Selbstschutz verbessern? Qualität, Wiederverwertung und Wirksamkeit: Was Sie jetzt über FFP2-Masken wissen sollten

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

20. Januar 2021

Seit 18. Januar 2021 gilt in Bayern die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen, wenn auch nur beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Bis 24. Januar will sich die Polizei kulant zeigen. Wer danach an diesen Orten mit Stoff- oder medizinische Masken unterwegs ist, muss mit Geldstrafen rechnen.

Auf Bundesebene haben Politiker am 19. Januar nur einen Pflicht für medizinische Masken beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmittteln beschlossen. FFP2 Masken sind freiwillig. 

Medscape hat hier die wichtigsten Fakten zu FFP2-Masken zusammengestellt.

Schützen FFP2-Masken besser als OP-Masken?

FFP2 steht für „Filtering Face Piece“. Diese Masken verhindern sehr effizient, dass man Partikel einatmet. Masken dieser Art müssen mindestens 95% aller gesundheitsschädlichen Stäube, Nebel und Rauche zurückhalten.

Vergleichbar ist die sogenannte N95-Maske. Sie erfüllt N95-Standards der Luftfiltrationsbewertung des US-amerikanischen National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH). Auch sie bindet mindestens 95% aller in der Luft befindlichen Partikel, die größer als 0,3 µm sind.

Schützen diese beiden Standards besser als normale OP-Masken? 

Dr. Lewis J. Radonovich von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und Kollegen fanden in einer Studie unter Praxisbedingungen keinen signifikanten Unterschied in der Inzidenz von labordiagnostisch bestätigten Influenza-Infektionen bei Verwendung von N95-Atemschutzmasken (8,2%) und OP-Masken (7,2%). Sie hatten 2.862 Mitarbeiter im Gesundheitswesen für ihre Studie rekrutiert.

Die meisten Fachleute schätzen jedoch die persönliche Schutzwirkung gegen eine Infektion durch eine OP-Maske geringer ein als durch eine FFP2-Maske. Dean Blumberg, MD, Chef der pädiatrischen Infektiologie am UC Davis Children's Hospital in Kalifornien, sagte in einem Vortrag, dass die chirurgischen Masken den Träger nur zu 65% vor einer Virusinfektion schützen können (Medscape berichtete)

Eine gut sitzende N95-Maske/FFP2 blockiert dagegen 99,8% des Gesamtvirus und 99,6% des infektiösen Virus. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher um Dr. John D. Noti von den CDC. Sie hatten Laborexperimente mit Influenza-haltigen Aerosolen durchgeführt.

Allerdings: Der Schutz ist immer nur gewährleitstet, wenn die Masken gut und dicht sitzen. Schlecht angepasste FFP2-Masken, die an der Wange oder am Nasenrücken nicht eng anliegen, verringerten die Partikel-Exposition nur noch um 64,5% bzw. 66,5%.

Werden FFP2-Masken also von der breiten Bevölkerung angewendet, ist die Wahrscheinlichkeit einer unzureichenden Passform, etwa bei Barträgern, relativ hoch. Virus-Aerosole strömen dann verstärkt an den undichten Stellen ein. Ein eventueller Vorteil einer FFP2 Maske gegenüber einer gut sitzenden chirurgischen Maske wäre nicht mehr gegeben.

Eine weitere Übersicht von Medscape zu verschiedenen Maskenformen finden Sie auch hier .

Qualität: Woran sind gute FFP2-Masken zu erkennen?

Textile One, ein Hersteller von Schutzbekleidung, hat Tipps zusammengestellt, worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten:

  • Zwar gelingt es nur in Messlabors, die Filterleistung zu beurteilen. Schlechte Atemschutzmasken sind aber oft recht instabil. Sie lassen sich mit geringem Kraftaufwand zerreißen.

  • Hochwertige FFP2-Masken tragen auf der Verpackung ein CE-Kennzeichen und eine Seriennummer des Herstellers, das Jahr der Veröffentlichung der Europäischen Norm und eine Kennzahl für die Prüfstelle. Händler sollten diese Informationen griffbereit haben.

  • Um Träger zu schützen, sollten Masken dicht anliegen und über Gummibänder fixiert werden.

  • Hochwertige Exemplare sind geruchsneutral und reizen die Haut nicht.

  • Selbsttest: Mit guten, perfekt sitzenden FFP2-Masken gelingt es nicht, eine Kerze auszupusten. Der Test allein ist jedoch umstritten.

Warum sind Masken trotz der SARS-CoV-2-Impfungen wichtig?

Brauchen wir die Masken weiterhin, wenn die Bevölkerung immer mehr geimpft ist? „Masken und soziale Distanzierung müssen dennoch in absehbarer Zeit eingesetzt werden – bis wir ein gewisses Maß an Herdenimmunität haben“, sagt Dr. Preeti Malani, Chief Health Officer an der University of Michigan. Experten nennen dafür mehrere Gründe:

  • Kein Impfstoff ist zu 100% wirksam. In großen klinischen Studien, etwa von Moderna oder Pfizer-BioNTech, schützen mRNA-Vakzine etwa 95% aller Probanden. Unter Real-World-Bedingungen werden solche Werte wahrscheinlich nicht erreicht.

  • Um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen, werden 2 Dosen im Abstand von 3 Wochen (BioNTech) bzw. 4 Wochen (Moderna) verabreicht. Erst einige Wochen danach ist der maximale Schutz aufgebaut. Die Immunreaktion setzt erst zeitverzögert ein.

  • Ob COVID-19-Vakzine auch die Weitergabe der Viren verhindern, ist nach wie vor unklar. Von anderen Vakzinen kennt man 2 unterschiedliche Schutzstufen. Der Masernimpfstoff beispielsweise verhindert, dass geimpfte Menschen Viren verbreiten. Andere Vakzine, Grippe eingeschlossen, verhindern zwar schwere Erkrankungen, aber nicht die Ausscheidung von Viren.  

  • Wahrscheinlich können nicht alle Menschen gegen COVID-19 geimpft werden. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, mit aktiven Krebserkrankungen oder mit allergischer Reaktion auf Inhaltsstoffe der Vakzine ist dies riskant. Sie sollten (in den nächsten Monaten oder auch länger) weiterhin FFP2-Masken tragen.

Weltweit zirkulieren mehrere Mutationen von SARS-CoV-2, die nach jetzigem Wissensstand mindestens um 50% kontagiöser sind als der 1. Serotyp. Ob die verfügbaren Impfstoffe  gegen alle diese Varianten schützen, ist ebenfalls noch Thema der Forschung. FFP2-Masken vermindern das Risiko, sich anzustecken, unabhängig davon, welche Erregervariante zirkuliert.

Wie lange sollte man die Masken maximal tragen?

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat in ihrer Regel „Benutzung von Atemschutzgeräten“ Details zur Anwendung von FFP2-Masken festgelegt. Ähnliche Empfehlungen kommen von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Als maximale Tragezeit werden längstens 2 Stunden mit anschließender Mindesterholungsdauer von 30 Minuten für Masken mit Atemventil genannt. Bei einer FFP-Maske ohne Ausatemventil beträgt die maximale Tragezeit längstens 75 Minuten mit anschließender Mindesterholungsdauer von 30 Minuten. Wenn die Maske feucht wird, sollte man sie gegen eine andere austauschen. Wenn man angehustet wurde, ist es besser diese direkt zu entsorgen.

Der Begriff „Mindesterholungsdauer“ bezieht sich auf Tätigkeiten ohne FFP2-Maske, nicht auf Pausen. Wer im Krankenhaus Bereiche mit infektiösen Patienten verlässt, wird ohnehin die Maske entsorgen. Für Privatpersonen gibt es keine klaren Empfehlungen.

Können Masken gereinigt und wiederverwertet werden?

FFP2-Masken sind eigentlich medizinische Einmal-Artikel. Wissenschaftler der Fachhochschule Münster gingen trotzdem der Frage nach, ob eine Wiederverwertung gelingen kann. Im medizinischen Bereich raten sie davon ab, denn die Kontamination ist möglicherweise zu hoch. Wer FFP2-Masken privat nur im Geschäft oder in öffentlichen Verkehrsmitteln nutzt, kann sie aber desinfizieren und erneut verwenden.

Aber ganz einfach ist dies nicht: „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass SARS-CoV-2 auf und in FFP2-Masken bei 70°C nach über einer Stunde noch infektiös bleibt“, schreiben die Forscher. „Erst bei 80°C trockener Hitze sind nach 60 Minuten keine infektiösen SARS-CoV-2 nachweisbar.“ Zu stark erhitzt dürfen die Masken auch nicht werden: Über 105°C drohe die Gefahr, dass es zu Materialschäden komme.

Zur Desinfektion eignen sich normale Backöfen, idealerweise mit Ober- und Unterhitze. Die Temperatur sollte über ein Thermometer überprüft werden, denn viele Geräte haben am Regler nur ungenaue Einstellungen.

Als Alternative empfehlen die Wissenschaftler, Masken eine Woche bei Raumtemperatur aufzuhängen. „Unter der Annahme, dass eine Reduktion um über 95% das mögliche Risiko einer Infektion auf ein vertretbares Maß minimiert, sollten FFP2-Masken dann frühestens ab dem siebten Tag wieder getragen werden“, schreiben sie.

Und so könnte man dies in die Praxis umsetzten: Man reserviert sich für jeden Wochentag eine Maske und verteilt sie auf 7 Wandhaken. Die Montagsmaske kann dann bis zum nächsten Montag wieder eine Woche trocknen. In dieser Zeit sollten  Kontaminationen auf ein sicheres Maß reduziert sein. Die Experten raten aber, diesen „Trockenzyklus“ nur 5 Mal zu wiederholen.

 

Lassen sich abgelaufene FFP2-Masken noch verwenden?

Aus den USA kommt ein Tipp speziell für Klinken. Dr. Emily E. Sickbert-Bennett von UNC Health Care, Chapel Hill, und Kollegen, haben untersucht, ob sich originalverpackte, aber laut Mindesthaltbarkeit schon abgelaufene Filtrationsmasken noch verwenden lassen. Nach einer Sterilisation mit Ethylenoxid und Wasserstoffperoxid hatten die Masken unverändert eine Filtrationseffizienz von 95%. Vor allem bei Lieferengpässen sei diese Aufarbeitung eine Option, heißt es im Artikel.

Welche unerwünschten Effekte zeigen Masken?

Die Sicherheit hat ihren Preis. Dr. Caitlin M. Dugdale und Dr. Rochelle P. Walensky vom Massachusetts General Hospital, Boston, fassen in JAMA Internal Medicine den Tragekomfort so zusammen. „In der Praxis sind N95-Masken bei richtigem Tragen erstickend, unbequem und über lange Zeiträume schwer zu tolerieren“, schreiben sie.

Textile One verweist vor allem auf Hautreizungen durch qualitativ minderwertige Masken. Wer sie länger verwendet, muss auch mit Druckstellen rechnen.

Dr. José María Ramirez-Moreno von der Universidad de Extremadura Facultad de Medicina im spanischen Badajoz berichtet zusammen mit Kollegen in einer Studie über Kopfschmerzen bei Maskenträgern im medizinischen Umfeld.

Für die Querschnittsstudie wurden 306 Teilnehmer (79,7% Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren rekrutiert. Unter ihnen befanden sich 129 (42,2%) Ärzte und 112 (36,6%) Pflegekräfte. 208 (79,7%) verwendeten chirurgische Masken, und 53 (20,3%) nutzten Filtermasken. Von allen Befragten berichteten 158 (51,6%) über neu aufgetretene Kopfschmerzen. Je nach Art der verwendeten Maske gab es Unterschiede hinsichtlich der Intensität der Beschwerden, wobei Filtermasken deutlich schlechter abschnitten.

Angesichts der Tatsache, dass die Verwendung von Gesichtsmasken mittlerweile weit verbreitet sei, sei es wichtig, Präventions- und Schutzstrategien zu fördern, um die Sicherheit von Mitarbeitern zu gewährleisten, so die Autoren.
 

Kommentar

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