Fall: Eine junge Frau kommt unruhig und verwirrt in die Notaufnahme, sie schwitzt stark. Was läuft schief in ihrem Kopf?   

Caroline Tschibelu

Interessenkonflikte

8. Februar 2021

In den meisten Fällen nimmt das Serotonin-Syndrom einen milden Verlauf und therapeutisch reichen bereits das Absetzen des Mittels und unterstützende pflegerische Maßnahmen, um die Symptome vollständig verschwinden zu lassen [1].

In der Regel suchen Patienten mit einem Serotonin-Syndrom innerhalb von 6 bis 24 Stunden nach dem Auftreten der Symptome ärztliche Hilfe, worauf die Symptome nach weiteren 24 Stunden auch zumeist wieder abgeklungen sind. Erregung und Tremor lassen sich mit Benzodiazepinen (die unspezifische 5-HT-Antagonisten sind) behandeln.

Komplikationen

In schweren Fällen können die Patienten jedoch eine neuromuskuläre Lähmung erleiden und eine Sedierung und ggf. Intubation benötigen. Eine Hyperthermie über 41,1°C steht meist für eine schlechte Prognose. Bei Hyperthermie und ausgeprägter Muskelstarre sollten je nach Indikation Antipyretika, Muskelrelaxanzien und ebenfalls eine Sedierung und ggf. Intubation zum Einsatz kommen [11].

Das Serotonin-Syndrom kann durch eine Rhabdomyolyse, eine disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), durch Leber- oder Nierenfunktionsstörungen und durch eine Laktatazidose kompliziert werden. Daher gehören die Urinanalyse, die Bestimmung der Nieren- und Leberfunktionswerte sowie der Gerinnungsparameter zum Management der Erkrankung dazu.

Wichtig: Es sollten glaubwürdige Angaben zum Konsum von legalen oder illegalen Drogen vorliegen, vor allem wenn die Möglichkeit einer absichtlichen Überdosierung besteht, da sich dadurch das klinische Bild verkomplizieren und die Diagnose verzögern kann.

Das Antihistaminikum (Histamin-1-Rezeptor-Antagonist) Cyproheptadin ist das anerkannte Medikament gegen das Serotonin-Syndrom. Die oral einzunehmende Substanz besitzt anticholinerge und antiserotonerge Eigenschaften. Die Initialdosis beträgt 4 bis 12 mg alle 2 Stunden, bis die Maximaldosis von 32 mg ohne Symptombesserung erreicht wird [12].

Obwohl das Serotonin-Syndrom selten ist, hat der Fall von Libby Zion im Jahr 1984 die Medizin in einer noch nie da gewesenen Weise beeinflusst und verändert:

Zion hatte das Antidepressivum Phenelzin genommen [13], dessen therapeutische Wirkung bis zu 2 Wochen nach dem Absetzen des Wirkstoffes hinaus anhalten kann. Sie erhielt gegen ihre Unruhe Meperidin, was dazu führte, dass sie am Serotonin-Syndrom starb.

Fall dieser jungen Frau

Angemessen behandelt klingt das Serotonin-Syndrom bald ab. Dazu ist es jedoch wichtig, es korrekt zu diagnostizieren. Die gleichzeitige Einnahme vieler verschiedener Medikamente erhöht ebenfalls das Risiko für das Syndrom. Die Medikamente eines Patienten müssen daher aufeinander abgestimmt sein, wenn die Möglichkeit eines Serotonin-Syndroms besteht.

Man bedenke, dass Substanzen wie etwa Fluoxetin eine lange Halbwertszeit haben und es 5 bis 8 Wochen dauern kann, bis sie vollständig aus dem Körper eliminiert ist. Zusätzliche serotonerge Wirkstoffe sollten daher nur mit großer Vorsicht ergänzt werden.

Die Patientin im vorliegenden Fall konnte durch das Absetzen der auslösenden Substanzen erfolgreich behandelt werden. Sie erhielt zudem Cyproheptadin und unterstützende Pflege. Zwei Tage nach der Aufnahme und nach dem vollständigen Abklingen aller Symptome wurde sie wieder entlassen.

Kommentar

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