Fall: Höllische Schmerzen in der Schulter rauben diesem 50-Jährigen den Schlaf – woher kommt sein Leiden?

Olusegun John Oluwole

Interessenkonflikte

1. März 2021

Diskussion

Eine HWS-Degeneration mit C5-C6-Wurzelkompression kann sicherlich ein ähnliches klinisches Bild wie bei diesem Patienten mit einer Schwäche der von diesen Wurzeln innervierten Muskulatur hervorbringen, d.h. der Mm. supraspinatus, infraspinatus, deltoideus und biceps brachii. Allerdings sind in solchen Fällen neben den Armschmerzen auch Nackenschmerzen häufig, und im MRT der HWS wären typischerweise Bandscheiben oder Knochensporne zu erkennen, die an den Austrittsöffnungen auf die entsprechende Nervenwurzel drücken [1].

Die Periarthropathia humeroscapularis (PHS) weist ebenfalls klinische Ähnlichkeiten mit der Neuritis n. brachii auf [2]. Tatsächlich wird bei vielen Patienten mit neuralgischer Schulteramyotrophie zunächst eine Periarthropathia humeroscapularis vermutet, sodass sie oft mehreren Schulter-MRT unterzogen werden, bevor die richtige Diagnose gestellt wird.

Auch bei diesem Patienten waren 2 MRT der Schulter ohne pathologischen Befund geblieben, bevor schließlich die neuralgische Schulteramyotrophie diagnostiziert wurde. Es überrascht daher nicht, dass mitunter Patienten– nicht nur einmal – operiert werden, bevor die richtige Diagnose gestellt wurde [3].

Trotz aller Ähnlichkeiten zwischen der PHS und der neuralgischen Schulteramyotrophie gibt es auch auffällige klinische Unterschiede, auf die der Untersucher achten sollte. Die Schulter ist bei der PHS in der Regel schmerzempfindlich und ihr Bewegungsumfang durch Schmerzen und eine gewisse Einklemmung bei passiven Bewegungen eingeschränkt [4]. Darüber hinaus sind eine Sensibilitätsstörung über dem M. deltoideus und ein rasch fortschreitender Schwund der Schultermuskeln bei der PHS höchst unwahrscheinlich.

Die spinale Muskelatrophie Typ Hirayama ist eine höchst seltene Erkrankung der Vorderhornzellen des Halsmarks, die sich durch einen schleichenden, einseitigen Muskelschwund an den Armen mit oder ohne Faszikulationen auszeichnet [5]. Die Erkrankung löst aufgrund ihrer klinischen Ähnlichkeit zu den Anfangsstadien der amyotrophen Lateralsklerose häufig Ängste bei den Betroffenen und auch bei den Ärzten aus. Die ALS macht sich jedoch eigentlich nicht durch Schmerzen bemerkbar und ihr klinischer Verlauf ist auch langsamer als bei der neuralgischen Schulteramyotrophie [5].

Obwohl der Patient auch Anzeichen einer distalen sensorischen Polyneuropathie und eines Karpaltunnelsyndroms aufweist, wie z.B. die gestörte Sensibilität beim Nadelradtest mit strumpfförmigem Verteilungsmuster und beidseitig positivem Phalen-Test [6], verursachen beide Erkrankungen keine derartigen Schulterschmerzen oder Muskelschwächen.

Somit musste nach einer anderen Erklärung gesucht werden.

Kommentar

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