Fall: 28-jähriger Fitnessfreak hat immer wieder Herzklopfen, zittert und ist verwirrt – woher kommt´s?

Ricardo Correa, Sri Harsha Tella

Interessenkonflikte

15. März 2021

Diskussion

Bei Patienten ohne Diabetes sind echte hypoglykämische Episoden durch die Whipple-Trias gekennzeichnet: niedriger Blutzucker, Symptome einer Hypoglykämie und rasches Abklingen der Symptome, wenn der Blutzuckerspiegel wieder normal ist [1].

Adrenerge Hypoglykämiesymptome wie Herzklopfen, Zittern, Angstzustände und Schwitzen treten zuerst auf. Diese Anzeichen stellen sich bei Glukosewerten von etwa 40 bis 60 mg/dl auf. Sinkt der Blutzuckerspiegel weiter ab, treten neuroglykopenische Symptome auf wie Verwirrung, Synkope, Krampfanfall und Koma [2].

Der Begriff „klinische Pseudohypoglykämie“ (ICD-10 E16.1 Funktionelle Hypoglykämie, ohne Anstieg des Insulinspiegels) wird verwendet, wenn Patienten – typischerweise solche mit Persönlichkeitsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen ­– von einer Abnahme der Hypoglykämiesymptome nach dem Essen berichten, obwohl ihr Blutzuckerspiegel im Normalbereich liegt.

Die Pseudohypoglykämie lässt sich grob in 2 Kategorien einteilen: (1) normaler Blutzuckerspiegel mit Hypoglykämiesymptomen und (2) Diskrepanz zwischen Fingerstick- und Serum-Blutzuckerspiegel.

In die erste Kategorie fallen oft Patienten mit einer Persönlichkeitsstörung oder einer anderen psychiatrischen Erkrankung, wie z.B. einer Suchtproblematik, die zu Hypoglykämie-Symptomen führt, welche sich nach dem Essen bessern. Diese Patienten weisen jedoch nicht die typische Whipple-Trias auf. Ihre Glukosewerte liegen während einer symptomatischen hypoglykämischen Episode nicht unter 70 mg/dl, was auch für den Patienten im vorliegenden Fall gilt.

Bei ihm war nach eigenen Angaben eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden. Detaillierte Angaben darüber machte er ebenso wenig, wie über die durchgeführte Behandlung oder die Gründe für deren Beendigung. Er war auf seine Fitness und das Erreichen eines „Macho“-Look fixiert, wozu er möglicherweise androgene Steroide und andere Ergänzungsmitteln einnahm, wenngleich Labortests diesen Verdacht nicht bestätigen konnten.

Kommentar

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