Ohne Nachteil für die Mutter, gut fürs Kind: Antibiose bei Sectio erst nach Abnabelung erhöht Infektionsrisiko nicht

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

18. Januar 2021

Für Mütter, die per Kaiserschnitt entbinden, besteht kein höheres Infektionsrisiko, wenn die Antibiotika-Prophylaxe nicht vor, sondern nach der Abnabelung erfolgt. Stattdessen wirke sich dies positiv auf das Mikrobiom des Neugeborenen aus. Das geht aus einer Schweizer Studie hervor, die jüngst in Antimicrob Resist Infect Control erschienen ist [1].

„Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der Studienergebnisse die gängige Praxis der Antibiotikaprophylaxe beim Kaiserschnitt künftig weltweit angepasst werden wird“, resümiert Prof. Dr. Daniel Surbek, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Universitätsspital Bern.

 
Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der Studienergebnisse die gängige Praxis der Antibiotikaprophylaxe beim Kaiserschnitt künftig weltweit angepasst werden wird. Prof. Dr. Daniel Surbek
 

Bislang empfehlen internationale Leitlinien, darunter auch die der WHO, der Mutter bei einer Kaiserschnittgeburt vor dem Schnitt Antibiotika zum Schutz vor postoperativen Wundinfektionen zu verabreichen. Der große Nachteil sei eine mögliche Beeinträchtigung des Mikrobioms im Darm des Neugeborenen, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.

Kein höheres Infektionsrisiko durch spätere Antibiotika-Gabe

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Universitätsspitals Bern hat in 75 Krankenhäusern der Schweiz zwischen 2009 und 2018 insgesamt 55.901 Kaiserschnitte ausgewertet. Untersucht wurde die Beziehung zwischen dem Zeitpunkt der antimikrobiellen Prophylaxe vor dem Schnitt bis zur Abnabelung und dem Eintreten einer Infektion in Bereich des Bauchschnittes. Verglichen wurden 26.405 Eingriffe mit Antibiotikagabe vor der Inzision und 29.496 Eingriffen mit Antibiotika-Prophylaxe nach der Abnabelung.

 
Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Methoden festgestellt werden. Dr. Rami Sommerstein
 

Den Angaben der Forscher zufolge wurden insgesamt 846 Wundinfektionen festgestellt. Davon ereigneten sich 379 (1,6%) bei Frauen, denen das Antibiotikum vor dem Kaiserschnitt verabreicht wurde und 449 (1,7%) bei jenen, die es nach der Sectio bekamen. „Es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Methoden festgestellt werden“, wird Erstautor Dr. Rami Sommerstein zitiert.

Weitreichende Auswirkungen auf die Praxis der Sectio

Der Schutz der Darmflora des Neugeborenen ist von größter Bedeutung für zahlreiche Aspekte seiner Entwicklung. So kann eine Beeinträchtigung des Mikrobioms durch Antibiotikagabe vor der Abnabelung des Neugeborenen Auswirkungen auf die Entwicklung des Immunsystems oder auf die Hirnentwicklung haben. Aufgrund der Forschungsergebnisse werde es möglich, dieses Risiko erheblich zu vermindern, meinen die Autoren.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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