Bislang zu wenig beachtet: US-Experte fordert mehr Forschung zu Rekonvaleszenz-Plasma bei COVID-19

Priscilla Lynch

Interessenkonflikte

6. Oktober 2020

Rekonvaleszenz-Blutplasma sei eine nutzenbringende und relativ sichere Therapie für COVID-19 und sollte vielleicht verbreiteter eingesetzt werden, meint Prof. Dr. Arturo Casadevall, Chair of Molecular Microbiology and Immunology an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health [1].

Bei seinem Vortrag während der 2020 ESCMID Conference on Coronavirus Disease (ECCVID) sagte er, Blutplasma sei derzeit die einzige Therapie gegen COVID-19, die mit einer starken Verringerung der Mortalität assoziiert sei, wenn das Blutprodukt vor der Einweisung auf die Intensivstation verabreicht werde.

Antikörperspiegel im Plasma variieren

Casadevall zitierte Daten aus klinischen Studien: Rekonvaleszenz-Blutplasma weise eine antivirale Wirkung auf, indem es die Entzündung verringere; ein wesentliches Problem bei Patienten, die mit schwerer COVID-19 in ein Krankenhaus eingewiesen würden.

Für eine erfolgreiche Behandlung mit Blutplasma sei der Antikörperspiegel entscheidend, der laut bisherigen Ergebnissen je nach Plasmaeinheit variieren könne. Casadevall sagte, dass eine Reihe von Variablen der Antikörper berücksichtigt werden müssten:

  •  Beinhaltet das Plasma überhaupt spezifische Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Antigen?

  • Sind ausreichend hohe Antikörperspiegel im Plasma vorhanden?

  • Wurde das Plasma früh genug verabreicht, um eine Wirkung zu zeigen?

Beachtet die Forschung Rekonvaleszenz-Plasma zu wenig?

Casadevall selbst ist an 2 großen randomisierten, placebo-kontrollierten klinischen Studien zu Rekonvaleszenz-Blutplasma für die Behandlung und Prophylaxe von COVID-19 beteiligt, die, wie er sagte, definitivere Antworten liefern sollten.

 
Wenn Sie qualitativ hochwertiges Plasma und Personen in stationärer Behandlung haben, besagt die aktuell verfügbare Evidenz, dass es angemessen sicher ist und gute Ergebnisse liefert. Prof. Dr. Arturo Casadevall
 

Er merkte an, dass Blutplasma nicht die Aufmerksamkeit geschenkt worden sei wie neuartigen pharmazeutischen COVID-19-Behandlungen. Manche dieser Arzneistoffe hätten jedoch nur begrenzte Wirksamkeit und seien sehr teuer, während das Rekonvaleszenz-Blutplasma kostengünstig mit geringem technischem Aufwand gewonnen werden könne und leicht anwendbar sei. Und „es ist bemerkenswert gut verträglich“, wie der Experte betont. Dies gelte auch für älteren, kränkere Patienten.

Jetzt bestünden Herausforderungen darin, herauszufinden, ob, wann und wie es wirksam eingesetzt werden könne.

Auf die Frage, welche COVID-19-Patienten Rekonvaleszenz-Blutplasma erhalten sollten, erklärte Casadevall: „Es hängt vom Patienten und der Verfügbarkeit des Plasmas ab, aber wenn Sie qualitativ hochwertiges Plasma und Personen in stationärer Behandlung haben, besagt die aktuell verfügbare Evidenz, dass es angemessen sicher ist und gute Ergebnisse liefert.“

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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