Magen-Darm und Herz war gestern: Wie SARS-CoV-2 Tätigkeiten im Medical Center des Flughafens Frankfurt verändert hat

Dr. Klaus Fleck

Interessenkonflikte

1. März 2021

Mehr als 300.000 Corona-Tests wurden in beiden Testzentren am Flughafen Frankfurt am Main bislang durchgeführt. Ärzte des Medical Center haben in Pandemie-Zeiten den Infektionsschutz schon früh priorisiert. Dr. Michael Sroka, Anästhesist und leitender Arzt des Flughafenbetreibers Fraport AG, schilderte bei einer Pressekonferenz des CRM Centrum für Reisemedizin Erfahrungen mit dem Corona-Management, Aufgaben der Ärzte und deren Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden [1].

Rückholflüge Anfang 2020

„Das Corona-Management ging für uns Anfang Februar 2020 mit dem 1. Rückholflug von rund 100 deutschen Staatsbürgern aus Wuhan los“, berichtet Sroka. Für ankommende Passagiere wurde die Flughafen-Turnhalle zum Medical Assessment Center umfunktioniert. Dort befragten Ärzte alle Ankommenden, untersuchten sie und fertigten Abstriche an. Proben wurden in der Frankfurter Universitätsklinik untersucht.

Dr. Michael Sroka

„SARS-CoV-2-Infektionen waren damals für die Medizin noch etwas sehr Neues und auf wenige Einzelfälle beschränkt“, erinnert sich Sroka. „Mit fortschreitender Pandemie haben wir dann die bereits bestehenden Infektionsschutzmaßnahmen im Flughafen kontinuierlich erweitert und dabei die jeweils aktuellen behördlichen Vorgaben umgesetzt.“

Medizinisches Personal erhielt neben Masken und Handschuhen auch Schutzbrillen sowie spezielle Kittel. Außerdem wurden rund 10.000 Bodenmarkierungen für Mindestabstände, Desinfektionsmittelspender und bauliche Barrieren angebracht. Fluggäste werden seitdem auch mit mehrsprachigen Lautsprecherdurchsagen im 5-Minuten-Takt über Verhaltensregeln informiert.

Sanitätsflughafen mit interdisziplinärem Notfallambulanz-Team

Als einer von bundesweit 6 ausgewiesenen Sanitätsflughäfen und als Port of Entry (Einlaufhafen) für internationale Flugreisende habe der Flughafen Frankfurt bereits seit mehreren Jahrzehnten eine besondere Bedeutung bei der Infektionsabwehr in Deutschland, wie Sroka erläuterte.

Die Notfallambulanz ist gleichzeitig eine Außenstelle des Gesundheitsamts Frankfurt. Ärzte des Medical Center werden von der Stadt benannt, um auf diesem Gebiet tätig zu werden.

Derzeit arbeiten 10 fest angestellte Ärzte mehrerer Fachrichtungen (u.a. Anästhesie, Gynäkologie, Pädiatrie, Allgemeinmedizin) und ein nochmals etwa doppelt so großes medizinisches Assistenzteam im Medical Center. „Dieses ist prinzipiell für die akutmedizinische und notärztliche Versorgung sowie für den Rettungsdienst zuständig“, wie Sroka im Gespräch mit Medscape erläuterte. Die Arbeitsmedizin für Beschäftigte des Fraport Konzerns sei unabhängig davon organisiert.

Permanenter Austausch mit Gesundheitsbehörden

Aufgabe des Medical Center ist die medizinische Gefahrenabwehr. Während es in Vor-Corona-Zeiten größtenteils um akute Krankheitszustände und Notfälle ging, dominiere Sroka zufolge jetzt das Corona-Management: „Wir Ärzte machen dabei die Beratungen, die Blutentnahmen und die allermeisten Abstriche. Daneben stehen wir in ständigem Kontakt mit den Gesundheitsämtern der Region sowie mit dem Hessischen Sozialministerium.“

Bei wöchentlichen, zum Teil täglichen Konferenzschaltungen werden dabei zum Beispiel neue Einreiseregelungen, aktualisierte Infektionsschutzmaßnahmen oder logistische Herausforderungen wie das Testen großer Passagierströme von Reiserückkehrern besprochen und operativ vorbereitet.

So haben Experten nach den Sommerferien 2020 gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz ein Testzentrum für Reiserückkehrer mit rund 5.000 Tests als Tageskapazität eingerichtet. Die aktuelle Kapazität des Medical Center liegt bei mehreren hundert Tests am Tag. Hinzu kommt ein kommerzielles Testzentrum am Standort, sodass insgesamt mehrere tausend Tests am Tag möglich sind.

Testen, testen, testen

Seit das bundesweit 1. SARS-CoV-2-Testcenter im Juni 2020 am Frankfurter Flughafen eröffnet wurde, sind Tests auf SARS-CoV-2 ins Zentrum der Infektionsschutz-Aktivitäten gerückt. Untersucht werden vor allem ankommende und abreisende Passagiere.

Wer aus einem Risikogebiet einreist, muss innerhalb von 48 Stunden nach Einreise einen negativen Test als PCR- oder als qualifizierten Antigen-Schnelltest vorlegen. Möglich sind Tests maximal 48 Stunden vor der Abreise oder direkt vor Ort. Passagiere aus Hochinzidenz- oder Virusvarianten-Gebieten brauchen diesen Nachweis als Bedingung für ihre Einreise.

Welcher Test von Abreisenden gefordert wird, hängt vom jeweiligen Reiseziel bzw. von Bestimmungen des Ziellands ab. Regelungen können sich von Tag zu Tag ändern. China zum Beispiel verlangt von allen Einreisenden mittlerweile sowohl einen negativen PCR-Test als auch einen negativen IgM-Antikörpertest, die beim Abflug höchstens 48 Stunden alt sein dürfen. „Für den IgM-Test muss venöses Blut und kein Kapillarblut verwendet werden“, berichtete Sroka.

Ein weiteres Beispiel: „Die Niederlande fordern seit kurzem bereits beim Check-in am deutschen Abflugort neben einem negativen PCR-Test zusätzlich noch einen negativen Antigen-Schnelltest, der höchstens 4 Stunden alt sein darf“, so der Experte. Ganz klar – hier handelt es sich um eine Aufgabe des Testzentrums.

 
Mit fortschreitender Pandemie haben wir dann die bereits bestehenden Infektionsschutzmaßnahmen im Flughafen kontinuierlich erweitert und dabei die jeweils aktuellen behördlichen Vorgaben umgesetzt. Dr. Michael Sroka
 

Das Ergebnis für PCR-Tests im kommerziellen Testzentrum liegt innerhalb von 24 Stunden vor. Reisende zahlen 70 Euro. Wer ein PCR-Schnelltest-Ergebnis innerhalb von 6 Stunden haben will, berappt das Doppelte. Beratungen und Untersuchungen werden nach der GOÄ abgerechnet. Dem Frankfurter Flughafenmediziner zufolge bestimme die Kombination aus ärztlicher Beratung, Untersuchung und Nasen- bzw. Rachenabstrichen die Ergebnisqualität mit.

Einige müssen in die Klinik, andere ins Quarantäne-Hotel

„Fast täglich sehen unsere Ärzte der Notfallambulanz auch ankommende Passagiere mit akuten Corona-verdächtigen Symptomen, etwa Atemnot“, erzählt Sroka. „Diese lassen wir dann bei Bedarf zur weiteren Versorgung per Rettungswagen ins Krankenhaus bringen.“

Etwas komplizierter gestaltet sich folgende Situation: Jemand hat am Flughafen München einen Corona-Schnelltest vornehmen lassen und erfährt in Frankfurt vor dem Umsteigen in eine andere Maschine – beim Checken seiner Mails –, dass er positiv getestet wurde, hat aber keinerlei Symptome. „So jemand darf nicht weiterreisen, sein positives Testergebnis ist dem Gesundheitsamt zu melden und er muss in Quarantäne, wofür es auch Hotels in Flughafennähe gibt“, sagt der Experte.

Geringe Infektionsrisiken an Bord

Während eines Fluges mit SARS-CoV-2 infiziert zu werden, hält Sroka für recht unwahrscheinlich – „vorausgesetzt, die Passagiere wurden ordentlich vorgetestet und die Hygienemaßnahmen an Bord stimmen“. Dazu gehöre neben der Maskenpflicht der standardmäßig gewährleistete sehr effiziente Luftaustausch in der Kabine unter Verwendung von HEPA-Filtern (High Efficiency Particulate Air).

 
Fast täglich sehen unsere Ärzte der Notfallambulanz auch ankommende Passagiere mit akuten Corona-verdächtigen Symptomen, etwa Atemnot. Dr. Michael Sroka
 

„Mögliche Problemstellen können allerdings typisch menschliche Verhaltensweisen etwa beim Ein- und Aussteigen sein, wenn in der Fluggastbrücke oder im Flugzeuggang gedrängelt wird und sich die Leute dann zu nahekommen“, so die Experten-Einschätzung. Hier sei Eigenverantwortung ebenso wichtig wie gegebenenfalls andere freundlich auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen.

Neue Herausforderungen

Bleibt als Fazit: Die Zeiten, in denen es Ärzte des Medical Centers vom Flughafen Frankfurt vor allem mit kardiovaskulären Beschwerden und Notfällen, Allergien und Magen-Darm-Problemen zu tun hatten, sind erst einmal vorbei. „Natürlich gibt es diese ärztlichen Einsätze auch jetzt noch“, erklärt Sroka, „und wir sind immer wieder dankbar dafür, wenn wir dann helfen können“.

 
Ich habe ich die Hoffnung, dass … uns die Impfungen mit etwas Glück helfen werden, in nicht allzu ferner Zukunft wieder zu einem relativ normalen Leben zu kommen. Dr. Michael Sroka
 

Derzeit dominiere Corona jedoch alles, und die Pandemie werde sicher noch länger vorherrschendes Thema sein. „Dennoch habe ich die Hoffnung, dass sich dieses Virus – je mehr wir nicht nur in Deutschland, sondern weltweit impfen – irgendwann kaputtmutiert und uns die Impfungen mit etwas Glück helfen werden, in nicht allzu ferner Zukunft wieder zu einem relativ normalen Leben zu kommen.“
 

Kommentar

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