Nun auch Phase-3-Daten zum mRNA-Impfstoff von Moderna publiziert: 94% Effektivität – aber noch bleiben Fragen offen

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

4. Januar 2021

Der mRNA-Impfstoff des Unternehmens Moderna zur Prävention von COVID-19 hat sich in einer kontrollierten Phase-3-Studie als sehr wirksam erwiesen: Die Effektivität hat deutlich über 90% gelegen. Darüber hinaus traten in der noch weiter laufenden Studie bislang keine schweren systemischen Komplikationen auf. Die COVE Studiengruppe hat ihre Ergebnisse aktuell im New England Journal of Medicine publiziert [1].

Ein wirksamer und zugleich sicherer Impfstoff gilt als eine zentrale Säule, um die Pandemie mit SARS-CoV-2 einzudämmen. Unter den vielen Impfstoffen, die entwickelt, erprobt und zum Teil bereits auch bereits appliziert werden, sind die mRNA-Impfstoffe wie die des deutschen Unternehmens Biontech und des US-Unternehmens Moderna eine Besonderheit. Denn solche mRNA-Vakzine sind ein Novum; niemals zuvor wurden bislang Impfstoffe mit diesem Wirkprinzip zugelassen und eingesetzt.

Beide mRNA-Impfstoffe sind sich ähnlich: Beide kodieren für das SARS-CoV-2-Spikeglykoprotein (S-2P) in voller Länge. Außerdem ist die mRNA in beiden Vakzinen in Lipid-Nanopartikel eingekapselt. Mit der aktuellen NEJM-Publikation zur Vakzine von Moderna, die anders als der Impfstoff von Biontech noch nicht in der EU zugelassen ist (die EMA will ihre Entscheidung dazu in den kommenden Tagen verkünden), sind nun zu beiden mRNA-Impfstoffen zulassungsrelevante Phase-3-Daten öffentlich zugänglich.

Voraussetzung für eine Zulassung von COVID-19-Impfstoffen sind in den USA ein medianes Follow-up von mindestens 2 Monaten nach der letzten Impfdosis und in der EU Sicherheitsdaten für mindestens 6 Wochen nach Immunisierung.

Über 30.000 Probanden

In die nun publizierte randomisierte und Placebo-kontrollierte Multicenterstudie wurden in den USA 30.420 Probanden aufgenommen (Männer-Anteil 53%, Frauen-Anteil 47%). Das Durchschnittsalter betrug 51 Jahre (18 bis 95 Jahre), der Body-Mass-Index (BMI) im Mittel 29 kg/m². Je knapp 5% der Probanden hatten eine chronische Lungenkrankheit oder schwere kardiale Erkrankung, fast 7% waren stark übergewichtig und knapp 10% Diabetiker. Ausgeschlossen waren Schwangere und Kinder.

Die Probanden erhielten im Verhältnis von 1 zu 1 und in einem Abstand von 28 Tagen entweder 2 intramuskuläre Injektionen des mRNA-Impfstoffes oder 2 Injektionen eines Placebo-Impfstoffes (Kochsalz). Primärer Endpunkt war die Prävention von COVID-19 mit einem Symptom-Beginn mindestens 14 Tage nach der 2. Injektion.

94% Effektivität

Eine symptomatische Erkrankung wurde bei 185 Probanden der Placebo-Gruppe (56,5 pro 1.000 Personenjahre, 95% Konfidenzintervall [KI] 48,7-65,3) festgestellt und bei 11 Probanden der Verum-Gruppe (3,3 pro 1.000 Personenjahre; 95% KI 1,7-6,0). Die Effektivität betrug damit 94,1% (95% KI 89,3-96,8%; p<0,001).

Die Wirksamkeit erwies sich in sekundären Analysen als ähnlich gut, auch schon etwa 14 Tage nach der 1. Injektion, sowie bei einer Probanden-Population, zu der auch Personen gehörten, die zu Beginn Hinweise auf eine SARS-CoV-2-Infektion hatten, und auch bei mindestens 65-jährigen Probanden mit erhöhtem Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf (Effektivität 86,4%). 

Lokale Reaktionen nach der 1. wie nach der 2. Injektion waren in der Gruppe mit dem mRNA-Impfstoff deutlich häufiger als in der Placebo-Gruppe (84,2 und 88,6% versus 19,8 und 18,8%); es handelte sich zumeist um leichte Reaktionen von kurzer Dauer. Häufigste lokale Reaktion war Schmerz (86%).

Systemische Reaktionen (Fieber, Müdigkeit, Myalgien, Arthralgien, Übelkeit und Kopfschmerzen) waren ebenfalls in der mRNA-Gruppe häufiger (54,9 und 79,4% versus 44,2 und 36,5%); im Mittel hielten die Symptome knapp 3 Tage an. 

Einen schweren Krankheitsverlauf der Corona-Erkrankung hatten 30 Probanden; einer von ihnen starb; alle 30 Probanden gehörten zur Placebo-Gruppe. 

Es gab keine Hinweise auf eine durch die Impfung hervorgerufene verstärkte respiratorische Erkrankung (ERD: enhanced respiratory disease).

Noch offene Fragen

Der Impfstoff hat sich in dieser Studie zum einen als sehr effektiv und zum anderen auch als sicher erwiesen. Die Ergebnisse entsprechen im Großen und Ganzen denen, die mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer erzielt wurden. Beide Impfstoffe werden auch bereits eingesetzt; in Deutschland bislang allerdings nur die Vakzine von Biontech/Pfizer, da die EU-Zulassung für den Moderna-Impfstoff noch fehlt. Sie wird allerdings für die kommenden Tage erwartet. 

Eingeschränkt wird die Studie durch die Kürze der Beobachtungszeit zur Sicherheit und Wirksamkeit. Darüber hinaus liefert die Studie keine ausreichenden Daten zur Prävention asymptomatischer oder subklinisch verlaufender Infektionen. Zudem geht aus den publizierten Daten nicht hervor, wie die Vakzine bei über 70 oder 80 Jahre alten Menschen wirkt. 

Aufgrund der Pandemie-bedingt sehr raschen Entwicklung des Impfstoffes gibt es außerdem noch einige grundsätzlich zu klärende Fragen. Unklar ist unter anderem noch, ob eine Impfung auch eine Übertragbarkeit des Virus verhindert. Wie lange der Impfschutz anhält, ist eine weitere Frage, die noch zu klären ist.

Darüber hinaus sind weitere Daten zum Risiko für allergische Reaktionen auf mRNA-Vakzine notwendig. Solche Reaktionen wurden außerhalb der klinischen Studien zunächst bei einigen wenigen Personen beobachtet, die den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten hatten; inzwischen wurden allergische Reaktionen auch nach Impfung mit dem Moderna-Impfstoff beobachtet. Als Allergen wird Polyethylenglykol vermutet.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....