15-Jahres-Daten: Postoperative Bestrahlung verlängert nicht das Überleben, aber manche Brustkrebs-Patientin profitiert

Michael Simm

Interessenkonflikte

11. Dezember 2020

Auch nach mehr als 15 Jahren zeigt sich in einer Phase-3-Studie mit 4.000 Brustkrebs-Patientinnen keine niedrigere Gesamtmortalität nach postoperativer Bestrahlung der brustinternen und medial-supraclaviculären Lymphknoten. Das berichten Prof. Dr. Philip M. Poortmans von der Universität Antwerpen und Kollegen in The Lancet Oncology [1].

Zuvor hatten Studien gezeigt, dass Patientinnen mit Brustkrebs, die nach der Operation eine partielle oder umfassende Bestrahlung der regionalen Lymphknoten erhielten, nach 10 Jahren durchschnittlich länger progressionsfrei und ohne Fernmetastasen überleben als Frauen ohne solch eine Strahlentherapie. Auch die Brustkrebs-Mortalität ist reduziert, wogegen die Daten zum Gesamtüberleben nicht eindeutig sind. Diese Frage wollten die Forscher um Poortmans nun klären.

Welchen Nutzen haben Brustkrebs-Patientinnen von einer Bestrahlung?

Für die Phase-3-Studie EORTC 22922/10925 wurden in 13 Ländern 4.004 Frauen im Alter bis 75 Jahre mit Adenokarzinomen der Brust im Stadium 1 bis 3 nach der Operation randomisiert. Sie erhielten eine Bestrahlung der brustinternen und medial-supraclaviculären Lymphknoten (IM-MS) mit 50 Gy in 25 Fraktionen oder keine Bestrahlung.

Nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 15,7 Jahren waren 554 Patientinnen (27,7%) mit Bestrahlung und 569 (28,4 %) in der Kontrollgruppe gestorben. Das Gesamtüberleben betrug 73,1 % (95%-Konfidenzintervall 71,0%-75,2%) gegenüber 70,9% (95%-KI 68,6%-72,9%). Als Hazard Ratio (HR) geben die Autoren 0,95 zugunsten der Bestrahlung an (95%-KI 0,84-1,06). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war statistisch nicht signifikant (p=0,36).

Patientinnen in der Gruppe mit Bestrahlungen hatten weniger Rezidive (24,5 vs. 27,1%, HR 0,87, p=0,024), eine geringere Brustkrebs-Sterblichkeit (16,0% vs. 19,8 %, HR 0,81, p=0,0055), aber ein ähnliches krankheitsfreies Überleben (60,8% vs. 59,9 %, HR 0,93, p=0,18) und ein ähnliches Fernmetastasen-freies Überleben (70,0% vs. 68,2%, HR 0,93, p=0,18).

Bestrahlung nur bei hohem Rezidiv-Risiko

Die durch eine postoperative IM-MS-Bestrahlung erzielte Verringerung der Brustkrebs-Mortalität und der Häufigkeit von Rezidiven schlägt sich bis zu 15 Jahre später nicht im Gesamtüberleben von Patientinnen nieder. Die Todesursachen in beiden Gruppen seien ähnlich gewesen, merken die Autoren an.

 
Unsere Resultate zusammen mit denen anderer würden den selektiven Einsatz der Lymphknotenbestrahlung bei Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko rechtfertigen. Prof. Dr. Philip M. Poortmans und Kollegen
 

Weiter meinen sie aber: „Unsere Resultate zusammen mit denen anderer würden den selektiven Einsatz der Lymphknotenbestrahlung bei Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko rechtfertigen.“ Poortmans und seine Kollegen planen, die Teilnehmerinnen noch weitere 5 Jahre nachzuverfolgen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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