Höchstrisikogruppe Herztransplantierte: 9 von 10 sterben, wenn sie beatmungspflichtig an COVID-19 erkranken

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

21. September 2020

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 sollte nach der Transplantation eines Spenderherzens unbedingt vermieden werden. Denn wenn Patienten mit Spenderherz an COVID-19 erkranken, dann zu 38% so schwer, dass sie intensivpflichtig sind und eine invasive Beatmung benötigen. Von diesen schwerkranken COVID-19-Patienten sterben dann 87,5%, also fast 9 von 10. Das ist das Ergebnis einer Analyse über einen Zeitraum von 4 Monaten an allen deutschen Herztransplantationszentren [1].

Bis Anfang September (Stand: 03.09.2020) sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 25,8 Mio laborbestätigte Fälle von COVID-19 gemeldet worden mit 858.629 dokumentierten Todesfällen. Die Mortalität liegt damit bei durchschnittlich 3,3 %, allerdings ist die Variationsbreite der Sterblichkeit mit 1 bis 49% regional, aber auch unter den Patientenpopulationen mit verschiedenen Komorbiditäten hoch variabel. Von großer Bedeutung ist die Frage, wie hoch die Risiken nach Organtransplantation sind. Für Empfänger eines Spenderherzens ist diese Frage in einer repräsentativen deutschen Studie untersucht worden [1].

Fast jeder dritte Patient starb

Von März bis Juni 2020 wurde die 24 deutschen Herztransplantationszentren zu Anzahl und Verläufen der COVID-19-Erkrankungen bei Erwachsenen befragt.

  • Im Zeitraum von 4 Monaten war bei 21 erwachsenen Empfängern eines Spenderherzens COVID-19 diagnostiziert worden.

  • 2 Drittel dieser COVID-19-Kranken waren Langzeitüberlebende der Transplantation und hatten das neue Herz vor durchschnittlich 7,8 Jahren erhalten.

  • Das durchschnittliche Alter betrug 58,6 Jahre.

  • 8 der 21 Patienten (38,1%) hatten einen schweren Verlauf von COVID-19 und mussten invasiv beatmet werden. Von diesen intensivmedizinisch therapierten Patienten starben 7. Das sind 87,5% aus der Gruppe der Schwerkranken und 30% aus der Gesamtgruppe der Empfänger eines fremden Herzens, die an COVID-19 erkranken.

  • Eine schwere COVID-19-Erkrankung war assoziiert mit

    • einer verminderten rechtsventrikulären Funktion (62,5%)

    • neu auftretenden Herzrhythmusstörungen (50%)

    • thromboembolischen Ereignissen (50%) und

    • erhöhtem kardialen Troponin T.

Strategien zur Behandlung herztransplantierter COVID-19-Patienten nötig

Schwere Verläufe von COVID-19 und COVID-19-Sterblichkeit sind demnach bei Empfängern eines Spender-Herzens deutlich erhöht im Vergleich zum Durchschnitt der Erkrankten. So beträgt die Sterblichkeit bei den intensivpflichtigen COVID-19-Kranken mit Herztransplantat fast 90%, in der Population der Intensivpflichtigen ohne Organtransplantat liegt sie bei circa 52%.

Es sei dringend notwendig, wissenschaftlich abgestimmte Strategien zur Behandlung herztransplantierter Patienten mit COVID-19 zu entwickeln, so die Forscher. Außerdem gebe es weltweit noch zu wenige Verlaufsdaten. 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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