Immer öfter resistenter Hautpilz: Gängiges Antimykotikum verliert zunehmend Wirksamkeit – das sind die Alternativen

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

18. Januar 2021

Bei Patienten mit Dermatomykosen am Rumpf und an den Extremitäten sind in den vergangenen beiden Jahren Terbinafin-resistente Stämme von Trichophyton mentagrophytes in Deutschland so häufig wie nie zuvor isoliert worden. Deren Nachweis ist hierzulande zwar noch immer vergleichsweise selten. Eine neue Studie deutet aber darauf hin, dass die aktuell festgestellte Zunahme vermutlich nur die Spitze eines Eisbergs ist. Das berichten Prof. Dr. Pietro Nenoff vom Labor für Medizinische Mikrobiologie, Rötha, und Kollegen im Journal of Fungi  [1].

Weltweite Verbreitung von Trichophyton-Spezies

In bestimmten Regionen der Welt, darunter in Indien und im Nahen Osten, werden chronische Dermatophytosen am Rumpf (Tinea corporis), an den Extremitäten (Tinea cruris) oder im unbehaarten Teil des Gesichts (Tinea faciei) zunehmend durch Trichophyton-Spezies ausgelöst. Speziell in Indien tritt T. mentagrophytes immer dominanter gegenüber anderen Dermatophyten wie T. rubrum, T. interdigitale, Microsporum oder Candida-Spezies auf. Außerdem findet man gehäuft Terbinafin-resistente T. mentagrophytes-Stämme.

Terbinafin gehört zusammen mit Fluconazol und Itraconazol zu den häufigsten Antimykotika, und zwar als topisches und auch als systemisches Medikament. Vor einigen Jahren sind in Europa – in Deutschland erstmals 2016 – Terbinafin-resistente T. mentagrophytes-Typ-VIII-Stämme isoliert worden. Manche Patienten waren zuvor in asiatischen Ländern mit hoher Prävalenz, andere sind nach Deutschland immigriert.

In einer bundesweiten Studienkooperation von Hautarztpraxen mit Universitätskliniken sind T. mentagrophytes-Isolate gesammelt und auf die für die für Terbanifin-Resistenz typischen genetischen Veränderungen hin untersucht worden.

Design und Ergebnisse der Studie

Nenoff und Kollegen haben Isolate aus den Jahren 2016 bis 2020, meist aus 2019 und 2020, auf verschiedene Trichophyton-Spezies und auf andere infrage kommenden Dermatophyten hin analysiert. Dazu wurden alle Proben unter anderem auf Terbinafin-haltigem Agar kultiviert. Im Falle einer Resistenz bestimmten Forscher auch die minimalen Hemmkonzentrationen (MIC) und suchten per PCR nach Resistenzmutationen.

Zu den Ergebnissen: 29 Patienten aus allen Teilen Deutschlands hatten eine Dermatophytose durch T. mentagrophytes vom Genotyp VIII (India), darunter mehrere Kinder. Sie litten meist an Tinea corporis, Tinea cruris und/oder Tinea faciei. Betroffene waren deutsche Staatsangehörige, hatten aber – bis auf 2 Patienten – ihren familiären Hintergrund in Indien (11 Patienten), Pakistan, Bangladesch, Libyen oder im Irak.

13 von 29 untersuchten T. mentagrophytes-Stämmen (45%) waren gegen Terbinafin resistent mit MICs von ≥ 0,2 μg/ml, und 3 Isolate zusätzlich resistent gegenüber Itraconazol und Voriconazol. Bei 16 Stämmen (55 %) dokumentierten die Forscher eine Terbinafin-Sensibilität.

Bei Mykosen aufgrund von Terbinafin-resistenten Stämme setzten Dermatologen topisches Ciclopirox plus topisches Miconazol oder Sertaconazol ein. Orales Itraconazol zeigte innerhalb von 4-8 Wochen gute Effekte.

Terbinafin-Resistenzen häufiger als vermutet

Zu den in dieser Studie untersuchten Terbinafin-resistenten Stämmen von T. mentagrophytes Typ VIII gehören den Autoren zufolge die ersten in Deutschland überhaupt berichteten Fälle von Dermatomykosen durch diesen Erreger. Das war im Jahr 2016. Sie würden seither zunehmend isoliert, und die Eintragungen über Asienreisende sollten in Deutschland und Europa als wichtiges, die Gesundheit gefährdendes Problem wahrgenommen werden.

Vermutlich werde die Prävalenz unterschätzt. Bei Nicht-Ansprechen auf Terbinafin sollte an eine Terbinafin-Resistenz gedacht werden. Auch in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz, Polen, Estland und Finnland gab es entsprechende Isolate. Die Surveillance auf Mykosen durch diese Erreger sollte nach Meinung der Autoren europaweit intensiviert werden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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