Rheumatoide Arthritis: Placeboeffekt zeigt sich auch in veränderten Laborparametern – brauchen wir neue Studiendesigns?

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

28. September 2020

Eine Querschnittuntersuchung randomisierter, placebokontrollierter Studien zur Behandlung von rheumatoider Arthritis hat gezeigt: Durch Placebos werden sowohl Schmerzen als auch Laborparameter für Entzündungen, zum Beispiel CRP-Werte und die Blutsenkungsgeschwindigkeit, in relevantem Umfang reduziert. Verbesserungen klinischer Ergebnisse unter Placebo sind also nicht nur subjektiv, sondern korrelieren mit objektiv messbaren Werten. Das berichten Forscher um Dr. Jan Voller von der Harvard Medical School, Boston, jetzt in JAMA Network Open  [1].

Starke Placeboeffekte in vielen Studien

In vielen prospektiven, kontrollierten Phase-3-Studien mit Medikamenten gegen rheumatoide Arthritis (RA) gibt es starke Placeboeffekte, so dass die Unterschiede zu Verum oft recht gering ausfallen und nicht statistisch signifikant sind. Damit erreichen möglicherweise Medikamente, die für Patienten einen bedeutenden Effekt hätten, nicht die Zulassung. In einer Querschnittuntersuchung wurden 5 randomisierte, placebokontrollierte Studien auf solche Placeboeffekte hin überprüft. Ziel war, Ausgangswerte einzelner Patienten mit Parametern zum Prüfzeitpunkt zu vergleichen.

Details der Analyse

Es handelte sich um eine Querschnittuntersuchung von 5 prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Studien mit einer Gesamt-Teilnehmerzahl von 788 Personen in den Placebo-Gruppen. Untersucht wurden die Veränderungen auf einer Schmerzskala im Vergleich zu Woche 12 und zu Woche 24 (visuelle Analogskala mit 0 bis 100 mm sowie Berichte der Patienten). Hinzu kamen Veränderungen der Werte von C-reaktivem Protein (CRP) und der Erythrozyten-Senkungs-Geschwindigkeit (ESG).

Den Placeboeffekt quantifizieren

Es ergaben sich statistisch signifikante Verminderungen der Schmerzintensität in den Placebogruppen, nämlich um -14 mm (Woche 12) und -20 mm (Woche 24) auf der visuellen Analogskala.

Auch die CRP-Werte reduzierten sich statistisch signifikant um durchschnittlich -0,51 mg/dl (Woche 12) und um -1,16 mg/dl (Woche 24). Bei den ESG-Werten betrugen die Differenzen durchschnittlich -11 mm/h und -25 mm/h. All diese Unterschiede waren mit P-Werten < 0,001 statistisch signifikant und klinisch relevant.

Ein statistisches Phänomen?

Ein Vergleich mit den Ausgangswerten der einzelnen Patienten legt den Schluss nahe, dass die Placebo-Wirkungen – zumindest teilweise – Regressionen zum Mittelwert sind.

Bleibt als Fazit: Placeboeffekte in prospektiv-randomisierten, placebokontrollierten Studien sind nicht nur subjektive Eindrücke von Patienten, sondern korrelieren mit Messwerten aus dem Labor. Möglicherweise handelt es sich dabei um statistische Phänomene. Diese Option sollte in der Planungsphase kritischer Studien kritischer berücksichtigt werden, um statistische Ursachen starker Placeboeffekte zu vermeiden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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