US-Studie: Jährliche Mammografie ab 40 für Frauen mit dichter Brust könnte Sterblichkeit senken

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

19. Februar 2021

Eine Mammografie-basierte Screening-Strategie, die auf der Messung der Brustdichte im Alter von 40 Jahren basiert, könnte eine effektive Möglichkeit zur Reduktion der Brustkrebs-Sterblichkeit sein. Dies meinen Dr. Ya-Chen Tina Shih und Kollegen vom M.D. Anderson Cancer Center, Houston, Texas, aufgrund einer Mikrosimulationsanalyse, deren Ergebnisse sie in Annals of Internal Medicine publiziert haben [1].

Die Autoren schlagen vor, die Brustdichte der Frauen im Alter von 40 Jahren zu messen. Frauen mit dichter Brust sollten beginnend mit 40 Jahren dann jährlich bis zum Alter von 75 Jahren mammografisch untersucht werden. Frauen ohne dichte Brust sollten ab einem Alter von 50 Jahren bis zum Alter von 75 Jahren alle 2 Jahre mit einer Mammografie gescreent werden. Dieses Vorgehen sei kosteneffektiv.

Dr. Karla Kerlikowske und Dr. Kirsten Bibbins-Domingo, Universität von Kalifornien, San Francisco, bezeichnen jedoch im begleitenden Editorial in Annals of Internal Medicine die Ergebnisse der Analyse als überraschend und inkonsistent mit anderen Studien [2]. Die Editorialistinnen bezweifeln, dass ein jährliches Screening, so wie von Shih und Kollegen für rund 60% der Frauen vorgeschlagen, kosteneffektiv ist.

Zudem seien die Annahmen in der Simulation großzügig und möglicherweise zu optimistisch gewesen. So gehen sie davon aus, dass bei zweijährlichem Screening von 50- bis 75-jährigen Frauen 10,2 Todesfälle/1.000 gescreenten Frauen vermieden werden, während in der Literatur 7/1.000 beschrieben seien.

Auch die zugrunde gelegten Werte für die vermiedenen Todesfälle bei Frauen mit dichter Brust sehen Kerlikowske und Bibbins-Domingo als zu hoch an. „Wenn eine hohe Zahl an vermiedenen Todesfällen der von Shih und Kollegen vorgeschlagenen Strategie zugrunde liegt, führt dies zu einem kosteneffektiven Vorgehen trotz der hohen Zahl von Untersuchungen, falsch-positiven Untersuchungen und Überdiagnose“, so ihr Urteil.

Die Brustdichte als Risikofaktor für ein Mammakarzinom sollte mit dem Alter und weiteren Risikofaktoren kombiniert werden, um eine risikobasierte Screening-Strategie zu entwickeln. Bis dahin sollten sich alle Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren alle 2 Jahre einer Mammografie unterziehen.

Hohe Brustdichte als Risikofaktor für ein Mammakarzinom

Eine dichte Brust kann Mammografie-Befunde erschweren und ist mit einem erhöhten Risiko für ein Mammakarzinom assoziiert. Meist wissen die Frauen bis zur ersten Mammografie im Alter von 50 Jahren jedoch nicht, ob sie eine dichte Brust haben.

Die Arbeitsgruppe aus Texas verglich nun in einem Mikrosimulationsmodell die Effekte und die Kosteneffektivität von 7 Screening-Strategien:

  • kein Screening,

  • alle 2 Jahre Screening im Alter zwischen 50 und 75 Jahren,

  • alle 3 Jahre Screening im Alter zwischen 50 und 75 Jahren sowie

  • 4 an der Brustdichte ausgerichtete Strategien: 2 mit Mammografie im Alter ab 40 Jahren und 2 im Alter ab 50 Jahren.

Prinzipiell wird die Brustdichte in die 4 Stufen eingeteilt:

  • Stufe 1: Die Brust besteht überwiegend aus Fettgewebe. Die Brustdichte ist sehr niedrig.

  • Stufe 2: Die Brust enthält einen großen Anteil an Fettgewebe und vereinzelte Bereiche mit dichtem Drüsen- und Bindegewebe.

  • Stufe 3: Die Brust enthält mehr Drüsen- und Bindegewebe als Fettgewebe.

  • Stufe 4: Die Brust besteht fast vollständig aus Drüsen- und Bindegewebe. Die Brustdichte ist dadurch sehr hoch.

Frauen mit Stufe 3 und 4 wurden der Gruppe „dichte Brust“ zugeordnet, Frauen der Stufe 1 und 2 der Gruppe ohne dichte Brust.

Bei allen nach der Brustdichte ausgerichteten Strategien wurden die Frauen mit dichter Brust im Modell jährlich, Frauen ohne dichte Brust alle 2 oder alle 3 Jahre mammografisch untersucht.

Das Mikrosimulations-Modell ergab, dass die Strategie mit einer Erhebung der Brustdichte im Alter von 40 Jahren, gefolgt von jährlicher Mammografie bei hoher Brustdichte bis zum Alter von 75 Jahren sowie eine Mammografie alle 2 Jahre im Alter von 50 bis 75 Jahren bei Frauen ohne dichte Brust die Krebssterblichkeit am stärksten senkte. Diese Strategie ging jedoch auch mit einer hohen Zahl von Mammografien, höherer Rate von falsch-positiven Befunden und Überdiagnosen einher.

Eine Kosten-Effektivitäts-Analyse ergab, dass das vorgeschlagene Vorgehen für US-amerikanische Verhältnisse kosteneffektiv ist.

 

Kommentar

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