COVID-19-Impfung: DGG fordert sie auch für Hochbetagte in Reha – laut PEI sind Allergien keine Kontraindikation

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

11. Januar 2021

Hochaltrige Patienten in Rehabilitationseinrichtungen und akutgeriatrischen Versorgungseinheiten sowie das dort tätige Personal sollen neben Altenpflegeheimen ebenfalls höchste Priorität bei der COVID-19-Impfung erhalten. Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in einer aktuellen Mitteilung [1].

Außerdem: Menschen mit allergischen Erkrankungen haben nach der aktuellen Datenlage generell kein höheres Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bei Impfung mit dem BioNTech/Pfizer Impfstoff Comirnaty. Zu diesem Schluss kommen Experten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). Daher sehe die Zulassung der Europäischen Kommission bei bekannten Allergien gegenüber Lebensmitteln und Medikamenten keine Kontraindikation gegen die Impfung vor, teilte das PEI in einem Positionspapier mit [2].

Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen und Akutgeriatrien gehören in die erste Reihe

Ältere, multimorbide Menschen und deren Umfeld haben laut Impfverordnung bei der flächendeckenden Impfung SARS-CoV-2 absoluten Vorrang. So werden seit dem 27. Dezember 2020 Senioren ab 80 Jahren, Alten- und Pflegeheimbewohner und bestimmtes Personal mit sehr hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und Altenheimen zuerst geimpft. „Doch die Pläne der Politik sind lückenhaft“, wird DGG-Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner zitiert.

Der Chefarzt der Klinik für Geriatrie am HELIOS Klinikum Schwelm mahnt, die hochaltrigen Patienten in den Rehabilitationseinrichtungen und akutgeriatrischen Versorgungseinheiten sowie das dort tätige Personal nicht zu vergessen. „Unter die in der Rechtsverordnung genannten stationären Einrichtungen fallen nicht nur die Seniorenheime. Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen und akutgeriatrische Versorgungseinheiten – die im Übrigen auch einen wesentlichen Beitrag in der Pandemiebekämpfung leisten – gehören sehr wohl in die erste Reihe der Priorisierung bei der Impfung gegen SARS-CoV-2“, fordert Heppner.

Es könne nicht sein, dass derzeit keine Vorbereitungen getroffen werden, um in den Kliniken diese gefährdeten Patienten zu impfen, bevor sie nach Hause, in die häusliche oder stationäre Pflege entlassen werden, heißt es aus der Fachgesellschaft. Gleiches gelte für Patienten, die aus der Klinik heraus in geriatrische Rehabilitationseinrichtungen verlegt würden. Hier müsse über die jeweiligen Kliniken sowohl die Erst- als auch die Folgeimpfung sichergestellt werden – was aber derzeit nicht in den Plänen der Regierung stehe.

 
Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen und akutgeriatrische Versorgungseinheiten … gehören sehr wohl in die erste Reihe der Priorisierung bei der Impfung gegen SARS-CoV-2. Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner
 

Für den Entwurf der STIKO-Empfehlung und den daran angelehnten Referentenentwurf der Politik hatte die DGG bereits Empfehlungen und Ergänzungen ausgesprochen, die im Großen und Ganzen auch berücksichtigt wurden. „Als DGG konnten wir überaus wichtige Empfehlungen einbringen und uns für die priorisierte Impfung von geriatrischen Patienten und deren Umfeld einsetzen“, so Heppner. Was dabei vergessen wurde, müsse entsprechend noch unbedingt und sofort verändert werden.

Verunsicherung unter den Allergikern in Deutschland

Bereits in den ersten Tagen der Impfkampagne mit dem RNA-basierten Impfstoff in Großbritannien traten 2 schwerwiegende, laut PEI „mutmaßlich allergische Unverträglichkeitsreaktionen“ auf. Sie führten in UK zu der behördlichen Empfehlung, Personen, bei denen in der Vergangenheit eine schwere allergische Reaktion gegen einen Impfstoff, ein Medikament oder ein Lebensmittel aufgetreten war, den Impfstoff nicht zu verabreichen.

Von den Zulassungsstudien waren Personen mit einer schweren unerwünschten Reaktion im Zusammenhang mit einem Impfstoff in der Vorgeschichte und/oder einer bekannten schweren allergischen Reaktion auf einen Inhaltsstoff von Comirnaty®, der BioNTech/Pfizer-Vakzine, ausgeschlossen. Seitdem sind auch viele der 24 Millionen Allergiker in Deutschland verunsichert. Deutsche Allergie-Gesellschaften nahmen daher kürzlich Stellung zu schweren allergischen Reaktionen auf die BioNTech/Pfizer-Vakzine [3].

Polyethylenglykol(PEG)-haltige Nanopartikel als mögliche Auslöser

Als mögliche Auslöser für die schweren allergischen Reaktionen könnten den Experten zufolge der Wirkstoff oder Hilfsstoffe der Vakzine in Frage kommen. Dazu gehören die PEG (Polyethylenglykol)-haltigen Nanopartikel, in denen der Wirkstoff verpackt ist. Sie ähneln den bereits seit vielen Jahren pharmazeutisch eingesetzten Liposomen, die als Träger für Arzneistoffe dienen. Pseudoallergische (nicht-IgE-vermittelte) Reaktionen auf Liposomen, die von der klinischen Erscheinungsform aussehen wie allergische Reaktionen, jedoch einem anderen Mechanismus folgen, seien laut PEI bereits bei anderen PEG-haltigen Arzneimitteln bekannt.

Empfehlung von PEI und EMA

Personen, die eine bekannte Allergie auf Inhaltsstoffe des COVID-19-Impfstoffs haben, sollten nicht geimpft werden. Grundsätzlich könnten sich aber auch Allergiker gegen SARS-CoV-2 impfen lassen, heißt es im Positionspapier. Sei es jedoch zu einer allergischen Reaktion auf die 1. Dosis gekommen, sollte die 2. Impfdosis nicht verabreicht werden.

Grundsätzlich sollte PEI und EMA zufolge jede Person entsprechend der europäischen Fachinformation nach der Impfung mindestens 15 Minuten beobachtet werden. Für den Fall einer schweren (pseudo)allergischen Reaktion wie einer Anaphylaxie sollte immer eine angemessene medizinische Behandlung bereitstehen [4].

Diese Artikel sind im Original erschienen auf Univadis.de und Univadis.de.

 

Kommentar

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