als Patienten, die nur gegen eine Form körpereigener modifizierter Proteine Antikörper haben. Das berichten Dr. Jagtar S. Nijjar von der University of Cambridge und Kollegen in The Lancet Rheumatology  [1].

Auf der Suche nach besseren prognostischen Markern

Zum Hintergrund: Die rheumatoide Arthritis ist mit einer Prävalenz von ca. 1% in westlichen Industrienationen die häufigste chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung und hat damit nicht nur individuell für Patienten, sondern aus Sicht der Gesundheitsökonomie große Bedeutung.

Die Antikörper-Diagnostik wird zur Früherkennung und Differenzierung der rheumatoiden Arthritis zunehmend wichtig. Sie basiert auf der Suche nach Rheumafaktoren wie Autoantikörpern gegen das Fc-Fragment von IgG. Sie kann erweitert werden auf Antikörper gegen verschiedene citrullinierte Autoantigene (ACPA), wie etwa:

  • cyclisches Citrullin (CCP)

  • mutiertes Vimentin (MCV)

  • nicht mutiertes citrulliniertes Vimentin

  • citrulliniertes Fibrinogen

Zwischen verschiedenen Autoantikörpern besteht häufig eine Kreuzreaktivität. Um vor allem schwere Verläufe genauer vorhersagen zu können als bisher, haben Nijjar und Kollegen eine große Kohorte von Patienten mit früher rheumatoider Arhtritis aus dem SERA-Register (Scottish Early Rheumatoid Arthritis) serologisch untersucht.

Studie mit mehr als 1.000 Patienten

Zwischen 2011 und 2015 wurden 1.073 Patienten mit rheumatoider Arthritis in die SERA-Studie aufgenommen. Von 362 Patienten lagen vollständige AMPA-Profile vor. Serologisch haben die Forscher 4 Hauptgruppen gebildet:

  • einfach seropositiv nur für ACPAs: 20%

  • zweifach seropositiv für ACPAs und für Antikörper gegen acetylierte Peptide/Proteine (AAPAs): 12%

  • dreifach seropositiv für ACPAs, AAPAs und Antikörper gegen carbamylierte Peptide/Proteine (Anti-CarP-Antikörper): 42%

  • AMPA-negativ: 20%

Die übrigen 5-6% der Teilnehmer hatten Autoantikörper gegen seltenere Autoantigene.

Als Endpunkt definierte Nijjars Team eine radiologisch nachgewiesene Progression der Erkrankung.

Größere prognostische Differenzierung durch neue Marker

Dreifach seropositive Patienten hatten innerhalb von 12 Monaten die stärkste Progression hin zu radiologisch sichtbaren pathologischen Befunden mit durchschnittlichen Veränderungen im Sharp-van der Heijde (SvH)-Score von durchschnittlich 1,8 im Vergleich zum Ausgangswert. Bei einfach seropositiven Patienten betrug die durchschnittliche Änderung im SvH-Score 0,5. Dies war keine signifikante Differenz zu AMPA-negativen Patienten (Δ SvH-Score 0,7). Doppelt seropositive Patienten lagen im mittleren Bereich.

Die aktuelle Studie weist mit insgesamt 4 klinisch relevanten Subgruppen auf eine größere, prognoserelevante Differenzierung hin als bisher bekannt. Patienten mit Antikörpern gegen Varianten citrullinierter Peptide plus Antikörpern gegen acetylierte und carbamylierte Peptide haben das höchste Risiko für Gelenk- und Knochenläsionen, die sich auch radiologisch manifestieren.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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