Gefahr aus dem Meer: RKI/BfR machen Räucherlachs als offensichtlichen Auslöser für Listeriose-Ausbrüche verantwortlich

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

1. Februar 2021

Ursache für 22 bundeslandübergreifende Listeriose-Ausbrüche in Deutschland war offenbar geräucherter oder gebeizter Lachs. Zu dieser Einschätzung kommt das Robert Koch-Institut (RKI) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Untersuchungsergebnisse wurden jüngst im Epidemiologischen Bulletin03/21 veröffentlicht [1].

Listeriose, verursacht durch das Bakterium Listeria (L.) monocytogenes, tritt in verschiedenen Formen auf und wird vor allem durch Konsum kontaminierter Lebensmittel übertragen. Die Krankheit ist mit teilweise schweren Verläufen und einer hohen Sterblichkeit assoziiert.

Genetischer Fingerabdruck von L. monocytogenes-Isolaten

Zur Überwachung des Listeriose-Geschehens in Deutschland subtypisiert das Konsiliarlabor für Listerien (KL Listeria) am RKI L.-monocytogenes-Isolate aus Patienten. Durch Genomsequenzierung wird der mikrobielle genetische Fingerabdruck jedes Isolats ermittelt.

So konnten hierzulande zuletzt auch 22 bundeslandübergreifende Listeriose-Ausbrüche identifiziert werden. Bei diesen Ausbrüchen stellte das Nationale Referenzlabor (NRL) für L. monocytogenes am BfR in Zusammenarbeit mit dem KL am Robert Koch-Institut (RKI) sehr nahe Verwandtschaften zu L.-monocytogenes-Isolaten aus geräucherten oder gebeizten Lachsprodukten fest.

Hohe Dunkelziffer bei Listeriose-Ausbrüchen

Auch die Befragung von insgesamt 21 Patienten bzw. deren Angehörigen aus 12 Ausbrüchen durch die RKI-Wissenschaftler deuten auf den Verzehr von Räucherlachs als mögliche Ursache hin. Von diesen hatten 19 (90%) Räucherlachs oder geräucherten Fisch in den 2 Wochen vor dem Erkrankungsbeginn verzehrt. Dies sei signifikant mehr als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten ist, betonen die Autoren.

„Insgesamt ist bei allen Listeriose-Ausbrüchen mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, da nicht alle Listeriose-Fälle diagnostiziert werden und Isolate von diagnostizierten Listeriose Fällen nicht in jedem Fall an das Konsiliarlabor gesendet werden“, räumen die Wissenschaftler ein. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Erkrankungszahlen in den 22 Ausbrüchen in der Bevölkerung in Deutschland deutlich höher sind

BfR warnte bereits im September 2020

Das BfR hatte Verbraucher zuletzt im September 2020 darauf hingewiesen, dass der Verzehr von Räucherfisch mit Risiken behaftet sei. So enthielten bis zu 18% der in Deutschland von der amtlichen Lebensmittelüberwachung in den Jahren 2007 bis 2017 untersuchten Proben von kaltgeräucherten oder gebeizten Fischereierzeugnissen L. monocytogenes.

Schwangere, Ältere oder Menschen mit geschwächter Immunabwehr sollten Fisch und Meerestiere daher nur gut erhitzt essen, riet die Behörde. Darüber hinaus sollten auch Empfehlungen zur Ernährung von älteren Menschen und vulnerablen Personengruppen auf diese mikrobiellen Risiken hinweisen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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