Rund 10.000 Ärzte möchten die Impfungen gegen SARS-CoV-2 unterstützen – das sind die Konditionen

Christian Beneker

Interessenkonflikte

23. Dezember 2020

Tausende von Ärztinnen und Ärzten sind dem Aufruf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefolgt und haben sich zur Mithilfe beim Impfen der Bevölkerung gegen das Corona-Virus bereit erklärt. „Wir brauchen eine hohe Impfbereitschaft, und wir brauchen große Unterstützung von allen im Gesundheitssektor Tätigen“, hatte Spahn am 5. Dezember in einem Life-Stream des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) gesagt. 

 
Wir brauchen eine hohe Impfbereitschaft, und wir brauchen große Unterstützung von allen im Gesundheitssektor Tätigen. Jens Spahn
 

Einer Umfrage der Funke Mediengruppe bei den Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder zufolge wollen rund 10.000 Ärzte in den Impfzentren helfen und die Arbeit bei den mobilen Teams unterstützen, so die deutsche Presseagentur (dpa). Auch die Honorare sind inzwischen verhandelt und vielerorts die Haftungsfragen geklärt.

In Niedersachsen etwa haben sich rund 2.400 Ärztinnen und Ärzte gemeldet, um in den 50 Impfzentren des Landes die Arbeit zu unterstützen. 600 bis 700 von ihnen kommen aus den Krankenhäusern des Landes oder sind Ruheständler, berichtet KVN-Sprecher Detlef Haffke. Die übrigen sind niedergelassene Ärzte, der Schwerpunkt liege bei den Hausärzten, so Haffke.

Sie alle erhalten für ihren Dienst einen Stundenlohn von 150 Euro. Das geht aus dem Rahmenvertrag hervor, den die KV Niedersachsen und das Land geschlossen haben, teilt die KVN mit: „Für die ärztliche Tätigkeit im Impfzentrum ist eine Vergütung in Höhe von 37,50 Euro für eine Zeiteinheit von 15 Minuten vorgesehen, umgerechnet auf eine Stunde damit 150 Euro.“ Die Vergütung der Ärztinnen und Ärzte erfolgt über die KVN.

Zum Teil stellen sich ganze Teams zur Verfügung

Im kleinsten Bundesland, in Bremen, haben sich 440 Ärztinnen und Ärzte gemeldet. Sie erhalten für ihren Dienst in einem der beiden Impfzentren 120 Euro in der Stunde.

Auch in Thüringen stellte die KV eine große Resonanz auf den Aufruf zur Mithilfe in den 29 regionalen Impfstellen und den 10 mobilen Teams fest. „Wir haben mehr als 900 Interessierte“, sagt Veit Malolepsky, Sprecher der KVT, zu Medscape. „Zum Teil sind es ganze Teams aus den Praxen oder Ärzte plus impfberechtigter Praxismitarbeiter.“ Die Ärzte erhalten 175 Euro pro Stunde und die übrigen Teammitglieder 50 Euro.

Hamburg zählt 140 Ärztinnen und Ärzte, die beim Impfen unterstützen wollen, in Bayern sind es mehr als 6.000, so die KV Bayern.

Die Resonanz ist enorm. Meistens haben sich sogar zu viele Ärzte gemeldet. Die Dienstpläne für die Impfschichten sind vielerorts langfristig noch nicht geschrieben. Die bereitwilligen Kollegen brauchen also Geduld und die Bereitschaft für kurzfristige Einsätze. „Das bedeutet aber auch, dass wir von Seiten der KVB aktuell nicht alle Rückmeldungen der über 6.000 impfwilligen Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen können“, erklärt etwa die KV Bayern. „Wir werden aber sukzessive den Kreis der beteiligten Ärztinnen und Ärzte in dem Maße ausweiten, wie die zu besetzenden Schichten in den Impfzentren und mobilen Impfteams zunehmen.“

Haftungsfragen meist geklärt

Auch die Haftungsfragen sind inzwischen vielerorts geklärt. In Niedersachsen gilt zwischen dem Land und der KVN die Staatshaftung. „Für Tätigkeit im Impfzentrum wird von der KVN eine Gruppen-Haftpflichtversicherung abgeschlossen, so dass die Ärztinnen und Ärzte für ihre Tätigkeit im Impfzentrum haftpflichtversichert sind“, so die KVN.

In Bayern schließe die KV im Zweifel eine Berufs-Haftpflichtversicherung für die beteiligten Ärztinnen und Ärzte ab, erklärt Michael Stahn, Sprecher der KV Bayern. „Für die Einsätze in den Impfstellen und bei den Impfteams gilt im Grundsatz die Staatshaftung“, erklärt auch der Sprecher der KVT, Malolepsky.

„Schlüssel aus der Pandemie heraus“

„Die Bereitschaft der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist hoch, sich an den bevorstehenden Corona-Schutzimpfungen zu beteiligen“, resümierte Stephan Hofmeister, Vize der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. 

 
Die Bereitschaft der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist hoch, sich an den bevorstehenden Corona-Schutzimpfungen zu beteiligen. Stephan Hofmeister
 

Unterdessen kündigte Spahn die „ersten Impfungen noch in diesem Jahr“ an. Der Schwerpunkt solle ab dem 27. Dezember auf den Alten- und Pflegeheimen liegen. Zuerst werden also besonders die mobilen Impfteams gefragt sein, so das BGM.

Am 21. Dezember hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA wie berichtet grünes Licht gegeben für den Einsatz des COVID-19-Impfstoffs von BioNTech und Pfizer. Die EU-Kommission hat daraufhin die Zulassung erteilt. Anschließend folgt die Freigabe der Impfstoff-Chargen durch das Paul-Ehrlich-Institut. Erst dann kann BioNTech den Impfstoff an die 27 Anlieferungszentren der Länder ausliefern. Danach liegt es in der Hand der Länder, den Impfstoff an ihre regionalen Zentren zu verteilen und mit der Impfung zu beginnen.

Die Bundesregierung habe sich vertraglich 300 Millionen Impfdosen gesichert. Die dafür nötigen Investitionen seien „gut angelegtes Geld in die Zukunft“, die nun ihren Schrecken verliere, so der Bundesgesundheitsminister. Es bestehe „Anlass für Zuversicht“, sagte Spahn am Dienstag auf einer Pressekonferenz, die Impfstoffe seien der „Schlüssel aus der Pandemie heraus“.

 

Kommentar

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