Aktualisierte Leitlinie: Point-of-care-Tests und Behandlung aller Partner – die künftige Strategie gegen Syphilis

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

27. Oktober 2020

Sexuell übertragbare Infektionen wie die Syphilis bedrohen immer noch die Gesundheit der Bevölkerung. Neue Schnelltests machen eine frühe Diagnose und damit eine frühzeitige Behandlung Infizierter möglich. Ergänzend helfen Partner-Benachrichtigungen, Partner-Behandlungen und Postexpositionsprophylaxen, um Infektionsketten rechtzeitig zu unterbrechen.

Darauf weisen Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG) und der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) in der jüngst aktualisierten Leitlinie zur Behandlung der Syphilis hin [1,2]. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Point-of-care-Tests (POCT) zum Abstrich-Erregernachweis

In die Leitlinie neu aufgenommen wurden sogenannten Point-of-care-Tests (POCT) zum Abstrich-Erregernachweis aus ulzerierten oder nässenden Verletzungen. Dabei handelt es sich um Nukleinsäure-Amplifikationstests (NAAT), welche den mikroskopischen Erregernachweis (Dunkelfeldmikroskopie) durch ihre höhere Spezifität und Sensitivität weitgehend ersetzen könnten, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Fachgesellschaften.

Benachrichtigung und Behandlung des Sexualpartners

Auch das Kapitel zur Partner-Benachrichtigung, Partner-Behandlung und Prophylaxe wurde in der Neufassung erheblich erweitert. Künftig sollen bei einer Primärsyphilis alle Sexualpartner der letzten 3 Monate, bei einer Sekundärsyphilis alle Partner der letzten 12 Monate informiert werden. Bei einem relevanten Erregerkontakt raten DDG und DSTIG zur Postexpositionsprophylaxe mit Benzathin-Benzylpenicillin als Einmalgabe.

Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Helmut Schöfer von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, betont: „Wenn es gelingt, die Sexualpartner früh zu benachrichtigen und zu behandeln, können Infektionsketten unterbrochen, Re-Infektionen vermieden und die kollektive wie individuelle Krankheitslast gesenkt werden.“ 

 
Wenn es gelingt, die Sexualpartner früh zu benachrichtigen und zu behandeln, können Infektionsketten unterbrochen, Re-Infektionen vermieden und die kollektive wie individuelle Krankheitslast gesenkt werden. Prof. Dr. Helmut Schöfer
 

Dabei ist dem Experten sehr wohl bewusst, dass es für den jeweiligen Patienten schwierig sein könne, mit Sexualpartnern über eine mögliche Ansteckung zu sprechen. Hier sei im Aufklärungsgespräch auf ärztlicher Seite viel Empathie nötig, „um gemeinsam mit dem Patienten eine Strategie zu entwickeln, mit der möglichst alle infrage kommenden Sexualpartner informiert, untersucht und ggf. behandelt werden können“, unterstreicht Schöfer.

Makrolid-Antibiotika fallen in der Therapie weg

Weitgehend unverändert in der aktualisierten Fassung sind bis auf das Wegfallen der Makrolid-Antibiotika, darunter Erythromycin und Azithromycin, die therapeutischen Empfehlungen. Benzathin-Benzylpenicillin (Depotpenicillin gluteal) bleibt Therapie der Wahl. Als Alternativen, etwa bei Penicillin-Allergien oder bei Kontraindikationen für intramuskuläre Injektionen, empfiehlt die Leitlinie Doxycyclin oder Ceftriaxon. Für Schwangere, aber auch für Syphilis-Patienten mit einer HIV-Koinfektion, gelten die gleichen Therapieschemata.

Während im zurückliegenden Jahrzehnt die Fallzahlen jedes Jahr angestiegen sind, konnte nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI), Berlin, im Jahr 2018 erstmals ein kleiner Rückgang um 2,6% auf insgesamt 7.332 Syphilis-Fälle verzeichnet werden. Das anhaltend hohe Niveau an gemeldeten Syphilis-Infektionen zeige allerdings, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sei, um Infektionsketten möglichst frühzeitig zu unterbrechen, so Prof. Dr. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG.

Mit der aktualisierten Leitlinie zum Syphilis-Management soll den Leitlinien-Autoren zufolge die diagnostische und therapeutische Sicherheit für Patienten verbessert werden. Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten und Risikominimierung, beispielsweise durch einen Kondomschutz, blieben wichtig.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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