Fall: 19-jähriger Student mit Leistungsabfall und sozialem Rückzug uriniert in Einmachgläser

Anne McBride, Glen Xiong

Interessenkonflikte

22. Februar 2021

Körperliche und apparative Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung hat man einen großen und schlanken jungen Mann vor sich. Seine Kleidung wirkt übergroß und weist auf der Vorderseite einige Flecken auf. Sein Haar ist fettig und ungekämmt. Er riecht etwas. Augenkontakt vermeidet er und beim Sprechen schaut er zumeist nach unten. Im Sitzen nimmt er eine seltsam starre Haltung ein.

Er spricht kaum. Seine Antworten bestehen nur aus ein oder zwei Wörtern, die entsprechend detailarm sind. Nach eigenen Angaben ist seine Stimmung „gut“, doch sie wirkt eher neutral. Die Emotionen scheinen nach außen extrem eingeschränkt bei zugleich flachem Affekt.

Auf die Frage, warum er das College vor 6 Monaten verlassen habe, murmelt er etwas davon, vergiftet worden zu sein und dass „sie“ seine „wahre Identität“ kennen würden. Er nimmt weiter keinen Augenkontakt mit dem Arzt auf. Fragen nach übermäßigem Alkohol- oder Drogenkonsum verneint er. Es gib kein Kopftrauma in der Vorgeschichte. In der Familienanamnese gibt es eine Tante mütterlicherseits, die jahrzehntelang in einer psychiatrischen Klinik war.

Er gibt an, keine merkwürdigen Geräusche zu hören, Dinge zu sehen oder zu riechen, die andere nicht wahrnehmen. Allerdings wird er im Wartezimmer dabei beobachtet, gelegentlich laut mit unsichtbaren Personen zu sprechen. Auf die Frage nach Selbstmordgedanken oder -plänen erklärte er, dass er „so etwas nicht tun würde“.

Er bestreitet auch Gewaltfantasien gegenüber anderen Personen. Sein Denken wirkt verlangsamt und gelegentlich unzusammenhängend, sodass es schwierig ist, seinem Gedankengang zu folgen. Sein Affekt ist flach und seine Stimme monoton, selbst wenn er seine Vorstellung beschreibt, wie man ihn zu vergiften versucht.

Der Patient ist zu Zeit, Ort und Personen orientiert. Sein Gedächtnis wirkt ungenau, doch bei der Testung sind das sensorische, das Arbeits- und das Langzeitgedächtnis intakt. Wenn er die Bedeutung eines Sprichwortes wie „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ erklären soll, gerät seine Antwort persönlich, weitschweifig und übermäßig abstrakt.

Bei der Untersuchung der Laborparameter sind seine Stoffwechselwerte, das große Blutbild, der TSH-Wert, die Leberwerte, die Blutfette, die Urinwerte sowie die Ergebnisse des Alkohol- und Drogenscreenings normal. Ein kraniales MRT ist unauffällig (s. Abb. 1).

Kommentar

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