Kniegelenksarthrose: Studie testet, mit welchem Schuhwerk die geringsten Beschwerden entstehen

Jake Remaly

Interessenkonflikte

12. Februar 2021

Laut einer randomisierten Studie mit über 160 Kniegelenksarthrose-Patienten gehen schmerzhafte Kniebeschwerden beim Tragen stabiler, stützender Schuhe innerhalb von 6 Monate stärker zurück als beim Tragen von flachen, weichen Schuhen. Das berichten Forscher um Dr. Kade L. Paterson von der University of Melbourne in den Annals of Internal Medicine [1].

Die richtigen Schuhe: Leitlinien bleiben vage

Bekanntlich gilt eine abnormale Belastung als wichtiger Faktor, um Kniegelenksarthrose auszulösen. In Leitlinien wird zwar geeignetes Schuhwerk empfohlen. Details dazu, was „geeignet“ ist, sucht man aber vergebens.

Leitlinien des American College of Rheumatology zufolge ist zwar „optimales Schuhwerk wahrscheinlich von erheblicher Bedeutung für Menschen mit Knie- und/oder Hüftgelenksarthrose“, doch „die verfügbaren Studien legen sich bei der besten Art von Schuhwerk, die das spezifische Outcome verbessern könnte, nicht fest“.

 
Optimales Schuhwerk ist wahrscheinlich von erheblicher Bedeutung für Menschen mit Knie- und/oder Hüftgelenksarthrose. Leitlinien des American College of Rheumatology
 

Basierend auf Expertenmeinungen befürworten einige Ärzte dicke Sohlen mit stoßdämpfenden Eigenschaften und Fußgewölbestützen. Es gibt jedoch auch Hinweise aus Studien, dass die Belastung des Knies mit flachen, flexiblen Schuhen geringer ist, und vorläufige Evidenz deutet an, dass flache, flexible Schuhe Arthrose-Beschwerden lindern können. Dies schreibt das Team um Paterson.

Randomisierte Studie mit 164 Teilnehmern

Um für mehr Klarheit zu sorgen, nahmen sie 164 Patienten im Alter von mindestens 50 Jahren mit einer radiologisch gesicherten Kniegelenksarthrose in ihre Studie auf. Alle Teilnehmer hatten an den meisten Tagen im zurückliegenden Monat Knieschmerzen und wiesen tibiofemorale Osteophyten sowie eine mittlere bis schwere tibiofemorale Osteoarthrose auf.

Paterson und Kollegen teilten sie 1:1 randomisiert einer Gruppe mit stabilen, stützenden Schuhen und einer Gruppe mit flachen, flexiblen Schuhen zu. Teilnehmer wählten je 2 Paar Schuhe aus der ihnen zugewiesenen Gruppe. Sie wurden gebeten, das Schuhwerk 6 Monate lang mindestens 6 Stunden täglich zu tragen.

Zu den stabilen Schuhen gehörten ASICS Kayano (Herren und Damen), Merrell Jungle Moc (Herren), Nike Air Max 90 Ultra (Damen), Rockport Edge Hill (Herren) und New Balance 624 (Damen). Folgende Modelle galten als flache, flexible Schuhe: Merrell Bare Access (Herren und Damen), Vivobarefoot Primus Lite (Herren und Damen), Vivobarefoot Mata Canvas (Herren), Converse Dainty Low (Damen) und Lacoste Marice (Herren).

„Den Teilnehmern wurde nicht gesagt, dass der Zweck der Studie darin bestand, flache und flexible mit stabilen und stützenden Schuhen zu vergleichen“, schreiben die Forscher. „Stattdessen erfuhren sie lediglich, dass die Studie die Auswirkungen von verschiedenen Schuhen auf die Beschwerden bei einer Kniegelenksarthrose vergleicht.“

Weniger Knieschmerzen bei festen Schuhen

Primäre Endpunkte waren Veränderungen der Schmerzen beim Gehen auf einer Skala von 0 bis 10. Hinzu kamen Veränderungen körperlicher Funktionen, die nach 6 Monaten mit dem WOMAC-Score (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index Subskala) bewertet wurde. Die Untersucher bezogen weitere Messwerte zu Schmerzen und Funktion, zur körperlichen Aktivität und zur Lebensqualität mit ein.

 
Die Studie legt nahe, dass stützende Schuhe einigen Patienten mit Kniearthrose helfen können, sich besser zu fühlen. Dr. Constance R. Chu
 

Insgesamt schlossen 161 Teilnehmer die 6-monatige Studie ab. Der Unterschied zwischen den Gruppen bei der Veränderung der Schmerzen sprach für stabile Stützschuhe (Mittelwertdifferenz: 1,1). In der Gruppe mit flachen, flexiblen Schuhen sanken die durchschnittlichen Knieschmerzen beim Gehen nach 6 Monaten von 6,3 bei Studienbeginn auf 5,2 Punkte. In der Gruppe mit stabilen Stützschuhen sank der Wert von 6,1 auf 4,0.

Darüber hinaus verbesserten sich die kniebezogene Lebensqualität und die ipsilateralen Hüftschmerzen in der Gruppe mit festem Schuhwerk. Hier wurde auch seltener von Knieschmerzen, Knöchel- oder Fußschmerzen und Schienbein- oder Wadenschmerzen berichtet als in der Gruppe mit flachen, flexiblen Schuhen (15% vs. 32%).

Neue Möglichkeit der konservativen Behandlung

„Die Studie legt nahe, dass stützende Schuhe einigen Patienten mit Kniearthrose helfen können, sich besser zu fühlen“, sagt Prof. Dr. Constance R. Chu von der kalifornischen Stanford University. „Es hat sich gezeigt, dass Schuhe, Einlegesohlen, Keile und hohe Absätze die Belastung des Knies bei arthrose-bedingten Knieschmerzen verändern (...). Diese Arbeit liefert wichtige Daten im Hinblick auf das optimale Schuhwerk von Patienten mit Gonarthrose, um Schmerzen und Beeinträchtigungen im Frühstadium zu reduzieren.“

Die Schmerzlinderung könne für viele, wenngleich nicht für alle Patienten klinisch relevant sein, schrieben die Autoren. „Obwohl es biomechanische Evidenzen dafür gibt, dass flache und flexible Schuhe die mediale Kniebelastung im Vergleich zu festeren, stützenden Schuhen verringern, zeigen unsere Ergebnisse, dass dies nicht automatisch auch eine Verbesserung Kniegelenksbeschwerden im Rahmen einer Arthrose bedeutet“, so ihre Einschätzung.

„Vielleicht ist der Zusammenhang zwischen der Kniebelastung und den Symptomen nicht so stark, wie bisher angenommen, oder der geringe Rückgang der medialen Kniebelastung mit flachen, flexiblen Schuhen reicht nicht aus, um die Schmerzen und die beeinträchtigte Funktion wesentlich zu verbessern.“

Offene Fragen

Es gab jedoch keine Kontrollgruppe, die ihr gewohntes Schuhwerk weiterhin trug. Außerdem wurde nur eine Subgruppe von Patienten mit Kniegelenksarthrose rekrutiert. Ausgeschlossen wurden Personen mit einer lateralen Gelenkspaltverengung, wenn sie größer oder gleich der medialen war, Personen mit einer kurz zurückliegenden oder geplanten Knieoperation sowie Personen, die Schuhorthesen oder maßgefertigte Schuhe trugen. Dadurch werde die Übertragbarkeit der Studienresultate eingeschränkt, schreiben die Autoren.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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