DGP-Stellungnahme: Pneumologen sprechen sich gegen E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung aus

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

10. November 2020

Aufgrund der ungeklärten langfristigen Gesundheitsgefahren spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) dagegen aus, E-Zigaretten und Tabakerhitzer zur Tabakentwöhnung zu propagieren. In der aktuellen Ad-hoc-Stellungnahme weist die DGP außerdem darauf hin, dass die Mehrzahl der E-Zigarettennutzer den Zigarettenkonsum nicht beendet, sondern beides parallel konsumiert [1].

Langzeitstudien zu gesundheitlichen Risiken von E-Zigaretten fehlen

Das Aerosol von E-Zigaretten enthält toxische Inhaltsstoffe, die nachweislich schädigend auf die Lunge, das Herz-Kreislauf-System und Immunsystem wirken, betonen die Pneumologen. Dies belege eine Vielzahl von unabhängigen klinischen und experimentellen Untersuchungen. Da jedoch bislang Untersuchungen über die Langzeitfolgen auf den menschlichen Organismus fehlen, sei zurzeit noch unklar, ob der dauerhafte Konsum der E-Zigarette sicherer ist als der von Tabakprodukten.

Auch bei Tabakerhitzern werden laut DGP toxische und karzinogene Substanzen inhaliert. Das Schadenspotenzial sei durch unabhängige Studien ebenfalls nicht ausreichend untersucht.

E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung nicht geeignet

Untersuchungen zu E-Zigaretten als Mittel in der Tabakentwöhnung seien zudem wenig überzeugend, um E-Zigaretten gegenüber den langjährig erprobten und etablierten Nikotinersatzpräparaten (NRT) oder anderen Medikamenten, die das Rauchverlangen reduzieren, zu bevorzugen, heißt es in der Stellungnahme. Wegen der geringen Anzahl der verfügbaren Studien, ihrer begrenzten Qualität und der widersprüchlichen Resultate seien weitere Untersuchungen notwendig.

Zwar zeigen mehrere randomisiert-kontrollierte Studien einen leichten Vorteil der E-Zigarette gegenüber NRT – anders allerdings die Ergebnisse epidemiologischer Longitudinalstudien, die ausstiegswillige Raucher über einen längeren Zeitraum verfolgen: Hier sind E-Zigaretten nicht überlegen, sondern unterlegen, berichtet die DGP.

Die Mehrzahl der E-Zigarettennutzer beendet den Zigarettenkonsum nicht, sondern konsumiert beides parallel (dual use). Entwöhnungswilligen Rauchern sollte daher immer eine verhaltenstherapeutisch basierte Entwöhnungstherapie angeboten werden, empfehlen die Pneumologen. Wenn starke Raucher im Einzelfall die E-Zigarette anstelle von NRT präferieren, sollte immer eine begleitende verhaltenstherapeutische Beratung erfolgen und die E-Zigarette zeitlich nur begrenzt eingesetzt werden.

E-Zigarette hat Potenzial zur Einstiegsdroge

Die Tabakindustrie versucht, E-Zigaretten und Tabakerhitzer als Alternative zum Zigarettenkonsum zu vermarkten, warnen die Pneumologen. Dabei werde aber keinesfalls spezifisch die Gruppe der stark abhängigen Raucher mit dem Ziel der harm-reduction beworben. Die Werbung ziele besonders auf Jugendliche und junge Erwachsene mit der Folge, dass der E-Zigarettenkonsum vor allem in den jüngeren Altersgruppen ansteigt. Die DGP führt neuere Studien an, wonach die E-Zigarette das Potential zur Einstiegsdroge zum Zigarettenkonsum hat (Gateway-Effekt).

Die DGP verweist in diesem Kontext ausdrücklich auf die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de

 

Kommentar

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