Von wegen Kardioprotektion! Bei Typ-2-Diabetes ist schon mäßiger Alkoholkonsum mit deutlich höherem Blutdruck verbunden

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

1. Oktober 2020

Starker Alkoholkonsum steht in einem gesicherten Zusammenhang mit Bluthochdruck. Doch wie sieht das bei mäßigem Alkoholkonsum aus?

Studien weisen darauf hin, dass leichter und auch mäßiger Alkoholkonsum eventuell sogar kardioprotektiv ist. Für den Blutdruck jedoch scheint auch ein mäßiger Alkoholkonsum schon zu viel zu sein – vor allem, wenn zusätzlich ein Typ-2-Diabetes besteht.

Dr. Jonathan Mayl, Abteilung für Innere Medizin an der Wake Forest University in Winston-Salem, North Carolina, und seine Kollegen kommen nach der Analyse von Daten der 2008 durchgeführten ACCORD-Studie zu dem Ergebnis, dass Typ-2-Diabetiker schon dann ein deutlich erhöhtes Hypertonie-Risiko haben, wenn ihr wöchentlicher Alkoholkonsum 7 Getränke überschreitet [1].

Mayl und seine Kollegen hatten die Angaben von 10.200 Teilnehmern der ACCORD-Studie ausgewertet, die alle an Diabetes mellitus Typ 2 litten und ein hohes kardiovaskuläres Risiko hatten. Alkoholkonsum wurde in 4 Kategorien eingeteilt:

  • abstinent,

  • leicht (1 bis 7 Getränke/Woche),

  • mäßig (8 bis 14 Getränke/Woche) und

  • stark (≥ 15 Getränke/Woche) eingeteilt.

Als 1 alkoholisches Getränk galten zum Beispiel 350 ml Bier, 180 ml Wein oder 40 ml Schnaps.

  • 2 Drittel der Befragten gaben an, abstinent zu sein,

  • 21% gaben einen leichten Alkoholkonsum an,

  • 2% einen moderaten Konsum und

  • 1% einen starken Alkoholkonsum.

Bereits mäßiger Konsum mit erhöhtem Risiko um über 60 Prozent assoziiert

Der Blutdruck wurde nach den Richtlinien des American College of Cardiology (ACC) kategorisiert:

  • normal (< 120/80 mmHg),

  • erhöht (120-129 mmHg, < 80 mmHg),

  • Hypertonie der Stufe 1 (130-139 mmHg oder 80-89 mmHg) und

  • Hypertonie der Stufe 2 (≥ 140 mmHg oder ≥ 90 mmHg).

Mittels logistischer Regressionsanalyse wurde der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Hypertonie untersucht.

  • Leichter Alkoholkonsum war nicht mit erhöhtem Blutdruck verbunden.

  • Bereits mäßiger Alkoholkonsum war dagegen – verglichen mit Abstinenzlern – mit einem erhöhten Blutdruck (Odds Ratio: 1,79), einer Hypertonie der Stufe 1 (OR: 1,66) und Stufe 2 (OR: 1,62) assoziiert.

  • Mit starkem Konsum nahm das Risiko noch stärker zu: für erhöhten Blutdruck (OR: 1,91), Hypertonie Stufe 1 (OR: 2,49) und Stufe 2 (OR 3,04).

„Obwohl frühere Forschungen eine Assoziation zwischen mäßigem Alkoholkonsum und Bluthochdruck nicht bewiesen hatten, konnten wir in einer großen Kohorte zeigen, dass bereits mäßiger Alkoholkonsum mit Bluthochdruck bei Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus und erhöhtem kardiovaskulären Risiko verbunden ist“, schreiben Mayl und seine Kollegen im Journal of the American Heart Association.

 
Unsere Daten weisen auch auf ein Dosis-Risiko-Verhältnis zwischen Alkoholkonsum und dem Grad der Hypertonie hin. Dr. Jonathan Mayl und Kollegen
 

Die jetzige Analyse ergänze jüngere Publikationen, die die günstigen Effekte von Alkohol infrage stellten. „Darüber hinaus weisen unsere Daten auch auf ein Dosis-Risiko-Verhältnis zwischen Alkoholkonsum und dem Grad der Hypertonie hin“, so Mayl weiter. Die Autoren stufen mäßigen Alkoholkonsum als „modifizierbares Risiko“ ein, über das Ärzte ihre Patienten aufklären sollten.

Eine Schwäche der Arbeit ist allerdings, dass sie auf der Selbstauskunft der Probanden basiert. 2 Drittel der Probanden bezeichneten sich dabei als abstinent. Dabei ist bekannt, dass der eigene Alkoholkonsum – auch aus Angst vor Stigmatisierung – tendenziell eher unterschätzt wird.
 

Kommentar

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