Fall: Eine junge Frau kommt unruhig und verwirrt in die Notaufnahme, sie schwitzt stark. Was läuft schief in ihrem Kopf?   

Caroline Tschibelu

Interessenkonflikte

8. Februar 2021

Differentialdiagnose

Neben dem Serotonin-Syndrom wurden auch andere Differenzialdiagnosen in Betracht gezogen, aber in diesem Fall ausgeschlossen.

Das maligne Neuroleptika-Syndrom ist eine idiopathische Arzneimittelreaktion auf Antipsychotika, die ein ähnliches Erscheinungsbild wie das Serotonin-Syndrom hervorbringt. Allerdings tritt es zusammen mit einer Bradyreflexie, Hyperpyrexie und Rigor auf [5]. Myoklonien sind dabei selten. Die Symptome klingen typischerweise innerhalb von Tagen ab, während sie beim Serotonin-Syndrom meist innerhalb von 24 Stunden nach dem Entzug des auslösenden Wirkstoffs verschwunden sind [6].

Darüber hinaus haben die Betroffenen in der Vorgeschichte Neuroleptika (z.B. Haloperidol, Chlorpromazin), atypische Antipsychotika oder Antiemetika eingenommen. Zur Behandlung des malignen Neuroleptika-Syndroms ist Dantrolen das evidenzbasiert wirksamste Mittel, während es für das Serotonin-Syndrom keine solche evidenzbasierte Therapie gibt.

Die maligne Hyperthermie ist eine Störung der Skelettmuskulatur, die durch die Inhalation von halogenierten Anästhetika (z.B. Halothan, Sevofluran, Desfluran, Isofluran), die Gabe von depolarisierenden Muskelrelaxantien (z.B. Succinylcholin) oder durch hohen Stress (z.B. starke körperliche Anstrengung, Hitzeeinwirkung) ausgelöst werden kann [7]. Sie gilt als hypermetabolische Reaktion der Skelettmuskulatur. Die Symptomatik besteht aus Hyperthermie, Tachykardie, Tachypnoe, erhöhter Kohlendioxid-Produktion (Hyperkapnie) und erhöhtem Sauerstoffverbrauch (Hypoxie) mit folgender Azidose, Hyperkaliämie, Muskelsteifheit und Rhabdomyolyse. Die maligne Hyperthermie wird mit Dantrolen behandelt, einem spezifischen Antagonisten, der überall dort verfügbar sein sollte, wo eine Allgemeinanästhesie durchgeführt wird.

Das anticholinerge Syndrom resultiert aus einer Überdosierung mit einem Anticholinergikum und kann sich mit Hyperthermie, Unruhe, psychischen und Bewusstseinsstörungen, Mydriasis, trockenen Schleimhäuten, Harnverhalt und verminderten Darmgeräuschen präsentieren [8]. Die Patienten haben beim anticholinergen Syndrom im Vergleich zum Serotonin-Syndrom einen normalen Muskeltonus und normale Reflexe. Zur Behandlung wird das Parasympatho-Mimetikum (Cholinergikum) Physostigmin gegeben.

Patienten mit Meningitis zeigen klinisch oft Kopfschmerzen, Lichtscheu, Nackensteifigkeit, Erbrechen und Doppelbilder. Es können auch Krämpfe, abnormale Bewegungen und/oder Körperhaltungen hinzukommen.

Das Serotonin-Syndrom lässt sich anhand der neuromuskulären Befunde von anderen Ursachen eines erregten Delirs abgrenzen. Beim sympatho-mimetischen Syndrom oder bei ZNS-Infektionen fehlen diese Befunde typischerweise.

Medikamente als Auslöser

Am häufigsten sind folgende Medikamentengruppen mit dem Serotonin-Syndrom assoziiert [9]: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

  • Serotonin-Noradrenalinn-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)

  • Monoaminoxidase-Hemmer (MAO)

  • Opioide

  • Hustenmittel (z.B. Dextromethorphan)

  • Antibiotika

Hier eine Übersicht der spezifischen Medikamente aus diesen Gruppen, die das Potenzial haben, ein solches Krankheitsbild auszulösen [1,6,7,8,9,10,11,12]:SSRI:

  • Citalopram

  • Fluoxetin

  • Fluvoxamin

  • Olanzapin/Fluoxetin

  • Paroxetin

  • SNRI:

    • Duloxetin

    • Sibutramin

    • Venlafaxin

  • Triptane:

    •  Almotriptan

    •  Eletriptan

    •  Frovatriptan

    •  Naratriptan

    •  Rizatriptan

    •  Sumatriptan

    •  Zolmitriptan

  • Sonstige:

    • Buspiron

    • Carbamazepin

    • Kokain

    • Cyclobenzaprin

    • Dextromethorphan

    • Mutterkorn-Alkaloide

    • Fentanyl

    • 5-Hydroxytryptophan

    • Linezolid

    • Lithium

    • L-Tryptophan

    • Meperidin

    • Methadon

    • Methamphetamin

    • Methylenblau

    • Metoclopramid

    • Mirtazapin

    • Ondansetron

    • Phenelzin

    • Selegilin

    • Johanniskraut

    • Tramadol

    • Tranylcypromin

    • Trazodon

    • trizyklische Antidepressiva

    • Valproinsäure.

Die folgenden Opioide sollten Patienten, die bereits SSRI oder MAO-Hemmer erhalten, nicht verordnet werden, da sie das Serotonin-Syndrom beschleunigen oder verschlimmern können:

  • Tramadol

  • Methadon

  • Meperidin

  • Fentanyl.

Alternativen

Morphin, Codein und Hydrocodon sind Opioide, die nicht mit dem Serotonin-Syndrom in Verbindung gebracht wurden. Daher sollten diese gegeben werden, wenn Opioide alternativlos sind [10].

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....