Neufassung der Strahlenschutz-Verordnung: „Babykino“ wird zur Ordnungswidrigkeit – aber vieles bleibt erlaubt

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

20. Januar 2021

Seit dem 1. Januar 2021 sind nicht medizinisch begründete Ultraschall-Untersuchungen während der Schwangerschaft verboten. Laut Paragraph 10 der neuen Verordnung des Strahlenschutzgesetzes dürfen Feten bei der Anwendung von Ultraschall zu nichtmedizinischen Zwecken nicht exponiert werden.

Die Neufassung der Strahlenschutz-Verordnung hat zu erheblicher Unsicherheit unter Frauenärzten geführt. In ihrer gemeinsamen Stellungnahme heben die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF), die Wichtigkeit von Ultraschall-Untersuchungen im Rahmen des Schwangerschafts-Monitorings hervor und erläutern die wichtigsten Aspekte [1].

„Babykino“ ist eine Ordnungswidrigkeit

„Nichtmedizinische Ultraschall-Angebote wie das umgangssprachlich genannte „Babykino“ stellen eine Ordnungswidrigkeit dar“, schreiben die Fachgesellschaften. Der medizinisch indizierte Ultraschall nach den Mutterschaftsrichtlinien hingegen – einschließlich aller eventuell zusätzlich notwendigen Ultraschall-Untersuchungen – sei ausdrücklich von diesem Verbot ausgenommen.

  • Alle Ultraschalluntersuchungen nach Mutterschaftsrichtlinien und alle feindiagnostischen Ultraschall-Untersuchungen sind ärztliche Untersuchungen und unterliegen nicht der Strahlenschutz-Verordnung. In diesem Kontext dürfen auch Bilder und Filme erstellt werden.

  • Ultraschall zu Forschungszwecken unterliegt nicht der Strahlenschutz-Verordnung und ist erlaubt.

  • Auch Ultraschall im Rahmen praktischer Übungen in Kursen zur Aus- und Weiterbildung unterliegt nicht der Strahlenschutz-Verordnung und ist erlaubt.

  • Ebenso unterliegt Ultraschall im Rahmen von KV-Prüfungen nicht der Strahlenschutz-Verordnung und ist erlaubt.

  • Ultraschall auf Kongressen und wissenschaftlichen Veranstaltungen fällt ebenfalls nicht unter die Strahlenschutz-Verordnung und ist erlaubt (zur Aus- und Weiterbildung, hingegen nicht bei ausschließlicher Produktpräsentation).

  • Nicht erlaubt sind Ultraschall-Untersuchungen mit dem ausschließlichen Zweck der Erstellung von Erinnerungsfilmen und -bildern.

Ultraschall als Selbstzahler-Leistung nicht verboten

Die Fachgesellschaften stellen klar, dass es sich beim diagnostischen Ultraschall um „natürliche und harmlose Schallwellen handelt, die leider im Rahmen dieses Gesetzgebungsverfahrens als ‚nichtionisierende Strahlung‘ klassifiziert wurden.“ Maßgeblich sei dabei der Schwellenwert, der als thermischer Index (TI) auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes kontinuierlich dargestellt wird und Rückschlüsse auf eventuelle Erwärmungen zulasse.

Bei allen Anwendungen in der Schwangerschaft sollte der TI < 0,7 sein: Um diesen Schwellenwert einzuhalten, reicht oft schon eine einfache Reduktion des Acoustic Outputs, ohne Abstriche an der Bildqualität hinnehmen zu müssen. Der mechanische Index (MI) spielt bei der Anwendung von Ultraschall in der Schwangerschaft hingegen keine Rolle.

Die Fachgesellschaften stellen auch klar, dass die Behauptung, mit der neuen Verordnung seien nun auch Ultraschall-Untersuchungen als Selbstzahler-Leistungen generell verboten, falsch ist. Die Entscheidung, ob eine Untersuchung im Sinne der Schwangeren und des Ungeborenen sinnvoll und indiziert ist, treffen die betreuenden Frauenärzte.

 

Kommentar

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