Studiendaten: Oxford-Vakzine wirkt wohl nicht gegen Südafrika-Variante, Impfprogramm dort auf Eis gelegt – zu Recht?

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

9. Februar 2021

Erstmals haben Forscher am Robert Koch-Institut, Berlin, Daten zu zirkulierenden Mutationen von SARS-CoV-2 für Deutschland veröffentlicht [1]. In den untersuchten Proben ließen sich neben dem Wildtyp auch diverse Variants of Concern (VOC) nachweisen.

Die Wissenschaftler haben dazu mehrere Datenquellen ausgewertet. Sie fanden VOC B.1.1.7 in ca. 1.800 von insgesamt rund 31.000 (5,8%) auswertbaren, nicht vorselektierten Proben. Diese Variante ist bekanntlich zuerst in Großbritannien aufgetreten. Bei einer Nachtestung von 1.130 positiven Proben aus dem Dezember 2020 identifizierten sie auch dort bereits in 37 Fällen (1,9%) die VOC B.1.1.7 und in 8 Fällen (0,4%) VOC B.1.351.

Gerade B.1.351 – sie wurde zuerst in Südafrika nachgewiesen – stellt Ärzte vor Herausforderungen. Nach Hinweisen auf eine begrenzte Wirksamkeit der „Oxford-Vakzine“ gegen diese VOC hat nun Südafrikas Gesundheitsminister Zweli Mkhize angekündigt, den geplanten Impfstart zu verschieben.

Welche Folgen all diese Befunde für Deutschland haben, ist noch unklar. Was aufhorchen lässt: Im österreichischen Tirol liegt die Rate an VOC B.1.351 schon bei 9%. Ein ähnlicher Anstieg gilt durchaus auch bei uns als denkbar.

Minimaler Schutz gegen leichtes COVID-19 bei jungen Erwachsenen

Wie die University of Oxford herausfand, bietet ihr Impfstoff ChAdOx1 nCoV-19 nur einen minimalen Schutz gegen leichte bis mittelschwere COVID-19-Erkrankungen aufgrund einer Infektion mit B.1.351 [2]. Der Impfstoff geht auf AstraZeneca Life Science und die britische Oxford University zurück.

Die Aussage basiert auf der Auswertung einer Studie mit knapp 1.800 Freiwilligen, die im Durchschnitt 31 Jahre alt waren. Sie erhielten den ChAdOx1 nCoV-19-Impfstoff im 2-Dosis-Schema oder jeweils Placebo. Die Autoren berichten, dass ihre Vakzine einen „minimalen Schutz gegen eine leichte bis mittelschwere COVID-19-Infektion bei der B.1.351-Coronavirus-Variante aus Südafrika“ bietet. Laut New York Times erkrankten im Verum-Arm 19 von 748 Personen, verglichen mit 20 von 714 Personen im Placebo-Arm der Studie.

 
Diese Studie bestätigt, dass das pandemische Coronavirus erwartungsgemäß Wege finden wird, sich in geimpften Populationen weiter auszubreiten. Prof. Dr. Andrew Pollard
 

„Diese frühen Daten, die erst noch zur wissenschaftlichen Begutachtung vorgelegt werden müssen, scheinen die theoretische Beobachtung zu bestätigen, dass Mutationen im Virus in Südafrika eine fortlaufende Übertragung des Virus in geimpften Populationen ermöglichen (…)“, heißt es in der Pressemeldung. Ob die Impfung aber zumindest das Risiko für mittelschwere oder schwere Erkrankungen, Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle reduziert, konnte anhand der Daten dieser Auswertung nicht bewertet werden, weil die Teilnehmer eher eine Gruppe mit niedrigem Risiko waren – und schwere Erkrankungen kaum auftraten.

„Diese Studie bestätigt, dass das pandemische Coronavirus erwartungsgemäß Wege finden wird, sich in geimpften Populationen weiter auszubreiten“, kommentiert Prof. Dr. Andrew Pollard von der Oxford Vaccine Group. „Angesichts vielversprechender Ergebnisse weiterer Studien aus Südafrika, … könnten Impfstoffe jedoch weiterhin Gesundheitssysteme durch die Verhinderung schwerer Krankheiten entlasten.“ Man arbeite bereits an der 2. Generation des Präparats.

Impfkampagnen in Südafrika stoppen oder fortsetzen?

Südafrikas Entscheidung, derzeit keine Oxford-Vakzine zu verimpfen, stößt bei Wissenschaftlern auf Kritik.

Prof. Dr. Shabir Madhi von der University of the Witwatersrand, Südafrika, erklärte: „Jüngste Daten aus einer von Janssen gesponserten Studie in Südafrika, in der mittelschwere bis schwere Krankheiten anstelle einer leichten Krankheit unter Verwendung eines ähnlichen viralen Vektors bewertet wurden, zeigten, dass der Schutz gegen diesen wichtigen Endpunkt erhalten blieb. Dies könnte für den ChAdOx1 nCoV-19-Impfstoff relevant sein, der unter Verwendung einer ähnlichen Technologie wie der Janssen-Impfstoff entwickelt wurde und für den auch die induzierten Immunantworten ähnlich sind.“

Gleichzeitig warnte Madhi, es sei „rücksichtslos“, Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs einfach ablaufen zu lassen, ohne sie zu verabreichen, da die Vakzine möglicherweise schwere Krankheiten reduzieren könnte. Südafrika hat bereits mehr als 1 Million Dosen bekommen, und weitere 500.000 werden in Kürze erwartet.

Ähnlich äußerte sich AstraZeneca gegenüber Medien. „Wir glauben, dass unser Impfstoff vor schweren Krankheiten schützen kann, da die neutralisierende Antikörper-Aktivität der anderer COVID-19-Impfstoffe entspricht, die eine Aktivität gegen schwerere Krankheiten gezeigt haben, insbesondere, wenn das Dosierungsintervall auf 8 bis 12 Wochen optimiert ist“, so ein Sprecher.

Gute Ergebnisse bei B.1.1.7

Bei einer ähnlichen Frage geben Forscher der Oxford University jedoch Entwarnung. In einem Preprint berichten sie, dass ChAdOx1 nCoV-19 gegen die B.1.1.7-Variante in Großbritannien ähnlich wirksam ist wie gegen den Wildtyp (74,6 % [95% KI 41,6-88,9] bzw. 84 % [95% KI 70,7-91,4]). Dieser Erkenntnis liegen Daten einer Studie mit 499 SARS-CoV-2-positiven Patienten zugrunde. Sie hatten an einer großen Phase-2/3-Impfstoffstudie teilgenommen.

 

Kommentar

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