S2k-Leitlinie zur Teledermatologie: Bei welchen Hauterkrankungen Telemedizin sinnvoll ist – und bei welchen nicht

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

9. März 2021

Hautkrebs, Neurodermitis oder Psoriasis: Als stark visuell geprägtes Fach eignet sich die Dermatologie hervorragend für telemedizinische Anwendungen. Nun haben der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) gemeinsam die S2k-Leitlinie „Teledermatologie“ veröffentlicht [1].

 
Die vorgelegte Leitlinie schafft zum ersten Mal eine wissenschaftlich gesicherte Basis für die Teledermatologie.  Dr. Klaus Strömer
 

„Die vorgelegte Leitlinie schafft zum ersten Mal eine wissenschaftlich gesicherte Basis für die Teledermatologie und ist damit ein wichtiger Schritt zur Implementierung moderner Verfahren in den Versorgungsalltag von Dermatologinnen und Dermatologen“, sagte BVDD-Präsident und Leitlinienkoordinator Dr. Klaus Strömer laut einer Pressemitteilung. Auf der Basis von Evidenzrecherchen und Expertenerfahrung definiert die Leitlinie, bei welchen Hauterkrankungen teledermatologische Verfahren sicher sind, wo ein Zusatznutzen zu erwarten ist und was unterbleiben sollte.

4 dermatologische Erkrankungen im Mittelpunkt

In der Leitlinie untersucht wurden häufige dermatologische Erkrankungen:

  • Psoriasis,

  • Neurodermitis,

  • Hautkrebs,

  • chronische Wunden und

  • weitere Hautkrankheiten, z.B. infektiöse Hautkrankheiten.

Beim Thema Wundversorgung bestätigt die Leitlinie der Teledermatologie viele positive Effekte, heißt es in einer Mitteilung der DDG. Das beginne bereits mit der Primärdiagnostik durch teledermatologische Verfahren, die empfohlen werden können, über die Verlaufskontrolle bis hin zur Schulung beim Verbändeanlegen durch Pflegepersonal.

Telemedizin bei Erstdiagnose nicht empfohlen

Anders bei der Psoriasis: Eine Erstdiagnostik sollte laut der Leitlinienautoren nicht allein auf der Basis eines teledermatologischen Befundes erfolgen; der Therapieverlauf könne aber gut telemedizinisch begutachtet werden.

Auch bei der Neurodermitis rät die Leitlinie von der Erstdiagnose über den Bildschirm ab. Was jedoch die Beratung von Patienten betrifft, habe die Teledermatologie Potenzial und könne empfohlen werden.

 
Die Daten zeigen, dass bisher noch die Präsenzdiagnostik, ggf. unterstützt durch digitale Techniken, der alleinigen digitalen Befundung überlegen ist. Prof. Dr. Matthias Augustin
 

Unterbleiben sollte auch die Primärdiagnostik von hellem und schwarzem Hautkrebs allein durch Verfahren der Künstlichen Intelligenz. „Die Daten zeigen, dass bisher noch die Präsenzdiagnostik, ggf. unterstützt durch digitale Techniken, der alleinigen digitalen Befundung überlegen ist“, erläutert Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen.

Store-and-forward-Technologie oder Videosprechstunde?

Darüber hinaus gibt die Leitlinie Empfehlungen für weitere dermatologische Anwendungsbereiche der Telemedizin, etwa für die Abklärung von unklaren Hautbefunden durch Dermatologen per Bilddaten, wo dies in Verbindung mit der Krankheitsgeschichte und klinischen Angaben eindeutig möglich ist. Dazu zählen infektiöse Hauterkrankungen, akute und chronische Ekzeme sowie gutartige Hauttumore.

Dabei unterscheidet die Leitlinie auch zwischen der Store-and-forward-Technologie, bei der die Daten zunächst zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet werden, und der Realtime-Versorgung wie beispielsweise bei der Videosprechstunde.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Univadis.de.
 

Kommentar

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