SARS-CoV-2: Viel virale RNA auch bei Asymptomatischen – spielen sie eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung?

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

24. September 2020

Asymptomatische Personen mit SARS-CoV-2-Infektion wurden während der Pandemie mehrfach mit Übertragungen in Verbindung gebracht. Es fehlen jedoch Daten über deren Viruslast. Diese Lücke versuchen Sang Hyun Ra vom Asan Medical Center in Seoul und seine Kollegen jetzt zu schließen. Sie fanden heraus, dass Menschen mit „stillem“ COVID-19 eine vergleichbar hohe Menge an viraler RNA im Körper haben wie Patienten mit Symptomen. Ihre Arbeit wurde in BMJ Thorax veröffentlicht [1].

„Diese Personen könnten eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von COVID-19 spielen“, warnen Ra und seine Koautoren. Sie sind der Ansicht, dass ihre Ergebnisse die Ausweitung von Tests rechtfertigen würden.

 
Diese Personen (asymptomatisch Infizierte) könnten eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von COVID-19 spielen. Sang Hyun Ra
 

In einem Podcast rät der Letztautor Prof. Dr. Sung-Han Kim vom Asan Medical Center, Seoul: „Unsere Daten unterstützen die Verwendung von Gesichtsmasken unabhängig von Symptomen und legen nahe, dass der Umfang der SARS-CoV-2-Tests auf asymptomatische Personen in Hochrisikosituationen – wie Pflegeheimen oder Gesundheitseinrichtungen – ausgeweitet werden sollte.“

Studie mit 213 Teilnehmern

Zur Studie: Ra und Kollegen verglichen die Viruslast bei asymptomatischen und symptomatischen Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion. Dabei spielte ihnen der Zufall in die Hände.

 
Unsere Daten unterstützen die Verwendung von Gesichtsmasken unabhängig von Symptomen und legen nahe, dass der Umfang der SARS-CoV-2-Tests auf asymptomatische Personen in Hochrisikosituationen … ausgeweitet werden sollte. Prof. Dr. Sung-Han Kim
 

Zu Beginn der Pandemie gab es einen großen SARS-CoV-2-Ausbruch in Daegu City, Südkorea, bei einer religiösen Gemeinschaft. Epidemiologen spürten enge Kontakte dieses Clusters auf. Sie fanden sie mehr als 3.000 Fälle, wobei der Schweregrad von symptomlos bis zu schwerem COVID-19 variierte. Patienten mit leichten oder keinen Symptomen wurden zur Isolation und zur medizinischen Überwachung in spezielle Quarantänestationen eingewiesen. Dazu gehörten 213 Teilnehmer dieser Studie.

Die Teilnehmer wurden als symptomlos eingestuft, falls sie keine der folgenden Beschwerden hatten: Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Müdigkeit, Rhinorrhoe, eine verstopfte Nase, Geschmacks- oder Geruchsverlust, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Husten, Schleimproduktion, Bluthusten, Kopfschmerzen, Schwindel, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall.

Symptomatische oder asymptomatische Infektion – kein Unterschied bei der Viruslast

Von 213 Patienten mit labordiagnostisch nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion waren 41 (19%) asymptomatisch. In dieser Subgruppe ließen sich 39 (95%) nach einem Median von 12 Tagen per RT-PCR erneut untersuchen.

Von 172 symptomatischen Patienten unterzogen sich 144 (84%) nach median 13 Tagen einem RT-PCR-Folgetest.

21 (54%) aller asymptomatischen und 92 (64%) aller symptomatischen Patienten wurden bei der Nachuntersuchung erneut positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

Asymptomatische und symptomatische Studienteilnehmer zeigten keine signifikanten Unterschiede in den mittleren Ct-Werten der SARS-CoV-2-Gene E (31,15 versus 31,43, p>0,99), RdRp (32,26 versus 32,93, p=0,92) und N (33,05 versus 33,28, p>0,99). Der Ct-Wert (Ct: Cyclethreshold) kennzeichnet die Menge an viraler RNA.
 

Weitere Studien erforderlich

Die Autoren weisen auf einige methodische Limitationen ihrer Arbeit hin. In die Beobachtungsstudie wurden vor allem junge Erwachsene zwischen Anfang 20 und Ende 30 aufgenommen. Ob sich die Befunde auf andere Altersgruppen übertragen lassen, ist unklar. Auch die Erfassung von Symptomen per Fragebogen gilt als fehleranfällig.

Nicht zuletzt schreiben Ra und seine Koautoren: „Unsere Ergebnisse deuten zwar darauf hin, dass bei Patienten mit COVID-19 ein längerfristiger Verlauf als ursprünglich angenommen auftreten kann.“ Sie raten aber, die Resultate mit Vorsicht zu interpretieren. Denn „positive RT-PCR-Ergebnisse weisen nicht unbedingt auf das Vorhandensein eines lebensfähigen Virus hin; zur Bestätigung wären Zellkulturen erforderlich.“

Tatsächlich hätten weitere Studien gezeigt, dass replikationsfähiges SARS-CoV-2 nur innerhalb von 10 Tagen nach Symptombeginn isolierbar sei. „Daher sind weitere Studien erforderlich, um festzustellen, ob die verlängerte Dauer positiver RT-PCR-Ergebnisse bei asymptomatischen Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion oder bei leicht symptomatischen Patienten mit COVID-19 zu einer längeren Betreuung und Quarantäne führen sollte“, lautet ihr Fazit.
 

Kommentar

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