Studie zur COVID-19-Politik: Nur eine Minderheit ist skeptisch-ablehnend – vor allem AfD-Anhänger

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

7. Oktober 2020

Eine Studie an der Universität Konstanz mit 3.200 Befragten zeigt: Das Vertrauen in unser Gesundheitssystem und unsere Regierung während der Corona-Krise hängt vor allem von der parteipolitischen Einstellung ab. Das geht aus einer Studie des Berliner Think-Tanks „Das Progressive Zentrum“ und des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ der Universität Konstanz hervor. Autor ist Prof. Dr. Marius R. Busemeyer [1].

Kein Riss in der Gesellschaft

Die Parteinähe sei bei Einschätzungen der Bürger entscheidend, so Busemeyer: Wer der Alternative für Deutschland (AfD) nahestehe, misstraue dem Gesundheitssystem und der Informationspolitik der Bundesregierung weitaus häufiger als Menschen mit anderer parteipolitischer Ausrichtung. Geschlecht, Einkommen, Alter und Bildungsstand der Befragten spielten ebenfalls eine – wenn auch geringere – Rolle.

Die Studie widerlege damit die These, dass es in der Frage des Vertrauens in staatliche Institutionen einen Riss quer durch die Gesellschaft gebe, so der Forscher. Stattdessen liefere sie Hinweise für eine Polarisierung zwischen einer misstrauisch-unzufriedenen Minderheit und dem mehrheitlichen Rest der Bevölkerung.

Die meisten Bürger vertrauen der Regierung

Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung zeigen, dass die Bevölkerung die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystem als hoch einschätzt; 2 von 3 Befragten geben an, dass sie ein „sehr hohes“ oder „hohes“ Vertrauen in das Gesundheitssystem haben, im Fall einer eigenen Erkrankung am Coronavirus die notwendige Versorgung zu bekommen.

Zustimmungswerte unterscheiden sich allerdings stark zwischen den Anhängern verschiedener Parteien. Während diejenigen, die Bündnis 90/Die Grünen unterstützen, zu 80,4 Prozent Deutschlands Gesundheitssystem vertrauen, tun dies nur 44,1 Prozent bei der AfD.

 Außer der politischen Prägung hat die Studie auch den sozio-ökonomischen Hintergrund abgefragt. Daraus ergibt sich, dass sowohl Besserverdienende als auch ältere Menschen – die ja sogar vermehrt zur Risikogruppe gehören – ein besonders hohes Vertrauen in das Gesundheitssystem haben.

Mehr Skepsis gegenüber der Informationspolitik der Bundesregierung

Weniger zufrieden zeigen sich die Befragten hinsichtlich der Informationspolitik der Bundesregierung. Im Bevölkerungsdurschschnitt sind lediglich 48,2 Prozent der Meinung, dass die Bundesregierung „ziemlich“ oder „sehr wahrheitsgetreu“ informiert habe.

Auch in dieser Hinsicht sei die Anhängerschaft der AfD besonders misstrauisch, heißt es in einer Mitteilung der Universität: Nur knapp 12 Prozent von ihnen glaubten an ziemlich oder sehr wahrheitsgetreue Informationen. Im Gegensatz dazu hätten diejenigen, die Bündnis 90/Die Grünen (69,4%) oder der CDU/CSU (66%) nahestünden, großes Vertrauen in die Informationspolitik der Regierung.

Mehrheitsmeinung: Deutschland war nicht gut vorbereitet

Trotz des allgemein hohen Vertrauens in die Leistungsfähigkeit und die Fairness des deutschen Gesundheitssystems zeige die Studie auch eine gewisse Skepsis, was die Vorbereitung auf die Corona-Pandemie angehe, schreibt Busemeyer.

Die Krisenreaktion als solche bewerten die Befragten im Durchschnitt nur als moderat gelungen (6,0 auf einer Skala von 0 bis 10). Dass sie dem Gesundheitssystem hier kein besseres Zeugnis ausstellen, ist der Mitteilung zufolge in der Wahrnehmung der Studienteilnehmer der mangelnden Krisenbereitschaft zuzuschreiben. Nur eine Minderheit von 36,2 Prozent meine, das deutsche Gesundheitssystem sei auf eine Krise vorbereitet gewesen, erklärt Busemeyer. Erneut weise die AfD-Anhängerschaft mit 18,8 Prozent den niedrigsten Wert auf, die Anhängerschaft von CDU/CSU mit 45,4 Prozent den höchsten.

Eine weitere Polarisierung verhindern

Die Analyse der Befragung habe gezeigt, dass verschiedene Dimensionen des Vertrauens systematisch miteinander zusammenhängen, so Busemeyer: „Wer glaubt, bei einer Corona-Infektion nicht ausreichend versorgt zu werden und die Krisenvorbereitung als mangelhaft bewertet, der meint oft auch, dass die Bundesregierung die Bevölkerung nicht ausreichend, rechtzeitig oder wahrheitsgemäß informiert.“

 
In der nächsten Phase der Krisenbewältigung wird es mehr um wirtschaftliche und soziale Folgen gehen als um rein gesundheitliche Gefahren. Prof. Dr. Marius R. Busemeyer
 

Für die Zukunft schlussfolgert der Autor: „In der nächsten Phase der Krisenbewältigung wird es mehr um wirtschaftliche und soziale Folgen gehen als um rein gesundheitliche Gefahren. Wenn diese sozialen Folgen von der Politik mehr in den Blick genommen werden, besteht eine Chance, dass die in unserer Studie festgestellte Polarisierung nicht noch weiter zunimmt. Darum ist es nun besonders wichtig, sozioökonomische Unterschiede und Benachteiligungen auszugleichen.“

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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