Fall: Heimtückischer Husten und Rückenschmerzen – diese 63-Jährige sollten Sie sich genauer ansehen

Winston W. Tan, Matthew Tan

Interessenkonflikte

25. Januar 2021

Diskussion

Ein Lungenkrebs entwickelt sich oft heimtückisch und erzeugt erst im fortgeschrittenen Stadium eindeutige Symptome. Um die Krankheit richtig und frühzeitig zu erkennen, ist schon ein gutes ärztliches Gespür erforderlich. In diesem Fall rechtfertigen der Gewichtsverlust, das Bluthusten und die Belastung durch Passivrauchen in Kombination mit leichtem Fieber und einem leicht auffälligen Auskultationsbefund zumindest den Verdacht auf ein Lungenkarzinom. Im anschließend durchgeführten Thorax-CT wurde ein 1,3 cm großer, unscharf begrenzter Knoten im linken Oberlappen entdeckt (s. Abb. 1).

Die Patientin unterzog sich einer linken oberen Lobektomie mit mediastinaler Lymphknotendissektion aufgrund eines 1,5 cm großen, wenig differenzierten Plattenepithelkarzinoms der Lunge, wobei einer von 18 Lymphknoten (Station 5) mit einem mikroskopischen Karzinomherd positiv war. Die Frau wurde anschließend mit einer adjuvanten Radiochemotherapie aus Cisplatin und Docetaxel behandelt. Allerdings musste der Chemotherapieteil nach einigen Dosen wegen Komplikationen abgebrochen werden.

Im Laufe der Therapie erlitt die Patientin zudem einen Anfall und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Im kranialen MRT fanden sich jedoch keine Hinweise auf Hirnmetastasen. Allerdings gab es Anzeichen eines Entzündungsgeschehens im Temporallappen. Nach einer Lumbalpunktion konnten im Liquor Herpesviren nachgewiesen werden. Daraufhin wurde die Patientin mit Phenytoin und Valacyclovir behandelt.

Die Strahlentherapie beendete sie nach einer Gesamtdosis von 61 Gy. Eine weitere geplante Chemotherapie verzögerte sich aufgrund der Schwäche der Patientin. Es kam auch zum Ausbruch einer Gürtelrose. Die 4-monatliche Nachuntersuchung zeigte eine vollständige Remission mit einer stabilen Strahlennarbe in der linken Lunge.

6 Jahre später wurde im CT eine neue, sich vergrößernde Masse rechts im mittleren Oberlappen paramediastinal entdeckt, die sowohl eine Metastase sein konnte als auch ein neues primäres Lungenkarzinom (s. Abb. 2).

Ein neuerliches kraniales MRT war negativ. Im PET zeigte sich eine Anreicherung im erwarteten Gebiet sowie eine unbestimmte Anreicherung in einem rechten Hilusknoten (s. Abb. 3), war aber ansonsten negativ.

Die Lungenfunktionstests ergaben eine Einsekundenkapazität FEV1 von 1,45 l oder 65% des Vorhersagewertes. Die Diffusionskapazität der Lunge für Kohlenmonoxid (DLCO) betrug 42%. Die Sauerstoffsättigung war in Ruhe normal, sank jedoch bei körperlicher Betätigung auf 92%.

Bei der endobronchialen Sonografie wurde keine spezifische Anomalie entdeckt. Die Schleimhaut war bröckelig. Rechts wurde ein hilärer Lymphknoten entnommen, der jedoch keine lymphatischen Elemente enthielt. Es fanden sich keine spezifischen Tumorzeichen.

Eine CT-gesteuerte Biopsie erbrachte keine Klarheit. Bei der chirurgischen Exploration wurde ein kleinzelliges Karzinom identifiziert, das aufgrund seiner Infiltration des Mediastinums und der Blutungen inoperabel war (s. Abb. 4).

Die Patientin begann mit einer palliativen Chemotherapie mit Carboplatin/Etoposid, wobei Etoposid an den Tagen 2 und 3 oral verabreicht wurde. Sie schloss 4 Zyklen ab und vertrug die Chemotherapie insgesamt gut.

Im Kontroll-CT wurde eine minimale Restdichte im Gebiet der vorherigen Läsion gesehen. Aufgrund des exzellenten Ansprechens wurde sie zur Protonentherapie überstellt, da eine Standardbestrahlung aufgrund der früher erhaltenen Dosis nicht infrage kam.

Auf die Induktionschemotherapie folgte eine konsolidierende Bestrahlung. Die Patientin unterzog sich anschließend einer Protonenbestrahlung der Restmasse. Dann erlitt sie einen Anfall. Sie war dehydriert und wurde mit einem Antikonvulsivum behandelt, worunter sie sich stabilisierte. Im kranialen MRT zeigte sich rechts anterior eine Erweichung (Enzephalomalazie). Aktuell geht es ihr gut und ihre Krebserkrankung wird aktiv überwacht.

Kommentar

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