MEINUNG

Synkopen-Abklärung: Studie liefert „eindeutige Ergebnisse“, welche Patienten von einem CLS-Herzschrittmacher profitieren 

PD Dr. Nikolaus Sarafoff

Interessenkonflikte

22. Februar 2021

Reflexsynkope und Asystolie bei Kipptischuntersuchung: Welchen Patienten kann ein CLS-Herzschrittmacher helfen? PD Dr. Nikolaus Sarafoff stellt die „eindeutigen Ergebnisse“ vor.

Transkript des Videos:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mein Name ist Nikolaus Sarafoff und ich bin Kardiologe in München.

Ich möchte heute eine randomisierte Studie zum Stellenwert der Kipptischuntersuchung bei der Synkopen-Abklärung vorstellen. Die Arbeit wurde gerade im European Heart Journal publiziert.

Jeder 2. Mensch wird in seinem Leben einmal ohnmächtig, meist verursacht durch einen vasovagalen Reflex. Bei jüngeren Menschen ist dies meist ungefährlich. Bei älteren Menschen können diese Synkopen sehr beeinträchtigend sein.

Es gibt keine klare Datenlage zu der Frage, ob Patienten nach pathologischer Kipptischuntersuchung von einem Herzschrittmacher profitieren. Closed-Loop-Stimulation-Schrittmacher (CLS) können die rechtsventrikuläre Impedanz messen.

Es hat sich gezeigt, dass diese Schrittmacher in der Lage sind, bei einer durch den Kipptisch induzierten Asystolie, schnell das Herz zu stimulieren. Dadurch bleibt der kardiale Output zum Teil erhalten und verhindert oder verzögert die kardio-inhibitorische, vasovagale Synkope trotz einer vasodepressorischen Komponente.

Studiendesign

In der vorliegenden Studie wurden an 23 Zentren von 2015 bis 2020 insgesamt 127 Patienten randomisiert. Diese waren über 40 Jahre alt, hatten im vorangegangenen Jahr mindestens 2 schwere Reflexsynkopen und bei der Kipptischuntersuchung eine Synkope mit einer Asystolie von mindestens 3 Sekunden.

Die Kipptischuntersuchung wurde nach dem italienischen Protokoll durchgeführt: mit einer passiven Phase und einer darauffolgenden Nitrogabe wenn in der passiven Phase keine Synkope erfolgte.

Die eingeschlossenen Patienten erhielten einen Zweikammerschrittmacher mit CLS Funktion der Firma Biotronik, die auch diese Studie finanziert hat. Die Patienten wurden in eine „pacing ON“ und eine „pacing OFF“ Gruppe randomisiert.

In der „pacing ON“ Gruppe erhielten die Patienten eine DDD-CLS Programmierung mit einer Grundfrequenz von 50/min und einer CLS Stimulataionsfrequenz von 120/min. In der „pacing OFF“ Gruppe wurde der ODO Modus programmiert, d.h. es erfolgte ein Zweikammer-Sensing aber keine Stimulation.

Ergebnisse

Die 127 randomisiert Patienten waren im Mittel 62 Jahre alt und hatten eine mediane Ejektionsfraktion von 60%. Die mediane Asystolie-Dauer bei der Kipptischuntersuchung betrug 9 Sekunden und wurde in 89% der Fälle durch einen Sinusarrest ausgelöst. 80% der Patienten hatten eine Kipptisch-induzierte Synkope in der Phase nach Nitrogabe.

Die Studie wurde nach der 2. Interimsanalyse aufgrund eindeutiger Ergebnisse vorzeitig beendet. Der primäre Endpunkt „Synkope“ zeigte sich mit 16% versus 53% signifikant seltener in der „pacing ON“ Gruppe im Vergleich zur „pacing OFF“ Gruppe. Die „Number Needed to Treat“ (NNT) beträgt 2,2, was ein sehr gutes Ergebnis ist.

Auch der sekundäre kombinierte Endpunkt: Synkope oder Präsynkope zeigte sich mit 37% versus 63% signifikant seltener in der „pacing ON“ Gruppe. Kein Patient verstarb während der Studie oder hatte aufgrund einer Synkope eine schwere Komplikation

5 Patienten hatten Schrittmacher-assozierte Komplikationen, die entsprechend behandelt werden konnten.

Interessanterweise hatten einige Patienten in der „pacing ON“ Gruppe weiterhin Synkopen, was auch in anderen Studien beobachtet wurde. Es ist bekannt, dass manche Patienten bei der Kipptischuntersuchung bereits vor der Asystolie oder in den ersten 3 Sekunden der Asystolie das Bewusstsein verlieren. Bei diesen Patienten ist es unwahrscheinlich, dass ein Herzschrittmacher weitere Synkopen verhindern kann.

Fazit

Es ist zu empfehlen, dass das zeitliche Auftreten der Kipptisch-induzierten Synkope in Zusammenhang mit der Asystolie erfasst wird. Diese Information sollte in die Indikationsstellung zur Herzschrittmacher-Implantation einfließen.

Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass bei über 40-jährigen Patienten mit rezidivierenden vasovagalen Synkopen und Kipptisch-induzierter Asystolie ein CLS-Herzschrittmacher die Rate wiederkehrender Synkopen deutlich reduziert.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich, Sie bald wieder hier auf Medscape begrüßen zu dürfen.
 

Kommentar

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