Fall: Höllische Schmerzen in der Schulter rauben diesem 50-Jährigen den Schlaf – woher kommt sein Leiden?

Olusegun John Oluwole

Interessenkonflikte

1. März 2021

Ärzte, denen das Krankheitsbild der neuralgischen Schulteramyotrophie geläufig ist, können die Diagnose oft schon klinisch stellen. Sind sie nicht mit dem klinischen Bild vertraut, verzögert sich die richtige Diagnose oft um mehrere Wochen wenn nicht gar Monate [3].

Die Kombination aus plötzlich auftretenden starken Schulterschmerzen, die über Wochen anhalten, und einer sich daran anschließenden, rasch progredienten Schulterschwäche mit Muskelschwund sollte immer den Verdacht auf dieses Krankheitsbild lenken [8].

Im EMG finden sich in der Regel Anzeichen für eine Denervierung der vom Truncus superior des Plexus brachialis versorgten Muskeln, während das T2-gewichtete MRT eine Hyperintensität im oberen Teil des Plexus brachialis mit variabler Gadoliniumanreicherung zeigt. Das MRT der Schultermuskulatur kann in der akuten Phase neben dem Ausschluss einer PHS auch Merkmale eines neurogenen Ödems zeigen [10].

Therapie

Das klinische Management der neuralgischen Schulteramyotrophie teilt sich üblicherweise in 2 Phasen. Die 1. Phase konzentriert sich hauptsächlich auf die Schmerzbekämpfung und Ruhigstellung. In der 2. Phase stehen dann die Physiotherapie und die Rehabilitation im Vordergrund [3,7].

Während der schmerzhaften Anfangsphase wird eine Behandlung mit einer Schmerzmittelkombination empfohlen. Oft wird auch Prednisolon oral verabreicht, wenngleich es keine ausreichenden Evidenzen dafür gibt, dass dies auch wirksam ist.

Die Befürworter sehen eine Verkürzung der schmerzhaften Phase und eine Milderung im Verlauf und beim Grad der Behinderungen [3]. Auch zum Einsatz anderer Formen der Immuntherapie wie der i.v.-Gabe von Immunglobulinen und Methylprednisolon in der frühen Erkrankungsphase gibt es unterschiedliche Erfolgsberichte [7]. Sobald die Schmerzen nachgelassen haben, wird die Physiotherapie zum Hauptpfeiler der Therapie.

Etwa 75% der Patienten erholen sich innerhalb von 2 Jahren vollständig, rund 90% innerhalb von 3 Jahren [8]. Die Patienten benötigen in der Regel viel Zuspruch während der langen Erholungsphase, da sie oft durch die ausgeprägte Schwäche und die sehr langsame Erholung entmutigt werden. Trotz einer angemessenen klinischen Beratung und Beruhigung ist es daher nicht ungewöhnlich, dass sich die Patienten auf der Suche nach alternativen Diagnosen und Behandlungen anderen Ärzte zuwenden. Leider führt dies zu endlosen und fruchtlosen Untersuchungen sowie zu unnötigen Eingriffen.

Der Patient im vorliegenden Fall erhielt 2 Wochen lang täglich 60 mg Prednisolon oral, ein Buprenorphinpflaster sowie Duloxetin und Gabapentin in Tablettenform. Nachdem eine signifikante Schmerzkontrolle erreicht war, wurde mit der Physiotherapie begonnen. Der Zustand des Patienten besserte sich darunter langsam und stetig über die darauf folgenden Monate.

Kommentar

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