US-Präsident Trump positiv auf SARS-CoV-2 getestet – ist er ein „typischer Risikopatient“? Das sagen Experten dazu

Zosia Chustecka

Interessenkonflikte

2. Oktober 2020

Die Welt erwachte heute mit der Nachricht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und seine Frau Melania positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet worden sind. Trump twitterte die Nachricht um 1 Uhr morgens New Yorker Zeit (7 Uhr früh in Deutschland). Er sagte in diesem Tweet, dass sowohl er als auch Melania nun in Quarantäne seien. 

Sein Arzt Dr. Sean Conley, Do, FACEP, bestätigte den positiven Test und sagte, dass es dem Paar „derzeit gut geht". Er fügte hinzu: „Seien Sie versichert, dass ich erwarte, dass der Präsident seine Aufgaben ohne Unterbrechung erledigen wird, während er sich erholt."

Trump – ein typischer Risikopatient?

Nach dem Profil des Präsidenten würden ihn Ärzte theoretisch als Risikoperson einstufen: Er ist männlich, älter (74 Jahre alt) und übergewichtig (geschätzter Body-Mass-Index von 30,5) – 3 Faktoren, die bekanntermaßen das Risiko erhöhen, eine schwere Verlaufsform von COVID-19 zu entwickeln.

Es gibt jedoch auch viele weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, kommentiert Prof. Dr. Naveed Sattar, Professor für metabolische Medizin, University of Glasgow, als Reaktion auf die Nachrichten gegenüber dem UK Science Media Centre . „Donald Trump hat zwar einige Risikofaktoren, so ist er männlich, älter (ein noch stärkerer Risikofaktor) und er hat Übergewicht, aber wenn er keine chronischen Erkrankungen hat und einigermaßen aktiv ist – was den Anschein hat, denn er spielt wohl viel Golf und scheint einigermaßen gut auf den Beinen – dann könnte dies seine Risiken ausgleichen oder abschwächen, so dass er sich schnell von der Infektion erholen könnte", sagte Sattar.

„Das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder sogar Tod an COVID-19 hängt von vielen Faktoren ab – einige kennen wir noch gar nicht, so dass es immer Unsicherheiten gibt – und es lassen sich nicht so einfach Rückschlüsse allein anhand von ein oder zwei Risikofaktoren allein ziehen", ergänzte er.

Ein anderer Experte verwies allerdings darauf, dass quasi alle Menschen in ihren 70ern zusätzliche Komorbiditäten haben, die das Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf erhöhen.

Es wurde spekuliert, dass Trump eine Form von Herzerkrankung haben könnte, was auch das Risiko erhöhen würde, einen schweren COVID-19-Verlauf zu entwickeln. Die New York Times hatte im September berichtet, dass „ein koronarer Kalzium-CT-Scan im Jahr 2018 einen Score von 133 ergab, was bedeuten würde, dass er eine Form von Herzerkrankung hat wie viele Männer in ihren 70ern".

Im selben Artikel wurde aber auch darauf verwiesen, dass der US-Präsident es vehement bestritten hatte, dass er im letzten Jahr um diese Zeit einige (mysteriöse) Kurzaufenthalte im Krankenhaus hatte, weil er kleine Schlaganfälle erlitten habe.

Nach Gesundheitsaufzeichnungen für Donald Trump, die im Juni veröffentlicht wurden, betrug sein Körpergewicht zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 110 kg, was einen BMI von 30,5 bedeuten würde, wonach er als adipös eingestuft werden müsste – ebenso wie rund 40% der US-Amerikaner, heißt es in einem Artikel auf Sky News .

Dr. Aseem Malhotra, ein leitender Kardiologe und Experte für die Risiken von Adipositas, sagte Sky News, dass „es wahrscheinlich ist, dass Donald Trump ein metabolisches Syndrom hat, was ihn dem höchsten Risiko für Tod oder zumindest einer Krankenhauseinweisung infolge der Virusinfektion aussetzt". Laut Malhotra ist der US-Präsident dadurch „mit einem dreifachen Sterberisiko und einem fünffachen Risiko eines Krankenhausaufenthalts" konfrontiert.

Lässt sich die Infektionskette nachverfolgen? Wer ist noch infiziert?

Einen Tag bevor Trump seinen positiven Test bekannt gegeben hatte, war eine seiner engsten Beraterinnen, Hope Hicks, positiv auf das neue Coronavirus getestet worden und hatte Berichten zufolge auch über Symptome der Krankheit geklagt, wie ein Bericht von Bloomberg News darstellte.

Hicks war mit Trump an Bord der Air Force One zur und von der Präsidentschaftsdebatte in Cleveland am Dienstag, dem 29. September, und zu einer Kundgebung in Minnesota am Mittwoch, dem 30. September, gereist. „Sie fühlte sich in Minnesota schlecht und wurde an Bord des Präsidentenflugzeugs auf dem Heimweg unter Quarantäne gestellt, wie es aus internen Kreisen heißt“, berichtete Bloomberg.

„Dies wirft Fragen darüber auf, ob Hicks die Quelle war oder ob alle gleichzeitig von einer anderen Quelle infiziert wurden", kommentiert Prof. Dr. Trish Greenhalgh, FMedSci, Professorin für Primäre Gesundheitsdienste an der Universität Oxford, ebenfalls gegenüber dem britischen Science Media Center .

„Die Infektionskette ist wichtig, weil sie die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, dass Trump auch Joe Biden und andere während der Präsidentschaftsdebatte am Dienstag infiziert haben könnte. Es gibt starke Hinweise aus vielen Quellen, dass das SARS-CoV-2-Virus sowohl über die Atemluft als auch durch Tröpfchen und direkten Kontakt übertragen wird (d. h. Menschen im selben Raum, auch wenn sie mehr als 2 Meter voneinander entfernt sind, sind gefährdet, weil das luftgetragene Virus schließlich alle Teile des Raumes erreicht)", fügte sie hinzu. 

„In dem zwar unwahrscheinlichen, aber nicht unmöglichen Worst-Case-Szenario (in dem Trump ansteckend war, als er während der 90-minütigen Debatte sehr laut sprach), könnte sich dies als ein interessantes natürliches Experiment erweisen, etwa zur Aerosolübertragung und der umstrittenen Rolle von Masken beim Schutz des Trägers", kommentierte sie.

„Dass Donald Trump sich infiziert hat, war zwar nicht unvermeidlich, aber auch nicht unwahrscheinlich. Er ist ein Hochrisiko-Kandidat für eine Infektion – zum einen aufgrund seiner offensichtlichen Abneigung gegenüber persönlichen Schutzmaßnahmen (wie die Aufrechterhaltung der physischen Distanz und gegenüber Gesichtsmasken). Zum anderen aber auch, weil er eine öffentliche Person ist, die Kontakt mit vielen Menschen an vielen verschiedenen Orten hat, mit denen er auch häufig größere Nähe zulässt", kommentierte ein anderer britischer Experte, Prof. Dr. Rowland Kao, Professor für Veterinärepidemiologie und Datenwissenschaften an der Universität von Edinburgh.

„Außerdem ist es natürlich beunruhigend, dass genau diese Aspekte es wiederum wahrscheinlicher machen, dass er auch andere infizieren kann, wenn er ansteckend ist, und daher haben seine Handlungen jetzt eine große Bedeutung. Zum einen, um das Risiko zu verringern, das Virus weiter zu verbreiten – aber am wichtigsten vielleicht, als Beispiel für andere – als gutes oder auch als schlechtes", fügte Kao hinzu.

 

Kommentar

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