EMA: Neue Therapien für Krebs, Influenza und erhöhten Augeninnendruck – Einschränkungen für Ulipristalacetat

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

13. November 2020

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bei seinem Meeting Mitte November empfohlen, 5 Medikamente zuzulassen [1]. Darunter befinden sich 3 nicht orphane Arzneimittel, ein Orphan Drug und ein Biosimilar.

Pertuzumab / Trastuzumab bei metastasiertem Brustkrebs

Der Ausschuss empfahl die Erteilung einer Marktzulassung für Phesgo® für die Behandlung von frühem und metastasiertem Brustkrebs. Die Wirkstoffe von Phesgo® sind Pertuzumab und Trastuzumab, 2 monoklonale Antikörper, die auf den humanen epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER2) abzielen. Sie stören die HER2-Signalübertragung und vermitteln die antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität.

Der Vorteil von Phesgo® besteht darin, dass es als subkutane Kombination von Pertuzumab und Trastuzumab mit fester Dosis verabreicht wird und Patientinnen eine weniger invasive und schnellere Verabreichung als ein einziges Produkt bietet als die derzeitige Verabreichung der zugelassenen intravenösen Pertuzumab- und subkutanen Trastuzumab-Formulierungen. Als häufigste Nebenwirkungen nennt der CHMP Alopezie, Durchfall, Übelkeit, Anämie, Asthenie und Gelenkschmerzen.

Latanoprost / Netarsudil bei erhöhtem Augeninnendruck

Der CHMP verabschiedete auch ein positives Gutachten für Roclanda® zur Senkung des erhöhten Augeninnendrucks bei erwachsenen Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension, bei denen eine Monotherapie mit einem Prostaglandin oder mit Netarsudil keine ausreichende Augeninnendruck-Senkung bewirkt.

Die Wirkstoffe von Roclanda® sind Latanoprost (ein Prostaglandin-Analogon) und Netasurdil (ein Rho-Kinase-Inhibitor). Ziel der Therapie ist, den Augeninnendruck zu senken. Als häufigste Nebenwirkungen nennt der Ausschuss Bindehauthyperämien.

Baloxavir Marboxil bei unkomplizierter Influenza

Auch Xofluza® bekam grünes Licht. Es enthält Baloxavir Marboxil, ein antivirales Mittel zur systemischen Anwendung, das im Körper in Baloxavir umgewandelt wird. Baloxavir verhindert die Replikation des Influenzavirus durch Hemmung der cap-abhängigen Endonuklease, einem virusspezifischen Enzym im viralen RNA-Polymerasekomplex.

Studien zufolge verkürzt Xofluza® die Dauer von Influenza-Symptomen bei gesunden Personen und bei Personen mit hohem Risiko für Influenza-Komplikationen. Nach der Postexpositionsprophylaxe entwickelten signifikant weniger Probanden eine symptomatische Influenza.

In klinischen Studien wurden keine relevanten, häufigen Nebenwirkungen beobachtet. Es kam zu Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxien und weniger schweren Überempfindlichkeitsreaktionen wie Urtikaria und Angioödemen.

Biosimilar von Bevacizumab bei verschiedenen Krebserkrankungen

Das Biosimilar-Medikament Onbevzi® (Bevacizumab) wurde vom CHMP positiv bewertet für die Behandlung von Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, Brustkrebs, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Nierenzellkrebs, epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder primärem Peritonealkrebs und Gebärmutterhalskrebs.

Bevacizumab, ein monoklonaler Antikörper, bindet an den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF), den Haupttreiber der Vaskulogenese und Angiogenese, und hemmt dadurch die Bindung von VEGF an seine Rezeptoren auf der Oberfläche von Endothelzellen. Die Neutralisierung der biologischen Aktivität von VEGF verringert die Vaskularisierung von Tumoren, normalisiert das verbleibende Tumorgefäßsystem und hemmt die Bildung neuer Tumorgefäße, wodurch das Tumorwachstum verlangsamt wird.

Das biosimilare Arzneimittel ist dem am 12. Januar 2005 in der EU zugelassenen Referenzprodukt Avastin® sehr ähnlich. Daten zeigen eine vergleichbare Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit.

Positive Empfehlung für ein neues Medikament nach erneuter Untersuchung

Bei der aktuellen Sitzung sprachen sich Experten dafür aus, Elzonris® (Tagraxofusp) für die Behandlung der blastischen plasmozytoiden dendritischen Zellneoplasie (BPDCN), einer seltenen und aggressiven Form der akuten myeloischen Leukämie, zuzulassen.

Der Ausschuss hatte den Antrag im Juli 2020 zunächst abgelehnt, empfahl nach erneuter Prüfung aber, eine Marktzulassung unter außergewöhnlichen Umständen zu erteilen. Dabei wurde die Indikation auf Patienten eingeschränkt, die noch keine Erstlinienbehandlung erhalten haben.

Negative Empfehlung für ein neues Medikament nach erneuter Prüfung

Der Hersteller von Gamifant® (Emapalumab) beantragte eine erneute Prüfung der negativen Stellungnahme vom Juli 2020. Doch der CHMP blieb bei seinem Votum.

Das Arzneimittel sollte bei hämophagozytischer Lymphohistiozytose, abgekürzt HLH, zum Einsatz kommen. Emapalumab, ein monoklonaler Antikörper, richtet sich gegen Interferon-Gamma, um hohe Titer des Botenstoffs zu verringern.

Die Studie umfasste nur eine kleine Anzahl von Patienten, die auch andere Arzneimittel zur Behandlung von HLH erhielten. Darüber hinaus variieren die Symptome im Laufe der Zeit. Daher konnte nicht geschlossen werden, dass die bei einigen Patienten beobachtete Reaktion auf die Wirkung von Gamifant zurückzuführen war. Darüber hinaus konnte die Wirkung von Emapalumab durch verfügbare Daten zur Wirkungsweise des Arzneimittels nicht ausreichend gestützt werden.

6 Empfehlungen zur Erweiterung der therapeutischen Indikation

Der Ausschuss empfahl Indikationserweiterungen für Kyprolis® (Carfilzomib; bei verschieden Krebserkrankungen), Pradaxa® (Dabigatran; bei Störung der Blutgerinnung), Tivicay® (Dolutegravir; bei HIV), Trimbow® (Beclometason/Formaterol/Glycopyrronium-Bromid; bei Asthma), Xarelto® (Rivaroxaban; bei Störung der Blutgerinnung) und Xyrem® (Natriumoxybat; bei Narkolepsie).

Empfehlungen für Nitrosamine

Der CHMP hat die Empfehlungen zur Begrenzung von Nitrosamin-Verunreinigungen in Sartanen denen anderer Arzneimittelklassen angepasst. Die wichtigste Änderung betrifft Grenzwerte für Nitrosamine, die bisher für die Wirkstoffe galten, jetzt aber für Fertigarzneimittel (z.B. Tabletten) angewendet werden.

Grenzwerte, die auf international vereinbarten Standards basieren, sollen sicherstellen, dass das von Nitrosaminen ausgehende übermäßige Krebsrisiko bei allen Sartan-haltigen Arzneimitteln unter 1 zu 100.000 liegt, wenn eine Person das Arzneimittel lebenslang einnimmt.

Überprüfung von Arzneimitteln mit Ulipristalacetat 5 mg

Der Ausschuss empfahl, die Verwendung von Arzneimitteln mit Ulipristalacetat in einer Dosis von 5 mg (Esmya® und Generika) aufgrund möglicher Leberschäden einzuschränken.

Die Medikamente können jetzt nur noch zur Behandlung von Gebärmuttermyomen bei prämenopausalen Frauen eingesetzt werden, bei denen chirurgische Eingriffe (einschließlich einer Gebärmuttermyomen-Embolisation) nicht geeignet sind oder nicht funktioniert haben. Die Medikamente dürfen nicht zur Kontrolle der Symptome von Gebärmuttermyomen verordnet werden, solange eine chirurgische Behandlung noch aussteht.

 

Kommentar

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