Praxis-Studie testet Schizophrenie-Medikamente im Direktvergleich: Amisulprid ist Aripiprazol und Olanzapin überlegen

Michael Simm

Interessenkonflikte

26. Oktober 2020

Bei Patienten, die unter Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen mit aktiver Psychose litten, erwies sich in einer Studie unter realistischen Bedingungen Amisulprid bei der Reduktion positiver und negativer Syndrome laut PANSS-Skala wirksamer als Aripiprazol und Olanzapin.

Die atypischen Antipsychotika Amisulprid, Aripiprazol und Olanzapin werden in der Erstlinienbehandlung eingesetzt, sind aber zuvor noch nicht unter Praxisbedingungen direkt miteinander verglichen worden.

4 Kliniken, 144 Patienten

Unter 359 Patienten, die an 3 norwegischen und einem österreichischen Zentrum gescreent wurden, hatten 82 ihre Teilnahme abgelehnt, 107 die Einschlusskriterien nicht erfüllt, und 26 aus anderen Gründen nicht teilgenommen, sodass 144 Patienten randomisiert werden konnten.

Sie erfüllten die ICD-10-Kriterien für Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (F20-F29) und zeigten Symptome einer aktiven Psychose. Die Behandlung geschah unverblindet und sowohl die Anfangsdosis als auch Anpassungen der Therapie blieben dem behandelnden Arzt überlassen.

Amisulprid signifikant wirksamer als Aripiprazol und Olanzapin

Der durchschnittliche Wert auf der Skala der Positiven und Negativen Syndrome (PANSS) hatte anfänglich bei 78,4 gelegen. Die Reduktionen nach 52 Wochen (primärer Endpunkt) betrugen:

  • Amisulprid: 32,7 Punkte

  • Aripiprazol: 21,9 Punkte

  • Olanzapin: 23,3 Punkte

Damit war Amisulprid signifikant wirksamer als Aripiprazol (p = 0,027) und Olanzapin (p = 0,025).

Zunahmen bei Gewicht, Serumlipiden und Prolaktin wurden in allen Gruppen beobachtet. 20 Patienten erlitten insgesamt 26 schwere Nebenwirkungen, darunter 4 (9%) unter Amisulprid, 10 (21%) unter Aripiprazol und 6 (12%) unter Olanzapin. Diese Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Autoren folgern, dass ihre Studie die Annahme unterstützt, dass es zwischen den Antipsychotika klinisch relevante Unterschiede gibt. Sie regen an, dass die weitere Forschung darauf abzielen sollte, diese Arzneien unter alltäglichen Praxisbedingungen zu testen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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