COVID-19 als mögliche Berufskrankheit: Infizierte Ärzte oder Pflegekräfte sollten ihre Behandler rasch informieren

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

10. Februar 2021

COVID-19 kann als Berufskrankheit anerkannt werden. Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind oft aber nur unzureichend über ihre Rechte im Falle einer COVID-19-Ansteckung am Arbeitsplatz informiert – darauf weist der Arbeitskreis Assistenzärzte des Hartmannbundes hin.

 
Wir möchten an alle Kolleginnen und Kollegen appellieren, bei gesicherter Infektion diese als Berufserkrankung anzuzeigen. Dr. Sebastian Gassner
 

„Wir möchten an alle Kolleginnen und Kollegen appellieren, bei gesicherter Infektion diese als Berufserkrankung anzuzeigen“, betont Dr. Sebastian Gassner, Vorsitzender des Arbeitskreises. Nur so könnten auch im Nachgang Leistungen der Gesetzlichen Unfallversicherung, etwa zur Rehabilitation, gesichert werden. Die Identifikation eines Indexpatienten sei – anders als zu Beginn der Pandemie – dazu nicht mehr notwendig.

Bei der Berufsgenossenschaft für das Gesundheitswesen und die Wohlfahrtspflege (BGW) seien für das Jahr 2020 insgesamt 19.774 meldepflichtige Verdachtsanzeigen auf COVID-19 eingegangen, sagt BGW-Sprecherin Mareike Berger. Die BGW ist u.a. für Beschäftigte in Kliniken sowie für Arzt-und Zahnarztpraxen zuständig.

Klinikmitarbeiter sind am häufigsten von einer Ansteckung betroffen

Wie eine Grafik der BGW nach Branchen zeigt, sind Mitarbeiter in Kliniken mit 9.005 Fällen unter 771.256 Vollbeschäftigten am häufigsten von einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 betroffen. Am zweithäufigsten traf es Angestellte in Pflegeeinrichtungen: 6.819 Fälle bei 1.003.826 Vollbeschäftigten. Dann folgen Kollegen aus der Beratung und Betreuung mit 1.448 Fällen bei 734.553 Vollbeschäftigten und Beschäftigte in Haus- und Facharztpraxen mit 1.038 Fällen bei 481.062 Vollbeschäftigten.

Auf die Kinderbetreuung entfallen 480 Fälle bei 543.831 Vollbeschäftigten, auf berufliche Rehabilitation und Werkstätten 356 Verdachtsfälle bei 412.615 Vollbeschäftigten und auf therapeutische Praxen 281 Fälle bei 284.900 Vollbeschäftigten. 262 Fälle bei 615.989 Vollbeschäftigten werden Heilpraktiker-Praxen, Apotheken, aber auch Kosmetikstudios oder Friseuren zugeordnet. Nur 85 Verdachtsfälle bei 240.456 Vollbeschäftigten wurden Zahnarztpraxen gemeldet.

BGW: Risiko lässt sich mit geeigneten Schutzmaßnahmen verringern

Die BGW weist darauf hin, dass es deutliche Hinweise darauf gebe, dass sich das Risiko mit geeigneten Schutzmaßnahmen reduzieren lasse. Beispielsweise blieb die Zahl der Verdachtsmeldungen aus den BGW-Mitgliedsbetrieben im Herbst deutlicher hinter den Fallzahlen in der Allgemeinbevölkerung zurück als während der ersten Welle im Frühjahr.

Auch verzeichne eine laufende Studie der BGW und des CVcare in Hamburg in der ambulanten Pflege bis Ende Dezember nur wenige Infektionen unter Beschäftigten der beteiligten Einrichtungen. Die Berufsgenossenschaft stellt aber auch klar: Stark steigende Fallzahlen in der Bevölkerung führten zwangsläufig zu einer erhöhten beruflichen Infektionsgefährdung und zu erhöhten Arbeitsbelastungen für die im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege tätigen Menschen.

COVID-19 wird als Berufskrankheit anerkannt, wenn die erkrankte Person „im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war“, teilt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) dazu mit. Die geltende Liste der Berufskrankheiten schließt unter „Infektionskrankheiten“ (Nr. 3101) COVID-19 ein. Wie schwer die Infektion verläuft, ist dabei unerheblich. Mögliche Folgeschäden sind ebenfalls grundsätzlich durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.

Infoblatt der gesetzlichen Unfallversicherung und der Intensivmediziner

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wer versichert ist und welche Leistungen gezahlt werden, hatten bereits Anfang Juni 2020 die DGUV und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in einer gemeinsamen Information für Betriebe und Beschäftigte vorgestellt. „Wer nach dem Kontakt mit COVID-19-Erkrankten selbst an COVID-19 erkrankt, den dürfen wir nicht alleinlassen. Die Aufklärung über Anerkennung von Infektionskrankheiten als Berufskrankheiten ist dabei ein wichtiger Baustein“, sagt DIVI-Generalsekretär Prof. Dr. Felix Walcher, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg.

Grundsätzlich müssen 3 Voraussetzungen vorliegen:

  • Kontakt mit SARS-CoV-2-infizierten Personen im Rahmen der beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen,

  • relevante Krankheitserscheinungen, wie zum Beispiel Fieber oder Husten,

  • ein positiver Nachweis des Virus durch einen PCR-Test.

Falls ein Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion besteht, sollte der behandelnde Arzt oder der Betriebsarzt auf einen möglichen beruflichen Zusammenhang angesprochen werden. Ärzte sowie der Arbeitgeber sind verpflichtet, dies beim zuständigen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung anzuzeigen.

Wird COVID-19 als Berufskrankheit anerkannt, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten der Heilbehandlung und der medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation. Bleibt die Erwerbsfähigkeit gemindert, kann sie auch eine Rente zahlen. Im Todesfall können Hinterbliebene eine Hinterbliebenenrente erhalten. Die Kosten für einen Test auf SARS-CoV-2 werden unter bestimmten Umständen übernommen. Zum Beispiel, wenn es im Rahmen der beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen oder in Laboratorien direkten Kontakt zu einer mit SARS-CoV-2-infizierten oder möglicherweise infizierten Person gab.

 
Die Aufklärung über Anerkennung von Infektionskrankheiten als Berufskrankheiten ist … ein wichtiger Baustein. Prof. Dr. Felix Walcher
 

Welcher Versicherungsträger zuständig ist, hängt vom Arbeitgeber ab. Für Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft handelt es sich um die regional zuständige Unfallkasse bzw. den regional zuständigen Gemeinde-Unfallversicherungsverband. Für Einrichtungen in privater oder kirchlicher Trägerschaft ist die BGW zu kontaktieren. Weitere Informationen zur Anerkennung von Infektionskrankheiten als Berufskrankheiten und das ärztliche Anzeigeformular findet man online bei der DGUV und der BGW.

 

Kommentar

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