DGI mit Empfehlungen zur COVID-19-Therapie: Wer braucht Antikoagulation, wer Glukokortikoide und/oder Remdesivir?

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

1. Oktober 2020

Bei COVID-19 kann die Behandlung mit Remdesivir schon bei mittelschwerem Verlauf als Off-Label-Therapie für Patienten erwogen werden, die zwar noch keine Sauerstofftherapie benötigen, aber ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Besteht bereits eine sauerstoffpflichtige COVID-19-Pneumonie, sollte möglichst frühzeitig ein Glukokortikoid und zusätzlich Remdesivir gegeben werden. Mit diesen Empfehlungen berücksichtigt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) neue Studiendaten [1].

COVID-19-Therapie: Viele Publikationen, viele neue Erkenntnisse

Die wissenschaftliche Diskussion zur Frage, ob, und wenn ja wie COVID-19-Patienten medikamentös behandelt werden sollten, ist im Fluss. Noch gibt es wenige größere, prospektiv randomisierte Untersuchungen zur krankheitsspezifischen Arzneimitteltherapie bei COVID-19. Entsprechende, erst vor wenigen Wochen vollpublizierte Studien hat die DGI zum Anlass genommen, ihre Empfehlungen zu aktualisieren.

Basis war eine Analyse und Bewertung aktueller Studiendaten zu Effektivität und Sicherheit medikamentöser Therapien bei COVID-19.

Dabei unterscheiden die Experten verschiedene Verlaufsformen: Ambulante COVID-19-Patienten mit Symptomen einer tiefen Atemwegsinfektion, aber mild-moderatem Verlauf benötigen keine spezifische Arzneimitteltherapie.

Bei mittelschwerem (moderatem) Verlauf mit pneumonischen Infiltraten, der eine stationäre Aufnahme erfordert, ist außer einer medikamentösen Antikoagulation eine Behandlung mit Remdesivir über 5 Tage zu erwägen. Das gilt vor allem für Patienten, die ein erhöhtes Risiko für schwere Erkrankungen haben, zum Beispiel durch kardiovaskuläre Komorbiditäten, Bluthochdruck oder Diabetes.

Empfohlen werden 200 mg Remdesivir i.v. an Tag 1 und danach 100 mg i.v./Tag als Erhaltungsdosis bis Tag 5.

In Deutschland ist Remdesivir aktuell nicht zugelassen für Patienten mit COVID-19-Pneumonien ohne Sauerstoffbedarf. Eine aktuelle Studie aber habe bei Komorbidität einen signifikant besseren klinischen Status ergeben als die unbehandelte Vergleichsgruppe, so dass der Off-Label-Einsatz für bestimmte Patientengruppen vertretbar sei [2].

Bei schwerem und kritischem Verlauf von COVID-19 mit Sauerstoffbedarf der Patienten stützen nach Meinung der DGI mehrere Metaanalysen und die präliminären Daten der RECOVERY-Studie die Anwendung von Dexamethason (6 mg i.v./p.o. am Tag) oder die eines anderen Glukokortikoids in angepasster Dosis für eine Dauer bis zu 10 Tage [3].

Remdesivir sollte zusätzlich gegeben werden. Bei unzureichender Wirkung nach 5 Tagen könne die Behandlung auf bis zu 10 Tage verlängert werden.

Die Empfehlungen sind eine praktische Orientierungshilfe für Ärzte. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie konkretisiert in Form von Konsensus-Statements, welche wissenschaftliche Evidenz es für antivirale und antiinflammatorische Behandlungen von COVID-19-Patienten gibt, und wann auch ein Off-Label-Use medizinisch vertretbar ist.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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