Fall: 19-jähriger Student mit Leistungsabfall und sozialem Rückzug uriniert in Einmachgläser

Anne McBride, Glen Xiong

Interessenkonflikte

22. Februar 2021

Die psychotischen Symptome der Schizophrenie treten typischerweise zwischen der späten Adoleszenz und der Mitte der 30er-Jahre auf, wobei der Höhepunkt bei Männern oft in den frühen bis mittleren 20er-Jahren und bei Frauen eher in den späten 20er-Jahren erreicht wird. Die Schizophrenie manifestiert sich häufig nach einem großen Stressor. Im vorliegenden Fall könnten der Auszug von zuhause und der Wechsel auf die Universität ein relevanter Stressor gewesen sein.

Kognitive Beeinträchtigungen werden bei der Schizophrenie häufig gesehen und sind Teil des Krankheitsbildes, selbst wenn andere Symptome in Remission sind. Ungefähr 20% der Erkrankten zeigen einen günstigen Verlauf, ein kleinerer Prozentsatz erholt sich gar vollständig [1].

Das DSM-5 unterscheidet 11 verschiedene Zustände unter „Schizophrenie-Spektrum- und andere psychotische Störungen“. Die „schizotypische Persönlichkeitsstörung“ beschreibt ein durchdringendes Muster sozialer und zwischenmenschlicher Defizite, das im frühen Erwachsenenalter beginnt (manchmal aber auch schon im Kindes- oder Jugendalter). Personen mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung zeigen eine verminderte Fähigkeit zu engen Beziehungen, kognitive oder Wahrnehmungsstörungen und exzentrisches Verhalten.

Die DSM-5-Kriterien für eine wahnhafte Störung umfassen ein oder mehrere Wahnphänomene (anhaltende falsche Überzeugungen gegen die Logik) über mindestens einen Monat, ohne dass andere signifikante psychotische Symptome vorliegen. Die Wahnvorstellungen können sich um recht bizarre Inhalte drehen.

Die kurze psychotische Störung (ICD-10 vorübergehende akute psychotische Störung) umfasst ähnliche Kriterien wie die Schizophrenie, dauert jedoch länger als 1 Tag, aber keinen Monat. Die schizophreniforme psychotische Störung umfasst die gleichen Kriterien wie die Schizophrenie, außer dass die Dauer der Störung weniger als 6 Monate beträgt und keine funktionelle Beeinträchtigung vorliegt [1].

Die DSM-5-Kriterien für die Diagnose der schizoaffektiven Störung fordern ununterbrochene signifikante affektive Symptome (depressiv oder manisch) bei gleichzeitig aktiven Schizophrenie-Symptomen. Darüber hinaus haben die Betroffenen über mindestens 2 Wochen Wahnvorstellungen oder Halluzinationen ohne signifikante affektive Symptome.

Psychotische Störungen können auch auf andere Erkrankungen zurückzuführen sein, wie z.B. substanz-/medikamenteninduzierte psychotische Störungen. Cannabis-induzierte Psychosen werden am häufigsten bei häufigem Konsum sowie bei Konsum hochpotenter Sorten beobachtet [2]. Bei substanzinduzierten psychotischen Störungen verschwinden die Symptome in der Regel innerhalb eines angemessenen Zeitraums nach dem Ende der Exposition [1]. Ein negatives Drogenscreening sowie ergänzende Aussagen von nahestehenden Personen, dass kein Drogenkonsum vorliegt, machen diese Diagnose unwahrscheinlich.

Eine Katatonie kann bei verschiedenen Störungen auftreten: entwicklungsbedingte neurologische Störungen, psychotische, affektive oder andere psychische Störungen sowie im Rahmen anderer Erkrankung [1].

Zu den „anderen spezifizierten Schizophrenie-Spektrum- und anderen psychotische Störungen“ zählen Erkrankungen, bei denen die Symptome die Kriterien für „Schizophrenie-Spektrum- und andere psychotische Störung“ nicht voll erfüllen, aber dennoch eine hohe Belastung oder funktionelle Beeinträchtigung bedeuten, sodass der Arzt lieber spezifiziert, in welcher Form die Störung die Kriterien nicht ausreichend erfüllt [1].

Beispiele für klinische Bilder, die unter „anders spezifiziert“ fallen können, sind:

  • persistierende auditorische Halluzinationen

  • Wahnvorstellungen mit signifikanten überlappenden affektiven Störungen

  • ein abgeschwächtes Psychose-Syndrom

  • oder auch wahnhafte Symptome beim Partner einer Person mit wahnhafter Störung [1].

Die Kategorie „unspezifizierte Schizophrenie-Spektrum- und andere psychotische Störung“ hingegen gilt für Fälle, die eigentlich „anders spezifiziert“ zugeordnet würden, doch entscheidet sich der Behandler dafür, nicht zu spezifizieren, warum die Störung die Kriterien nur unzureichend erfüllt. Oder die Informationen reichten nicht aus, um eine spezifischere Diagnose zu stellen [1].

Kommentar

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