Fall: Eine junge Frau kommt unruhig und verwirrt in die Notaufnahme, sie schwitzt stark. Was läuft schief in ihrem Kopf?   

Caroline Tschibelu

Interessenkonflikte

8. Februar 2021

Diskussion

Das Serotonin-Syndrom ist ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand, der die Folge einer toxischen Serotonin-Wirkung im zentralen und peripheren Nervensystem ist. Ursächlich kommen eine Kombination aus serotonergen Wirkstoffen, die Dosiserhöhung eines serotonergen Wirkstoffs und die Überdosierung oder unbeabsichtigte Wechselwirkungen von serotonergen Substanzen infrage.

Das Serotonin-Syndrom ist eine klinische Diagnose. Daher sind eine sorgfältige und gründliche Anamnese sowie die körperliche und spezielle neurologische Untersuchung unerlässlich. Allerdings muss vor allem an die Möglichkeit dieses Syndroms gedacht werden [1].

Das Serotonin-Syndrom resultiert dann auf zellulärer Ebene aus einer exzessiven Stimulation bzw. Agonisten-Aktivität an postsynaptischen Serotonin-Rezeptoren. Am ehesten wird eine exzessive Bindung an den 5-HT2A- und 5-HT1A-Rezeptor-Subtypen als Hauptursache der Symptome vermutet [2]. Die Symptomatik ist sehr variabel und der Schweregrad kann von leicht bis lebensbedrohlich reichen.

Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) wird in den Neuronen aus L-Tryptophan gebildet. Seine Konzentration ist das Ergebnis eines Rückkopplungsmechanismus, der die Wiederaufnahme und den Metabolismus kontrolliert.

5-HT-Rezeptoren im zentralen Nervensystem regulieren die Aufmerksamkeit, das Verhalten, die Körpertemperatur, den Schlaf-Wach-Zyklus, den Appetit sowie den Muskeltonus [3]. Sie befinden sich auch im peripheren Nervensystem.

Peripheres Serotonin wird von entero-chromaffinen Zellen des Darms produziert und ist an der Regulation der gastrointestinalen Motilität, der Uteruskontraktion, der Bronchokonstriktion und des Gefäßtonus beteiligt. Darüber hinaus fördert es die Aggregation von Blutplättchen.

Es gibt keinen spezifischen Labortest zur Diagnose des Syndroms, und der Serotonin-Spiegel korreliert auch nicht mit der Schwere der Symptome. Die Hunter-Kriterien sind derzeit mit einer Sensitivität von 84% und einer Spezifität von 97% das genaueste diagnostische Instrument, das beim Serotonin-Syndrom zur Verfügung steht. Für die Diagnose muss neben der Einnahme eines serotonergen Mittels mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein [4]:

  • spontaner Klonus

  • induzierbarer Klonus mit Erregung oder Diaphorese

  • okulärer Klonus mit Erregung oder Diaphorese

  • Tremor und Hyperreflexie

  • Hypertonie, Temperatur > 38°C und okulärer oder induzierbarer Klonus.

Kommentar

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